Außergewöhnliche Menschen Seligsprechungsprozess für Eltern von Johannes Paul II. startet

12.03.2020

Emilia und Karol Wojtyla sollen selig gesprochen werden. Es gibt auch schon ein Idee wofür sie als Schutzpatrone dienen könnten.

Statue von Johannes Paul II.
Emilia und Karol Wojtyla sollen die geistige Haltung ihres Sohnes geprägt haben. © imago images / Schöning

Krakau – Die katholische Kirche hat Seligsprechungsprozesse für die Mutter und den Vater von Papst Johannes Paul II. (1978-2005), Emilia und Karol Wojtyla, beschlossen. Die vatikanische Heiligsprechungskongregation, die Polnische Bischofskonferenz und Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski hätten dem Beginn des Verfahrens zugestimmt, teilte das Erzbistum Krakau am Mittwoch mit. Sie bat Gläubige, bis zum 7. Mai alle positiven und negativen Dokumente und Informationen für eine Erhebung zur Ehre der Altäre dem Bistum zu übermitteln.

Außergewöhnliche Menschen

Johannes Paul II. sei "gewissermaßen ein direkter Zeuge der Heiligkeit seiner Eltern", sagte der Heiligsprechungsreferent der Erzdiözese, Andrzej Scaber. "Es gibt viele Texte, die bestätigen, dass sie außergewöhnliche Menschen waren." Der 2014 heiliggesprochene Johannes Paul II. habe eine enge "geistige Freundschaft" mit seinem Vater gehabt und ihn oft erwähnt. Seine Mutter habe er immer in seinem Herzen getragen. Zugleich räumte Scaber ein, dass das Verfahren wegen der geringen Zahl an mutmaßlichen Zeitzeugen nicht einfach sein werde, so Scaber.

Emilia Wojtyla, geborene Kaczorowska kam am 26. März 1884 im südpolnischen Krakau zur Welt. Karol Wojtyla senior wurde am 18. Juli 1879 im schlesischen Lipnik (Kunzendorf) bei Bielsko-Biala (Bielitz-Biala) geboren. Sie heirateten 1906 in Krakau. Außer ihrem 1920 geborenen Sohn Karol junior hatten sie zwei weitere Kinder: Edmund (Geburtsjahr 1906) und die 1916 kurz nach der Geburt gestorbene Olga. Nach dem Tod seiner Frau 1929 zog der Berufssoldat Karol Wojtyla senior seine Söhne allein auf; er starb 1941 in seiner Wohnung an Herzversagen.

Vorbilder und Schutzpatrone für Familien

Krakaus emeritierter Erzbischof Stanislaw Dziwisz hatte sich im Juli 2018 erstmals öffentlich für einen Seligsprechungsprozess für Karol Wojtyla und seine Frau Emilia ausgesprochen: "Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass sich die geistige Haltung des künftigen Papstes und Heiligen in seiner Familie gebildet hat, dank des Glaubens seiner Eltern." Karol und Emilia Wojtyla könnten als Vorbilder und Schutzpatrone für Familien dienen, so der Kardinal, der viele Jahre lang Sekretär des Wojtyla-Papstes war. (kna)

Seligsprechung

Mit einer Seligsprechung stellt die katholische Kirche durch Urteil des Papstes fest, dass ein gestorbener Mensch vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist. Daraus ergibt sich die Empfehlung, diese Person als Vorbild und Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Selige werden anders als Heilige nur regional verehrt. Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus. Dazu muss das jeweilige Heimatbistum Informationen über Leben und Sterben der Person sammeln und ein Wunder oder den Märtyrertod sowie Tugendhaftigkeit und den "Ruf der Heiligkeit" nachweisen. Nach Abschluss des Verfahrens werden die Akten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zugeleitet.Sie prüft die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen und holt gegebenenfalls Gutachten über Wunder auf Vermittlung des Kandidaten ein. Am Ende entscheidet der Papst.


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