Neue Ausstellung in Kloster Beuerberg Sehnsucht als Leitmotiv

17.04.2017

Am Ostermontag hat im Kloster Beuerberg, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, eine neue Ausstellung mit dem Titel „Klausur – Sehnsuchtsort Kloster“ eröffnet. Die Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung, Susanne Hornberger, hat sie gesehen.

Hier gehts lang: Ausstellung im Kloster Beuerberg © Kiderle

Beuerberg – Vögel zwitschern um die Wette, Tulpen recken ihre bunten Kelche stolz der Sonne entgegen, Bäume präsentieren ihr schönstes Blätterkleid. Dieser Ort strahlt Ruhe und Kraft aus - und lässt so manche Sehnsucht in mir aufkeimen. Kloster Beuerberg – bis vor wenigen Jahren lebten hier noch salesianische Schwestern von der Heimsuchung Mariens in Klausur - dieses Idyll bei Wolfratshausen öffnet wieder seine Pforten, nun für die II. Ausstellung. Titel: „Klausur – Sehnsuchtsort Kloster“. Kloster waren immer auch Wirkungsstätte starker Frauen. Und in die Welt dieser entführt diese Schau des Freisinger Diözesanmuseums und beschreibt Biografien unterschiedlicher Charaktere mit unterschiedlichen Schicksalen.

Eine interessante Persönlichkeit, eine schöne Adelige auf einem Gemälde, erwartet den Besucher bereits im zweiten Zimmer. Der erste Raum übrigens mit den Gittern ist geblieben, damit sich der Gast sofort hineinversetzen und vorstellen kann, dass er sich nun in Klausur befindet, also abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Doch zurück zu Kurfürstin Henriette Adelaide und ihrem Schicksal. „Sie ist als Prinzessin aus dem Hause Savoyen sehr privilegiert aufgewachsen, sehr früh im Kloster erzogen worden“, erzählt Christoph Kürzeder, Kurator und Leiter des Diözesanmuseums Freising.

Auf dem linken Gemälde ist Kurfürstin Henriette Adelaideaus dem Hause Savoyen zu sehen. Rechts im Bild Christoph Kürzeder, Kurat und Leiter des Freisinger Diözesanmuseums. © Kiderle

Sie selbst habe schon im zarten Alter von neun Jahren in einem Brief erwähnt, Nonne werden zu wollen. Doch das Schicksal wollte es anders. Als wichtige Protagonistin des europäischen Hochadels wurde sie, 15 Jahre jung, nach München mit Kurfürst Ferdinand Maria vermählt. „Sie hat München durch ihre italienische Lebensart sehr stark geprägt“, beschreibt Kürzeder, „viele Künstler, Gelehrte, Intellektuelle kamen in die Stadt. Sie war eine sehr ehrgeizige, ambitionierte Dame.“ So hat die Kurfürstin, als Dank für die Geburt des Thronfolgers Max Emanuel, nicht nur die Theatinerkirche gestiftet und den Theatinerorden nach München geholt, sondern auch die Salesianerinnen. „Das war ihr Herzenswunsch, diesen Orden auch in München zu haben“, erklärt Kürzeder. Diese Kongregation mit seiner individuellen Spiritualität, die sehr stark geprägt ist durch Theologie und Spiritualität Franz von Sales, habe der Adeligen sehr gelegen. Und so hat sich Kurfürstin Henriette Adelaide im Jahre 1667 mit den Salesianerinnen in Padua getroffen, um gemeinsam nach München zu reisen, erzählt Kürzeder, der jede Geschichte zu jedem Gemälde und Gegenstand bis ins kleinste Detail kennt und dem Besucher wunderbar nahebringen kann.

Schräg gegenüber von der Frau, die die Salesianerinnen nach München holte, hängt das Gemälde einer anderen starken Persönlichkeit: die Gründerin des Ordens, Johanna Franziska von Chantal. „Ihr Leben ist geprägt zum einen durch einen privilegierten Stand, aber auch durch zahlreiche Schicksalsschläge“, weiß Kürzeder. Der Ehemann früh verstorben findet Johanna Franziska in Franz von Sales, einem wichtigen geistlichen Herrn dieser Zeit, einen guten Freund. „Johanna Franziska und Franz von Sales haben 1610 in Annecy den Orden der Salesianerinnen gegründet“, erklärt Kürzeder. Bis heute sind sie Leitfiguren im Orden. Eine weitere starke Frauenpersönlichkeit sei hier noch genannt, Johanna Carolina von Spreti, gemalt als hübsche Profess-Schwester, die auch das offizielle Plakat der Ausstellung ziert. „Sie ist jung in den Orden eingetreten“, berichtet Kürzeder, „und hat dann die Umbruchszeit der Säkularisation erleben müssen, ist aber an diesen Aufgaben sehr stark gewachsen und hat die Gemeinschaft über die Säkularisation gerettet.“ Ab dem Jahr 1830 konnte sie wieder wachsen.

Auf einem weiteren Gemälde: Die Gründerin des Ordens der Salesianerinnen, Johanna Franziska von Chantal. © Kiderle

Alles Beispiele ganz unterschiedlicher, interessanter Persönlichkeiten. Aber inwiefern ist Kloster ein Sehnsuchtsort für sie gewesen? „Sehnsucht ist ein emotionaler Grundaffekt, der uns manchmal vielleicht auch zu irrationalen Handlungen leitet, er ist ein ambivalenter Begriff, denn wir scheitern ja auch an unseren Sehnsüchten – auch das ist Thema im Kloster“, meint Kürzeder, „wir sehen einfach, dass diese Gemengelage, warum Frauen aus ganz banalen, familiären, kulturhistorischen, zeitgeschichtlichen, aber eben auch sehr persönlichen, individuellen Gründen den Weg ins Kloster gesucht haben, doch immer mit der Suche nach einem besseren, sinnerfüllten Leben zu tun haben. Insofern ist Sehnsucht das Leitmotiv.“

Bei den Recherchen ist das Team um Christoph Kürzeder auch auf Amüsantes gestoßen. Auf einem großformatigen Gemälde ist eine Salesianerin zu sehen, die vor dem Altar betet, im Hintergrund ein Garten. „Wir dachten immer, es ist der ‚Hortus conclusus‘ – also die typische Idee des Klosterlebens“, schmunzelt Kürzeder. Doch nach der Reinigung des Bildes wurde offenbar, dass einiges übermalt worden war. Blumentöpfe verschwanden, hervorkamen Statuen griechisch-römischer Götter – unbekleidet, ein Lustgarten also. „Die Schwester auf dem Gemälde wendet sich also ab, dem Kreuz zu, weg von der Welt der Freuden und Genüsse hin zum Leben der Askese.“

Die Ordensschwester auf dem Gemälde wendet sich ab von den unbekleideten griechisch-römischen Göttern. © Kiderle

Es gibt also unendlich viel zu entdecken in dieser II. Ausstellung „Klausur – Sehnsuchtsort Kloster“ in Beuerberg. Etwa 60 Prozent sind neu gestaltet im Vergleich zum Vorjahr. Das Begleitprogramm in der Backstube, den Werkstätten und den Gärten ist deutlich gewachsen. Eine der Höhepunkte wird die Ausstellung der berühmten Münchner Fotografin Herlinde Koelbl sein, die sich einen Tag lang im Depot „einsperren ließ“, um Objekte mit ihrem ganz besonderen Blick abzulichten. Neu ist ebenfalls ein in Zusammenarbeit mit dem Sankt Michaelsbund entstandener Audio-Guide, der dem Besucher alles Wissenswerte über Gemälde, Gegenstände oder Räume erzählt. Auch der Klosterladen wurde neu konzipiert. In den Regalen stehen der eigens gebraute „Leo“-Löwenzahnlikör, Schmuck, Stoffe und vieles mehr. Einige Dinge wurden verbessert, gibt das Team rund um Christoph Kürzeder zu. So beanstandeten beispielsweise Salesianerinnen, dass der Habit der ausgestellten Figur nicht richtig angezogen sei. Und so kamen Schwester Raphaella und Schwester Emanuela aus Dietramszell herüber – von dort übrigens stammen viele neue Leihgaben – und zogen die Puppe korrekt an. Die beiden Nonnen, in Originaltracht, die wir zufällig angetroffen haben während unseres Rundgangs, geben zu, dass sie diese Ausstellung nicht kalt lasse. „Das berührt einen“, meint Schwester Raphaella. Um dann noch schnell hinzuzufügen: „I mog nix mehr sogn, i mog hoam.“ Auch sie ist eine starke Frauenpersönlichkeit, über die vielleicht einmal an anderer Stelle berichtet werden wird. (Susanne Hornberger)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Klöster und Orden

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