Corona-Quarantäne Seelsorge in einer Ausnahmesituation

31.03.2020

Pfarrer Markus Zurl und seine Mitbewohner versuchten, auch in Quarantäne die Verbindung zur Gemeinde aufrecht zu erhalten.

Pfarrer Markus Zurl und seine Mitbewohner in Quarantäne.
Pfarrer Markus Zurl und seine Mitbewohner in Quarantäne. © Privat

Gräfelfing - Die Anweisung des Hausarztes war eindeutig. Das Pfarrhaus nicht verlassen, keine Begegnungen mit Mitarbeitern, auch nicht in die Kirche gehen. Markus Zurl hatte einige Tage nach einer zweistündigen Besprechung mit einem auswärtigen Priester erfahren, dass dieser positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Natürlich hielten sich der Pfarrer von Gräfelfing und seine zwei Mitbrüder an die ärztliche Anweisung. Einen Test auf das Virus haben sie aber erst nach einigen Tagen vorgenommen, denn in der ersten Phase nach einer Infektion ist nicht sicher ob es in einer Speichelprobe schon zu entdecken ist.  

Markus Zurl gehört der Gemeinschaft Emmanuel an, ebenso der Kaplan und ein slowenischer Priester mit überregionalen Aufgaben, die mit ihm im Pfarrhaus leben. Dort haben sie eine eigene kleine Kapelle und schnell war der Gedanke geboren, dort nicht nur allein zu beten und Messe zu feiern, sondern per Internet andere dazu einzuladen. "Von Dienstag bis Freitag laden wir zur Laudes ein, jeden Abend um 18.00 Uhr und am Sonntag um 10.30 Uhr zur Eucharistiefeier." 

Gemeinde in den Blick nehmen

Zu Beginn der ersten Online-Messe wollte Markus Zurl deutlich machen, "dass wir jetzt eine besondere Gemeinschaft haben" und hat zunächst eingeladen, sich an einem kurzen Live-Chat zu beteiligen. Das Ergebnis: rund 250 Menschen haben diese Messe mitgefeiert. Eine stolze Zahl, die Markus Zurl so nicht erwartet hätte: "Ich glaube, da waren viele neugierig, weil es völlig ungewohnt ist, so Eucharistie zu feiern." Jedenfalls hat er "eine starke Zugewandtheit" der einzelnen Gottesdienstteilnehmer festgestellt. 

Das Prinzip sich am Anfang als Gemeinde in den Blick zu nehmen, will er auch nach der Coronakrise in der Kirche fortführen. Oder besser wieder aufnehmen. "Denn wir haben das schon einmal eine Zeit lang gemacht, dass wir uns zu Beginn der Messe umschauen, die Umherstehenden begrüßen und sich die Gläubigen kennen lernen." Denn es komme immer wieder vor, dass Gottesdienstbesucher einander 20 Jahre lang sähen, ohne voneinander den Namen zu wissen. Diese Begrüßung sei nach einer Zeit, "aber wieder eingeschlafen". Der Chat am Anfang des Internetgottesdienstes hat sie wieder ins Gedächtnis gerufen.  

Einige Gottesdienste aus der Hauskapelle der Gemeinschaft sind sogar am Mittelmeer aufgerufen worden. Der Mitbruder aus Slowenien hat Gottesdienste in seiner Muttersprache für Mitglieder der Emmanuel-Bewegung in seinem Heimatland gefeiert. Einmal gab es sogar einen slowenisch-deutschen Gottesdienst. 

Neue Wege

Pfarrer Zurl hat in der Quarantänezeit aber auch andere Weichen gestellt. So hat er den Druck des Pfarrosterbriefes noch rechtzeitig stoppen können. Denn bei Redaktionsschluss stand noch nicht fest, dass alle öffentlichen Gottesdienste mindestens bis zum 19. April ausfallen. Ebenso ist die Einladung überflüssig geworden, sich für Fahrten zum Oberammergauer Passionsspiel anzumelden. 

Stattdessen lässt Pfarrer Zurl jetzt einen zweiseitigen "Newsletter" drucken. Denn bei aller Begeisterung über die pastoralen Möglichkeiten des Internet, "müssen wir auch die vielen älteren Gemeindemitglieder im Blick behalten, die nicht online sind". Den Newsletter verschickt Pfarrer Zurl übrigens bewusst per Post an alle Katholiken des Pfarrverbands zu, "damit Austräger nicht in Kontakt mit Infizierten kommen oder selbst das Virus weitergeben." Denn wer könne schon ausschließen, dass doch jemand die Tür aufmacht, um ein bekanntes Gesicht aus der Gemeinde zu begrüßen und mit dem Austräger ins Plaudern zu kommen. 

Starkes Zeichen der Verbundenheit

Ebenso ruft er die Kinder und Enkel älterer Gemeindemitglieder dazu auf, die im Netz vorliegenden Vorschläge für Hausgottesdienste auszudrucken und den Großeltern in den Briefkasten zu werfen. Für die Osternacht selbst wird der Pfarrverband auf die Übertragung aus dem Münchner Dom verweisen, die auch im Münchner Kirchenradio zu hören sein wird. "Das ist dann schon ein starkes Zeichen der Verbundenheit innerhalb der Erzdiözese." 

Pfarrer Zurl selbst denkt jedoch daran, auch in Gräfelfing eine Osternacht zu feiern und im Internet zu streamen. Um 5.00 Uhr morgens, ein paar Stunden nach der Übertragung aus dem Münchner Dom. Und zwar in der Pfarrkirche: Da dürfen der Pfarrer und seine Mitbrüder übrigens schon seit ein paar Tagen wieder hinein. Denn ihr Corona-Test ist negativ ausgefallen und die strenge Quarantäne aufgehoben.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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