Wallfahrten Seelennahrung nach der Krise

27.05.2020

Giovanni Pizzolante vom Bayerischen Pilgerbüro erklärt, was dieses Jahr trotz Corona-Pandemie an Reisen stattfinden kann und worauf Pilger sich einstellen müssen.

Frau wandert vor Sonnenuntergang
In kleinen Gruppen wird es Pilgerreisen geben. © by-studio – adobe.stock

mk online: Auf Reisen gehen, Horizonte erweitern, wie es auf Ihrer Homepage heißt, geht aufgrund der Pandemie derzeit leider nicht. Was bedeutet diese Zeit für das Bayerische Pilgerbüro?

Giovanni Pizzolante: Covid-19 hat bisher alle Reisetätigkeiten weltweit gestoppt. Bald beginnt wohl eine vorsichtige Wiederaufnahme für manche Länder und somit für uns. Das Bayerische Pilgerbüro hat die Zeit genutzt, um sein Profil zu schärfen und sich für die Zeit nach Corona neu aufzustellen. Mit Zuversicht auf eine pandemiefreie Zeit blicken, innehalten und im Vertrauen auf die eigene Expertise den Neustart planen – so erweitern wir täglich den Horizont für uns und unsere Kunden.

Wie gestaltet sich derzeit Ihre Arbeit?

Mit dem Wegfall der Reisewarnung durch das Auswärtige Amt nach dem 14. Juni hoffen wir, einen Teil der nicht abgesagten Reisen für dieses Jahr noch durchführen zu können. Wie das gelingen kann, hängt zunächst wesentlich von den behördlichen Vorgaben hier in Deutschland und in den Reisezielen ab. Für Europa lässt sich feststellen, dass fast jedes Land bezüglich der wiederhergestellten Einreisemöglichkeit ein eigenes Zeitfenster hat und unterschiedliche Schutz und Hygienemaßnahmen vorsieht. Gleichzeitig haben wir die Planung 2021 im Blick. Geschäftsstelle und Homeoffice sind im Moment unser großes und bewährtes „Kreativcenter“.

Sehen Sie Möglichkeiten, aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen?

Dass eine Krise immer auch eine Chance ist, sehen wir ganz klar so. Uns stärkt nicht nur das Bewusstsein, in unserer 95-jährigen Unternehmensgeschichte so manche Klippe umschifft zu haben, sondern vor allem die Solidarität unserer Kunden: Sie halten engen Kontakt zu uns, ermutigen uns, zu bleiben, was wir sind, eben das Bayerische Pilgerbüro, so wie man es kennt und schätzt. Das Bedürfnis, zu verreisen, ist ganz stark – gerade jetzt. Unsere Pilgerreisen, die absolut ein Nischenprodukt sind, kommen nun nach der Krise ganz klar zum Tragen.

Pilger- und Wallfahrten sind für viele Menschen „Seelennahrung“, sie geben Hoffnung und Zuversicht. Unser Angebot erstreckt sich natürlich auch auf einheimische Pilgerziele. Wir sind, was diese angeht, traditionell immer schon und immer wieder nach Altötting, Maria Eck, Regensburg oder auch nach Mariazell in Österreich gefahren. Gerade für Altötting und Mariazell planen wir eine Pilgerreise im Herbst. Daneben planen wir Jakobswegreisen in Deutschland, etwa nach Vierzehnheiligen, in die Eifel und an die Mosel sowie ins Allgäu. Deutschland verfügt über Reiseziele für jeden Geschmack und bietet ausgezeichnete Wanderwege in die nähere und die weitere Umgebung. Sobald wir dürfen, gehen wir mit diesen Reisen in die konkrete Ausschreibung. Wir werden darauf achten, dass es kleinere Gruppen sind, diese Reisen mit Eigenanreise anbieten und natürlich die staatlich vorgegebenen Maßnahmen integrieren.

Im Mai startet eigentlich die Wallfahrtssaison nach Rom. Am 18. Mai war zudem der 100. Geburtstag von Papst Johannes Paul II., zu dem viele Gläubige nach Rom gefahren wären. Wie können Sie sie trösten?

Unsere Kunden drängen darauf, dass wir abgesagte Reisen zu einem späteren Zeitpunkt durchführen. Dem kommen wir natürlich gerne entgegen, sobald es wieder möglich ist. Als Romspezialist gehört für uns die Ewige Stadt zu den ersten und herausragenden Zielen. Der hundertste Geburtstag des heiligen Johannes Paul II. ist für uns ein wichtiger Anlass, an diesen Ausnahmepapst zu denken. So bald wie möglich werden wir, wie für 2020 geplant, in seine polnische Heimat fahren. Papst Wojtyla ist ja gerade in München unvergessen, wo er 1987 Pater Rupert Mayer im Olympiastadion seligsprach. Aus heutiger Sicht planen wir, die folgenden Reisen am Ende dieses Sommers durchzuführen: eine „Pilgerreise nach Südpolen mit Tschenstochau“ (31.8.–6.9.) und „Auf den Spuren von Papst Johannes Paul II. in Polen“ (14.9.–19.9.) mit Bischof Bertram Meier.

Können Sie Gläubigen Hoffnung geben, dass sie heuer noch mit Ihnen nach Rom fahren können?

Ja, diese Hoffnung möchten wir geben, zumal Italien ab dem 3. Juni wieder Touristen aus der EU ins Land lässt. Wir hätten einige Romreisen für den Herbst geplant. Die Durchführbarkeit der Reisen hängt auch von den Schutz- und Hygienemaßnahmen vor Ort ab. Hier geht es um ganz praktische Fragen: Wie groß darf die Reisegruppe sein? Mit wie vielen Reisenden darf ein Bus für die Transferfahrten belegt werden? Darf man im Frühstücksraum des Hotels sitzen oder frühstückt jeder für sich allein im Zimmer? Wie viele Pilger dürfen an den Gottesdiensten teilnehmen, die fester Bestandteil unserer Pilgerreisen sind? Sind also Bewegungs- und Reisefreiheit wieder gewährleistet, gehören wir zu den Ersten, die starten. Das gilt für alle unsere Ziele. Das Bayerische Pilgerbüro steht bereit.

Was können Sie Ihren Kunden in der reisefreien Zeit anbieten?

Wir laden zunächst zu einem virtuellen „Einsteigen“ auf unsere Homepage ein, um sich in der Zeit des Innehaltens zu orientieren, welche Ziele das Bayerische Pilgerbüro für die Zeit nach Corona anbieten wird. So nehmen wir unsere Kunden jetzt schon mit, gemeinsam mit uns in die Zukunft des Reisens mit Sinn und Verstand zu blicken. Unter dem Titel „Digital verreisen“ präsentieren wir reichhaltige Bildergalerien, Videos von bekannten Zielen und nehmen unsere Kunden durch Rezeptvorschläge auch kulinarisch in andere Länder mit. Wir sind auf allen Kanälen mit unseren Kunden verbunden.

Ab wann planen Sie wieder Reisen und zu welchen Zielen?

Wir hoffen, möglichst viele der Herbst- und Winterreisen, die wir im Katalog anbieten, aufrechterhalten zu können. Da wären die Pilgerreisen ins Heilige Land, Rom, Lourdes und Fátima dabei, wie auch Santiago de Compostela als Klassiker des Jakobswegs. Für die Studienreisen stehen Italien, Spanien, Frankreich, Polen und etliche weitere Ziele. Und für die Wanderreisen würde es uns freuen, wenn die Kunden mit uns an die Ostseeküste, nach Amalfi oder Zypern kämen.

Haben Sie da auch besondere Highlights dabei?

Wir sind der christliche Reiseveranstalter mit der längsten Erfahrung im Segment Pilger-, Wander- und Studienreisen und gewiss auch ein Spezialist für den Jakobsweg. Für die Planung 2021 werden wir wieder das Besondere für unsere Kunden in den Mittelpunkt stellen. Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela wird ganz klar einen Schwerpunkt bilden. Deutschland wird dabei sein. Auch bei den Fernreisen möchten wir das eine oder andere Schmankerl anbieten. Die Planung ist sehr dynamisch, weil wir nicht wissen können, wie lange das Virus das Reisen beeinträchtigt. Unser Anliegen ist nach wie vor, an den Hauptdestinationen präsent zu sein und auch an weniger bekannte Orte zu reisen, um Menschen an die kulturellen Schnittstellen dieser spannenden Welt und ihre verborgenen Schätze zu führen. Mehr verraten wir für den Moment noch nicht.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Chefredakteurin Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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