Schreiben der Glaubenskongregation Schwuler Theologe: „Bin wütend und enttäuscht“

16.03.2021

Nein zur Segnung homosexueller Paare! Die klare Aussage der vatikanischen Glaubenskongregation hat für viel Unruhe gesorgt. Auch bei Michael Brinkschröder. Er ist katholischer Theologe, Religionslehrer und schwul.

Michael Brinkschröder
Michael Brinkschröder engagiert sich im in der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche. © privat

München – Sie ist kurz und unmissverständlich. Die Antwort auf die Frage, ob homosexuelle Paare gesegnet werden können. Sie lautet „Nein“. Die vatikanische Glaubenskongregation hat gesprochen. In ein paar wenigen Absätzen hat sie die Antwort erläutert. Wenig Worte – große Auswirkung. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken übt Kritik, genauso wie die Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Zustimmung kommt von Bischof Oster aus Passau und Bischof Voderholzer aus Regensburg, während sich der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz eher zurückhaltend äußert.

Michael Brinkschröder aus München unterrichtet gerade, als das Papier veröffentlicht wird und ihn schlagartig viele Nachrichten erreichen. Der Religionslehrer engagiert sich in der Ökumenischen Arbeitsgruppe Kirche und Homosexualität. Er sei „wütend und enttäuscht“, sagt er gegenüber mk online, kurz nachdem er den Text gelesen hat.

Argumentationen nicht nachvollziehbar

In dem Schreiben wird mit dem Willen bzw. dem Plan Gottes gegen eine Segnung argumentiert. Für Brinkschröder nicht nachvollziehbar, denn „woher kennt die Glaubenskongregation den Plan Gottes?“. Sie verstehe sich als Interpretin der Heiligen Schrift. Doch das sei sie nicht, so Brinkschröder, „denn wenn sie Interpretin wäre, dann müsste sie neue Auslegungen der Schöpfungsgeschichte oder der biblischen Haltung zur Homosexualität zu Kenntnis nehmen“. Das tue sie aber nicht!

Zum anderen wird in dem Text eine Segnung ausgeschlossen „weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde“. Brinkschröder kommentiert das mit den Worten: „Das erklärt die Menschen für dumm“. Denn natürlich könnten sie unterscheiden, ob da ein Mann und eine Frau steht oder ein gleichgeschlechtliches Paar.

„Pastoraler Ungehorsam“ gewünscht

Die Segnung homosexueller Paare ist auch ein Thema beim Reformprozess Synodaler Weg. Die Beantwortung der Frage durch die Glaubenskongregation empfindet Brinkschröder als „Grätsche“. Es lasse sich als ein Versuch von Machtausübung deuten, um vorweg festzulegen, was am Ende rauskommen darf. Damit lasse man die Diskussion innerhalb des Syondalen Weges nicht zu, so der Theologe. Er hofft, dass die Delegierten sich davon nicht beirren lassen. Von KirchenmitarbeiterInnen und Priestern erwartet er sich einen „pastoralen Ungehorsam“, denn die Argumente für die Entscheidung sind zu „billig“.

Die Kirche muss grundlegend reformiert werden, ist der Religionslehrer überzeugt. Gerade für viele junge Menschen sei die Kirche eine Diskriminierungsinstitution. Eine Evangelisierung, wie sie der Papst fordere, sei mit einem solchen Papier aber nicht möglich. Daher fordert er die Abschaffung der Glaubenskongregation.

Kongregation der Glaubenslehre

Die Kongregation hat die Aufgabe „«die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen» (Pastor bonus vom 28. Juni 1988, Art. 48). Der Präfekt der Glaubenskongregation ist derzeit Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Die Kongregation ist in vier Sektionen unterteilt: 1. Lehrabteilung (Fragen, die mit der Förderung und dem Schutz des Glaubens und der Sitten im Zusammenhang stehen) 2) Disziplinarabteilung (Straftaten gegen den Glauben, schwerwiegenderen Straftaten gegen die Sitten sowie solchen, die bei der Feier der Sakramente begangen wurden sowie Behandlung weiterer Glaubensprobleme disziplinärer Natur) 3. Eheabteilung (Fälle der Eheauflösung und andere Aspekte der Ehe 4. Abteilung der Vierten Sektion (Koordinierung der Belange und Angelegenheiten aller Gemeinschaften, die sich dem usus antiquior, also der außerordentlichen Form des Römischen Ritus verpflichtet haben)

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de


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