Freiham: Neuer Stadtteil im Münchner Westen Seelsorge mit dem Auto

09.05.2019

Statt eine neue Kirche zu bauen, kauft der Münchner Pfarrverband Neuaubing-Westkreuz ein Auto für mobile Seelsorge.

Planungen für die mobile Seelsorge in Freiham © SMB/sschmid

München – 25.000 Menschen sollen hier einmal leben – der neue Stadtteil Freiham ist eine Herausforderung – besonders für die Verkehrsplaner, aber auch für andere. Selbst die Kirche ist bereits seit einiger Zeit am Überlegen, wie sie dort vertreten sein möchte. Gehören wird das Gebiet zum Pfarrverband Neuaubing-Westkreuz. Und in einer Arbeitsgruppe hat man sich zu einer ganz neuartigen Art der Seelsorge entschlossen. Im Pfarrverband will man nicht mit einer eigenen Kirche, sondern mit einem Auto vor Ort sein. Das Erzbistum München und Freising besäße zwar ein Grundstück im Neubaugebiet – eine Kirche in so unmittelbarer Nähe zur bestehenden Kirche Sankt Konrad zu bauen, sei nicht geplant und auch nicht sinnvoll, erklärt Pastoralreferent Johannes van Kruijsbergen. Da wolle man erst mal abwarten, was sinnvoll ist.

Bislang leben ohnehin noch wenige Menschen in dem Gebiet. Was sie einmal brauchen werden, könne man noch kaum voraussehen. Aber ohnehin meint van Kruijsbergen: „Eine normale Pfarrei zu bauen, ist nicht mehr zukunftsträchtig. Wir haben überlegt, wo leben die Leute? Hauptsächlich auf den Straßen und Plätzen. Da kam uns der Gedanke ein Auto oder Mobil zu haben, wo man einfach vor Ort stehen kann, Kaffee und was zum Trinken ausgeben kann und mit den Leuten ins Gespräch kommt. Vor allem, wo man mal zuhört und wahrnimmt, was die Menschen uns als Kirche zu sagen haben. Denn genau das macht uns aus.“

Motorisierter Schäferwagen

So war die Idee von einem "Seelsorgsbus" geboren. Vorbild ist ein Schäferwagen zur mobilen Seelsorge, den bereits eine Pfarrei im Dekanat Mindelheim anwendet. „Das ist ein Hirtenwagen aus Holz. Darin sind fünf oder sechs Sitzplätze, es hängt ein Kreuz an der Wand, es sind große Fenster und ein kleiner Ofen drin. Davor kann man ein paar Stühle aufstellen und die Menschen können einfach kommen und mit der Gemeindereferentin ratschen. Und so ähnlich stellen wir uns das auch vor.“ Der in Freiham soll jedoch motorisiert sein, ein Hirtenwagen passe zwischen hohen Wohnblöcken nicht.

Mechaniker, Bastler und Helfer gesucht

Am Mittwoch, 8. Mai, informierte der Pfarrverband Interessierte über das neue Projekt. Denn Hilfe können die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Seelsorgsmobil“ auf jeden Fall brauchen. „Wir benötigen beispielsweise jemand, der sich gut mit Autos auskennt und der beurteilen kann, ist das Auto geeignet oder nicht. Dann Menschen, die die Lust und Fähigkeit haben, ein Auto umzubauen. Das kann ich nicht, denn ich habe Theologie studiert und bin kein KFZ-Mechaniker. Wir suchen aber auch Menschen, die sich später mit uns hinstellen und mit den Menschen ins Gespräch kommen möchten und diskutieren, wie wir Kirche anders erlebbar machen möchten.“

Aus Neugierde ist Peter Lahr zu dem Treffen gekommen. Er ist Handwerker und seit drei Monaten Rentner: „Ich habe gelesen, dass handwerklich geschickte Menschen gesucht werden. Das hat mich angesprochen. Es ist ein guter Weg, dass die Kirche rausgeht und vielleicht kann ich mich da einbringen.“

Einige andere informierten sich noch über das neue Projekt. Pastoralreferent Johannes van Kruijsbergen hatte sich aber einen größeren Ansturm erhofft. "Aber wir werden den Plan vom Seelsorgsmobil auf jeden Fall umsetzen", sagt er. "Und vielleicht stoßen ja bald noch mehr Menschen dazu, die sich für diese neue Art der Seelsorge interessieren und mitmachen wollen."

"On Tour" gehen soll das Mobil, wenn alles klappt, zu Beginn des Jahres 2020.

Das will der Pfarrverband übrigens nicht nur im neuen Stadtteil Freiham, sondern auch in seinem „alten“ Gebiet am Westkreuz und in Neuaubing. "Wir haben gemerkt, viele Menschen, die hier wohnen, haben große Bedenken mit dem neuen Stadtteil. Sie haben Sorge, dass sie selbst dann untergehen oder benachteiligt werden, weil viele Kräfte in den neuen Stadtteil fließen", erklärt der Pastoralreferent. Das Ziel sei es zu zeigen: Auch ihr seid wichtig und ihr gehört dazu. Deshalb wolle man sich auch hier in Parks, an Spielplätze oder Einkaufsstraßen stellen, und auch da bei den Leuten sein. Die Menschen ernst nehmen – das ist es, was wichtig sei.

Große Verunsicherung

„Wir haben in unserer Arbeitsgruppe überlegt, was sind die Zeichen der Zeit, die Merkmale, die wir wahrnehmen. Wir spüren große Verunsicherung, wir erleben Menschen, die gerade nicht wissen, 'Was passiert mit mir? Mit uns? Mit unserer Gesellschaft? Wohin geht man mit solchen Fragen?' Eigentlich sind wir als Kirche da der ideale Ansprechpartner. Das wollen wir wieder mehr in den Mittelpunkt stellen. Wir sind für die Menschen da!“ Jetzt hofft der Pfarrverband Neuaubing-Westkreuz auf viele Mitstreiter.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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