Verfassungsjubiläum Schwieriger Neustart vor 200 Jahren

03.06.2018

1818 bekam Bayern eine erweiterte Verfassung. Die Kirche musste sich an die neuen Verhältnisse erst noch gewöhnen.

Machte Bayern zu einem Verfassungsstaat: König Max I. Joseph
Machte Bayern zu einem Verfassungsstaat: König Max I. Joseph © Wikipedia/Gemeinfrei

München – Heute ist es selbstverständlich, dass in Bayern jeder Mensch seine Religion frei ausüben kann. Noch vor 200 Jahren sah das ganz anders aus. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde um die Religionsfreiheit noch heftig gerungen. Die alten katholischen Fürstbistümer waren von der Säkularisation und den Napoleonischen Kriegen hinweggefegt worden.

Im größer gewordenen Bayern mussten der Staat und die Kirchen ihr Verhältnis völlig neu ordnen. Für die katholische Kirche begann damit ein schwieriger und langwieriger Prozess. Zwar hat der damalige König Max I. Joseph am 26. Mai 1818 eine neue Verfassung erlassen, in der er seinen Bürgern Gewissens- und Religionsfreiheit gewährte. Da die monarchische Regierung den katholischen Bischöfen aber nicht über den Weg traute, schränkte man die Religionsfreiheit gleich wieder mit einem Religionsedikt ein. Noch zu frisch waren die Erinnerungen an die Fürstbischöfe, die in ihren Bistümern auch die weltliche Macht ausübten.

Kirchen unter der Aufsicht des Staates

In dem Religionsedikt hat sich der Staat Rechte vorbehalten bei der Ernennung von Bischöfen und der Besetzung von niedrigeren Priesterämtern, erklärt der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, Peter Küspert. Ein Katalog von Rechtsgegenständen wurde aufgestellt, bei denen der Staat sich ein Mitwirkungsrecht bei kirchlichen Angelegenheiten gesichert hat. Damit standen die Kirchen unter der Aufsicht des Staates, sagt Küspert. Auch in Bayern pochten die liberalen Reformer in der Regierung darauf, dass die Bischöfe nun ganz eindeutig Untertanen des Staates sein mussten. Der Papst in Rom war lediglich für die religiöse Einsetzung der Bischöfe zuständig.

Für die liberalen Kräfte um den Reformer Graf von Montgelas war es außerdem wichtig, dass es kein Zurück hinter die Werte der Aufklärung gab. Dass ging sogar so weit, dass man auch in religiöse Bräuche eingegriffen hat. „Alles, was dem Grundgedanken der Aufklärung aus der Sicht der damaligen Protagonisten widersprochen hat, wurde verboten“, erläutert Küspert. Betroffen davon waren zum Beispiel die Ewige Anbetung oder die Christmette am Heiligen Abend.

Neben dem Religionsedikt gab es als Anhang zur Verfassung noch das Bayerische Konkordat von 1817. Darin wurde zusammen mit dem Vatikan unter anderem festgelegt, dass die Bistümer nun innerhalb der Grenzen des Bayerischen Staates lagen. Langfristig führte das dazu, dass die Katholiken sich trotz der Einschränkungen durch das Religionsedikt als Staatsbürger mit dem modernen Bayern identifizierten, resümiert Küspert. Auch der Kulturkampf zwischen Staat und katholischer Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat daran nichts geändert.

Revolution löste Schock aus

Die Katholiken waren alles in allem im modernen, monarchisch geprägten Verfassungsstaat angekommen. Und schließlich geschockt, als dieser mit der Revolution von 1918 einfach von der Bildfläche verschwand. Wieder musste sich die Kirche neu einrichten. Dieses Mal in einer demokratischen Verfassungsordnung, die zwar mehr Unabhängigkeit brachte, aber auch den hohen Grad an Kirchentreue der Gläubigen, die man in Zeiten des Königreichs gewohnt war, schwinden ließ.

Verfassungsjubiläum im Netz

Einen guten Überblick über die Bayerische Verfassung von 1818 und deren Folgen für das politische und gesellschaftliche Leben in Bayern bietet das Kultur- und Wissensportal des Freistaates bavarikon.de.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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