Erzbistum München und Freising Seligsprechungsverfahren für Gerlich und Guardini

24.10.2017

Gibt es bald zwei neue Selige für das Erzbistum? Kardinal Reinhard Marx wird demnächst Seligsprechungsverfahren für den Publizisten Fritz Gerlich und den Religionsphilosophen Romano Guardini eröffnen.

Fritz Gerlich
Fritz Gerlich © privat

München – Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, wird am 16. Dezember mit einem Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom zwei Seligsprechungsverfahren eröffnen. Sie gelten dem Publizisten Fritz Gerlich (1883-1934) und dem Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968), wie das Erzbistum am Dienstag mitteilte. In der diözesanen Phase der Prozesse werden demnach Zeugen befragt, die über Persönlichkeit, Biografie und Wirken von Gerlich und Guardini Auskunft geben können. Alle Gläubigen sind dazu aufgerufen, dem Erzbistum ab dem offiziellen Beginn des Verfahrens entsprechende Informationen zukommen zu lassen.

Bei der Verfahrenseröffnung wird Kardinal Marx laut Mitteilung für beide Prozesse je einen Bischöflichen Beauftragten und einen Kirchenanwalt zur Zeugenbefragung vereidigen. Die Informationen sollen umfassend und objektiv sein, also auch etwaige Verfehlungen oder problematische Äußerungen enthalten. Bereits im Gang ist die Erfassung und Auswertung der Schriften Gerlichs und Guardinis. Die diözesane Phase des Verfahrens dauert wohl mehrere Jahre, danach folgt die römische Phase bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Romano Guardini
Romano Guardini © Katholische Akademie Bayern

Gegner Hitlers

Die bisher letzte Seligsprechung eines Angehörigen des Erzbistums München und Freising war 1988 die des Redemptoristenpaters Kaspar Stanggassinger.

Fritz Gerlich versuchte ab Sommer 1931, Hitlers Griff nach der Macht mit publizistischen Attacken über die Wochenzeitung "Der gerade Weg" zu verhindern. Unter dem Eindruck der Begegnung mit der oberpfälzischen Mystikerin und Ekstatikerin Therese Neumann hatte der aus Stettin stammende Calvinist zuvor zum katholischen Glauben gefunden. Hitler ließ ihn im März 1933 einsperren. Die "Schutzhaft" bis zu seiner Ermordung im Sommer 1934 ertrug Gerlich Mitgefangenen zufolge im Gebet und in der Vertiefung in theologische Lektüre.

Guardini gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Der aus Verona stammende Mainzer Diözesanpriester lehrte in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie. Guardini nahm gestaltend Einfluss auf die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und wurde so zu einem geistigen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern (KNA)

Das Erzbistum München und Freising nimmt Hinweise von Gläubigen zu Fritz Gerlich und Romano Guardini ab 16. Dezember per E-Mail oder per Post an. Adressen: seligsprechungen@eomuc.de; Erzbischöfliches Ordinariat München, Postulator für die Seligsprechungen, Postfach 33 03 60, 80063 München.

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