Impuls von Pfarrer Stephan Fischbacher Sei lieber heiter

13.10.2019

Nicht nur um die kleinen Missgeschicke des Alltags sind mit einem Lächeln leichter auszuhalten, meint Pfarrer Stephan Fischbacher. Sogar das Übel wird zur Himmelsleiter.

Wir können kein Übel einfach weglächeln. Was wir können: Uns in allem Gott anvertrauen, um mit ihm durchs Leben zu gehen.
Wir können kein Übel einfach weglächeln. Was wir können: Uns in allem Gott anvertrauen, um mit ihm durchs Leben zu gehen. © Vasyl – stock.adobe.com

Vergangene Woche ist mir ein Missgeschick passiert. Ich wollte mit dem Zug von der Dekanatskonferenz ins heimische Schaftlach fahren, um dort den Abendgottesdienst zu halten. In Holzkirchen musste ich umsteigen. Als ich in den Zug gestiegen bin, war ich so in Gedanken vertieft, dass ich in den falschen Zugteil gestiegen bin und in die falsche Richtung gefahren bin. So musste ich also an der nächsten Station, Darching, aussteigen, um mit dem Gegenzug wieder zurückzufahren.

Um die Dreiviertelstunde Wartezeit zu überbrücken, bin ich etwas im Ort spazieren gegangen. Ich kam in Mitterdarching an der katholischen Kirche vorbei. Dort ist an der Außenfassade auf der Südseite gleich bei der Eingangstür eine Sonnenuhr und darunter steht ein Spruch aufgemalt. Ich hätte etwas Schwermütiges und Ernsthaftes an der Stelle erwartet, ein „Memento mori“, also etwas, was an den Tod gemahnt, einen Aufruf zur Wachsamkeit oder eine Mahnung aus der Bibel. Doch der Spruch hat mich überrascht: „Sei lieber heiter – es ist gescheiter“. Ich habe mich richtig über diesen leichten, fast sogar lockeren Spruch gefreut und hab bei mir gedacht: Ich brauche mich gar nicht über meinen Fehler ärgern, sondern ich kann über mein Missgeschick schmunzeln und auch mal über mich selbst lachen. Ich habe mich gleich viel leichter gefühlt.

Der Vers an der Kirchenfassade ist der Anfang eines kurzen Gedichts von Theodor Fontane:
„Sei heiter!
Es ist gescheiter
als alles Gegrübel.
Gott hilft weiter,
zur Himmelsleiter
werden die Übel.“

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Mit Gott durchs Leben gehen

Der Spruch ist in Wahrheit sehr tiefgründig. Es geht nicht nur um die kleinen Missgeschicke des Alltags. Die sind mit einem Lächeln im Gesicht sicher leichter auszuhalten. Es geht um das „Übel“ , und damit um alles, was einem Menschen widerfahren kann: Wir wünschen niemandem etwas Schlechtes. Fontane geht dennoch davon aus: Es gibt auch üble Ereignisse im Leben.

Fontane kann nur deshalb zur Heiterkeit raten, weil er auf Gott vertraut: Gott hilft weiter. Die heitere Gelassenheit und das Grundvertrauen in Gottes Hilfe geben Fontane Grund zur Hoffnung. Sogar das Übel wird zur Himmelsleiter, bringt mich einen Schritt vorwärts, ich bekomme eine neue Perspektive und sehe die Welt aus einem anderen Blickwinkel.

Sicher: Wir können kein Übel einfach weglächeln. Was wir können: Uns in allem Gott anvertrauen, um mit ihm durchs Leben zu gehen.


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