Erzbischof Antonius von Thoma Seelsorger statt Gelehrter

04.10.2021

Er war der erste gebürtige Münchner im Amt des Erzbischofs von München und Freising: Antonius von Thoma stand der Erzdiözese von 1889 bis 1897 als Oberhirte vor. Er galt als Wohltäter, dem besonders die Pastoral am Herzen lag.

Erzbischof Antonius von Thoma
Erzbischof Antonius von Thoma © Wikipedia/gemeinfrei

München – Eine Zahl sticht vielleicht heraus, wenn man sich mit dem Leben von Antonius von Thoma beschäftigt: 131.950 – so vielen Menschen hat dieser als Erzbischof von München und Freising das Sakrament der Firmung gespendet. Das ergibt für jeden Tag seiner Amtszeit rund 48 von ihm gefirmte Personen. Und es zeigt, dass Thoma als Erzbischof vor allem die konkrete Seelsorge umtrieb.

Früh versuchte Thoma dem Priestermangel entgegen zu wirken und förderte den geistlichen Nachwuchs. Dabei wollte er keine Gelehrten, sondern „eifrige Mitarbeiter im Weinberg des Herrn heranbilden lassen“, wie es der Kirchenhistoriker Anton Landersdorfer beschreibt. Und der Erzbischof hatte Erfolg: Die Zahl der jährlichen Neupriester stieg unter seiner Führung von durchschnittlich 37 auf 49 an – Größenordnungen, von denen die Kirche heute nicht mehr zu träumen wagt.

Mission in der Stadt

Kreativität bewies der Oberhirte im Umgang mit der „religiösen Gleichgültigkeit“, die laut Landersdorfer die Großstadt München schon vor mehr als einem Jahrhundert zu befallen drohte. So ließ Thoma an zehn Tagen im März 1895 eine sogenannte „Stadtmission“ abhalten. Mit Hilfe von Kapuzinern und Franziskanern wurde in zwölf teilnehmenden Kirchen gepredigt, die Beichte abgenommen und prozessiert. Allein in St. Johann Baptist in Haidhausen seien 5.000 Gläubige in diesen Tagen zur Beichte gegangen. Insgesamt hätte die Aktion großen Anklang gefunden und die Teilnahme der Münchner an den sonntäglichen Gottesdiensten gesteigert. Im darauffolgenden Jahr hat Thoma diese Stadtmission noch einmal wiederholen lassen.

Der Erzbischof profitierte dabei von den jahrelangen Erfahrungen, die er selbst in der Seelsorge gemacht hatte. Thoma wurde am 1. März 1829 als Sohn eines Jägers in Nymphenburg geboren. Obwohl er früh Waise wurde, erfuhr er dennoch „eine gute christliche Erziehung“, so Landersdorfer. Nach dem Gymnasium in Freising studierte er Philosophie und Theologie in München. Im Juni 1853 weihte ihn einer seiner Vorgänger, Erzbischof Reisach, zum Priester.

Dompfarrer in München

Seine erste Zeit als Seelsorger verbrachte Thoma in Teisendorf, später war er vierzehn Jahre lang „Hilfspriester“ in mehreren Münchner Gemeinden, bevor er 1867 zum Pfarrer von St. Zeno in Bad Reichenhall berufen wurde. Zwölf Jahre später kehrte er in das Herz der bayerischen Landeshauptstadt zurück und wurde Pfarrer von Heilig Geist am Viktualienmarkt mit damals 26.000 Katholiken. Wegen der „soliden Arbeit“, die Thoma dort leistete, wurde er bald ins Domkapitel aufgenommen und 1883 gar zum Dompfarrer gewählt.

Doch damit sollte der kirchliche Aufstieg Thomas noch nicht beendet sein. 1889 suchte Prinzregent Luitpold einen staatsloyalen Oberhirten für den Passauer Bischofsstuhl. Seine Wahl fiel auf den Münchner Dompfarrer, der nicht im Verdacht stand, kirchliche Interessen unbeugsam durchzudrücken. Doch Thomas Amtszeit in Passau war rekordverdächtig kurz. Bereits wenige Monate später wurde er nach dem Tod von Erzbischof Steichele nach München zurückberufen – auf den Stuhl des heiligen Korbinian. Wiederum waren es seine Kompromissbereitschaft und Regierungstreue, die vor allem auf staatlicher Seite den Ausschlag für seine Berufung gaben.

Staatsloyal

In seiner Amtszeit gab es deshalb auch wenig scharfe Auseinandersetzungen zwischen katholischer Kirche und bayerischem Staat. So wurde der Deutsche Katholikentag zwar noch 1890 wegen politischer Spannungen nicht in München abgehalten, konnte aber 1895 in der bayerischen Landeshauptstadt und 1897 ebenfalls in der Erzdiözese – in Landshut – stattfinden.

Eine besondere Eigenschaft Anton Thomas sei seine „Hilfsbereitschaft und Freigebigkeit“ gewesen, schreibt Kirchenhistoriker Landersdorfer. So habe der Erzbischof vielfach für die Armen gespendet, Kranken ihre Medikamente bezahlt und sich für Straftäter eingesetzt. Der Emeritenanstalt vermachte er 10.000 Mark für Pensionszahlungen an Ruhestandspriester. Erzbischof Thoma verstarb 1897 im Alter von 68 Jahren nach einer Herzattacke.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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