Kreativität Seelsorge in Corona-Zeit: Diese Angebote hat ein Münchner Pfarrverband entwickelt

06.07.2020

Um in der Corona-Zeit in Kontakt mit den Menschen zu bleiben, mussten die Gemeinden neue Formen anbieten. Das Seelsorge-Team des Münchner Pfarrverbands Obergiesing hat sich einiges einfallen lassen.

Pastoralassistentin Kerstin Englmeier, Pastoralassistentin im Vorbereitungsdienst Maria-Viktoria Schambeck und Pastoralreferent Gerhard Wastl sitzen aif einer Terrasse.
Team-Sitzung auf der Terrasse des Pfarrhauses von Königin des Friedens: (von links) Pastoralassistentin Kerstin Englmeier, Pastoralassistentin im Vorbereitungsdienst Maria-Viktoria Schambeck und Pastoralreferent Gerhard Wastl. © SMB/Ertl

München – Pastoralreferent Gerhard Wastl bringt es auf den Punkt: „Es gab bei uns am Anfang eine kurze Schockstarre, dann aber haben wir gesagt, unsere Bot­schaft als Kirche kann nicht das ,Wir sind in dieser Zeit zu‘ sein, sondern das ,Wir sind offen und wir sind da für die Menschen‘.“ Das Seelsorge-Team um Leiter des Pfarrverbands Monsignore Engelbert Dirnberger schaffte es innerhalb weni­ger Tage in den pastoralen Coro­na-Modus zu schalten. Mit optisch sauber angefertigten Plakaten in allen Schaukästen unter dem Motto „mitei­nander – solidarisch – da sein“ und vielen Telefonanrufen schaffte man ein „qualifiziertes Absagen“ der zahl­reichen offenen Veranstaltungen und zugleich die breit gestreute Informati­on, dass die Pfarrbüros und seelsorgli­chen Ansprechpartner in allen drei Gemeinden Heilig Kreuz, Königin des Friedens und St. Helena per Tele­fon, Fax und E-Mail erreichbar sind. Zusätzlich wurden hier auch alle wei­teren wichtigen Telefonnummern und Internetadressen von Telefonseel­sorge, Münchner Insel sowie von Gottesdienstüber­tragungen in Internet, Fernsehen und Radio angegeben.

Neugestaltung der Homepage

Als dies geschafft war, zündete die nächste innovative pastorale Stufe – nämlich die komplette Um- und Neugestaltung der Homepage www.hl-kreuz-giesing.de. Hier sollten alle Angebote übersichtlich und benutzer­freundlich auf einen Blick versammelt und nutzbar gemacht werden, der „Pfarrverband online“ in Corona-Zei­ten wurde realisiert. Dafür nahm man auch Geld in die Hand, denn alles sollte professionell und attraktiv wir­ken, keinesfalls unübersichtlich oder zusammengeschustert, darauf legte Dekan Engelbert Dirnberger Wert.

Die Isolation durchbrechen

Mit Markus Hiltner, Inhaber der Firma „ITinForm – itif.de“, holten sich die Seelsorger daher professionelle und externe Hilfe an Bord. Innerhalb kürzester Zeit wurden für den Pfarrverband Obergiesing eingerichtet: Ein anony­mer Seelsorgs-Chat, Gebetsanliegen online zum Mitbeten, ein täglicher Vi­deo-Gruß sowie spiritueller Impuls zum Anhören aus dem Seelsorge-Team und die Bereitstellung der Videobot­schaft und des Impulses über eine Te­lefonanlage für Personen ohne Inter­netzugang. Später kam noch die Online-Sitzplatzreservierung für Got­tesdienste zur opti­malen Platznut­zung hinzu. „Uns war schnell klar, dass das In­ternet die geeignete Form war, um in Zeiten der Kontaktbeschränkungen diese Isolation von nie gekanntem Ausmaß zu durchbrechen und so et­was wie Stabilität zu vermitteln“, blickt Wastl zurück.

Einmal die Woche Post

Daneben behielt man aber auch stets jene, die technisch nicht so affin waren, mit analogen An­geboten im Blick, wie etwa mit der Aktion „Post für Sie“: Wer sich hierfür an die Pfarrbüros wandte, erhielt ein­mal pro Woche einen Brief mit Impul­sen, Informationen und Anregungen zum Gebet. Ehrenamtliche waren hier, wie auch bei vielen anderen Din­gen, etwa nachbarschaftlichen Hilfs­aktionen, im Einsatz, betont Pasto­ralassistentin Kerstin Engelmeier. Als Zuständige für die Kinder- und Fami­lienpastoral vernetzte sie sich auch mit der Fachstelle im Ordinariat, von wo es zahlreiche Impulse und Anregungen gab.

Menschen Zuversicht vermitteln

Die insgesamt sieben Mitarbeiter des Seelsorgeteams gingen oft bis an ihre Belastbarkeitsgrenzen, fühlten sich aber auch gleichzeitig beflügelt von ihrem Tun in der Krise. „Es war eine sehr dynamische Arbeit, innovativ und situationsgerecht, die viel Energie forderte, aber auch lieferte“, um­schreibt es Wastl: „Wir hatten alle das klare Gefühl, das Richtige zu tun, et­was, das Bedeu­tung hat.“ Maria- Viktoria Schambeck, Pastoralassistentin im Vorbereitungs­dienst, ergänzt: „Anfangs verspürte ich aufgrund der Situation starke Ohnmacht und auch Traurigkeit, dann aber spürte ich, dass es mich trägt, in meiner Arbeit meine Talente einsetzen zu können. Es war total spannend, wie die Ideen bei uns auf­ploppten, sobald der Schalter einmal umgelegt war.“ Ähnlich sieht es auch Engelmeier: „Ich arbeitete nach einer kurzen Phase der Ohnmacht mehr als zuvor, hatte volle Lust drauf. Ich woll­te den Menschen einfach Zuversicht vermitteln, das war alles sehr heraus­fordernd. Aber auch ich habe mich in dieser Zeit von meinem Glauben ge­tragen gefühlt, das gab mir Kraft.“

Corona-Phase war Bewährungsprobe

Von den Menschen habe man sehr viel Zuspruch und positive Rückmel­dungen erhalten – aus den drei Ge­meinden des Pfarrverbands, aber auch von zahlreichen Fremden: „Wir hatten in dieser Zeit Zugriffe bis aus Nord­amerika, sehr viele Angebote, wie etwa unser täglicher Video-Gruß, wurden geteilt und weitergeleitet“, sagt Wastl. Für ihn war die Corona-Phase eine Bewährungsprobe, um dem Auftrag aller Christen, „Zeichen und Werkzeug des Heils zu sein“, ge­recht zu werden: „Das Durchbrechen der Normalität durch Corona beweist, dass nichts im Le­ben selbstver­ständlich ist, aber, dass das Leben auch in solchen Situationen nicht vorbei ist und die Welt nicht untergeht. Hier konnte je­der für sich klären, was Bedeutung für ihn hat – beruflich wie privat.“

Daher sei es nun auch spannend, jetzt, da es immer mehr Lockerungen von den Auflagen und Kontaktbe­schränkungen gibt, gemeinsam zu entscheiden, welche der neuen seel­sorglichen Angebote und Formate, die es ermöglicht hatten, Menschen zu er­reichen, ohne ihre Gesundheit einem Risiko auszusetzen, auch in Zukunft im Pfarrverband von Bedeutung sein werden und in welcher Regelmäßigkeit fortge­führt werden. Denn eins ist klar: Die Zeit nach Corona wird eine andere als vorher sein.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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