Tiere in der Kita Seppi fühlt sich wie zuhause

28.08.2018

Monika Posmik besucht mit ihrer kleinen Farm Kinder und Senioren. Wir haben sie und ihre Tiere in den Kindergarten St. Franziska Romana in Garching-Hochbrück begleitet.

Ob Hahn oder Meerschweinchen: Wer Tiere füttert, macht sich einerseits ziemlich beliebt und hat andererseits die Möglichkeit, ihnen sehr nahezukommen.
Ob Hahn oder Meerschweinchen: Wer Tiere füttert, macht sich einerseits ziemlich beliebt und hat andererseits die Möglichkeit, ihnen sehr nahezukommen. © Schmid

München – Es quiekt und kräht, wenn Monika Posmik in den Kindergarten kommt. Die Erzieherin hat eine Ausbildung in tiergestützter Pädagogik. Diesmal besucht sie den Kindergarten St. Franziska Romana in Garching-Hochbrück. Mit im Gepäck: neun Meerschweinchen, Zwergkaninchen Maxi und Hahn Seppi. Sie leben mit vielen Artgenossen, Schafen und Alpakas auf Monis kleiner Farm.

„Tier und Mensch gehören zusammen. Trotzdem müssen sich die meisten Menschen beruflich entscheiden, ob sie mit Tieren oder Menschen arbeiten wollen“, meint Monika Posmik. Sie selbst habe vor einigen Jahren gedacht: „Ich möchte das kombinieren.“ Am Institut für soziales Lernen mit Tieren in der Nähe von Hannover hat sie eine Ausbildung in tiergestützter Pädagogik gemacht. „Man kennt die Arbeit mit Tieren von Delfinen oder Pferden im therapeutischen Bereich. An der Ausbildung in Hannover hat mich gereizt, dass man dort lernt, mit Haus- und Hoftieren zu arbeiten“, erklärt die Pädagogin.

Tiere und Menschen sollen sich wohlfühlen

Welcher befellte oder gefiederte Freund in die Kita oder das Altenheim mitkommt, entscheidet Posmik morgens, bevor sie abfährt. „Nur, wenn die Tiere sich wohlfühlen, kann sich auch der Mensch wohlfühlen. Das ist kein Streichelzoo. Es soll eine Bindung entstehen und das funktioniert nur, wenn es allen gut geht.“ Damit das der Fall ist, werden die Tiere auch im Kindergarten in Garching nicht gleich aus ihren Boxen gelassen. Zuerst legt Monika Posmik eine große Decke in die Mitte des Stuhlkreises und fragt die Kinder, was die Tiere brauchen um sich wohlzufühlen. „Karotten“, „Salat“, „Heu“ und „Verstecke“ sprudelt es aus den Kindern heraus. Das alles dürfen die Mädchen und Buben aufbauen. Zwei stecken Haselnusszweige in einen Ziegelstein, so dass ein kleiner Wald entsteht. Ein anderer breitet Heu aus und stellt kleine Höhlen und Tunnels auf, die die Pädagogin mitgebracht hat. Dazwischen wird Futter verteilt.

Als Posmik dann die Tiere aus ihren Boxen holt und auf die Decke setzt, fangen sie sofort an zu knabbern und Hahn Seppi stolziert durch das Zimmer, als sei er nie woanders gewesen. Die Kinder setzen sich paarweise zusammen, bekommen ein Handtuch auf den Schoß und darauf ein Meerschweinchen oder Kaninchen. Das dürfen sie streicheln, bürsten oder füttern. Den Tieren geht es gut, jedes bleibt freiwillig und entspannt sitzen. Die Kinder sind mächtig stolz.

„Kinder, aber auch behinderte Menschen oder Senioren, möchten etwas für andere Lebewesen tun und die Verantwortung übernehmen“, begründet Posmik das. Bindung zu einem anderen Lebewesen aufzubauen sei wichtig und tue gut. Eine Erfahrung, die Sabrina Heilmeier, Leiterin des Kindergartens St. Franziska Romana, bestätigen kann. „Zwei- bis dreimal im Jahr kommt Frau Posmik und das ist für uns und die Kinder immer ein Highlight. Die Mädchen und Buben lernen viel über die Lebensgewohnheiten der Tiere und genießen den Körperkontakt zu ihnen. Die tiergestützte Pädagogik ist fester Bestandteil unseres Konzeptes.“

Verstehen, dass das Leben endlich ist

„Wo ist denn heute eigentlich das braune Meerschweinchen mit dem weißen Punkt?“, fragt plötzlich ein fünfjähriger Junge. „Du meinst Pünktchen“, erwidert Posmik. „Das war wirklich süß, aber es war schon sehr alt und ist friedlich zuhause auf meinem Schoß gestorben und jetzt im Meerschweinchenhimmel.“ Die Kinder finden das traurig. „Ja, das ist es“, meint die Pädagogin einfühlsam, „aber es ist doch schön, dass ihr es gekannt habt und nun so positiv an Pünktchen denkt.“

Auch so eine Erfahrung ist wichtig. „Kinder können mit dem Thema Tod oft beneidenswert leicht umgehen“, meint Monika Posmik, „Sie sollen verstehen, dass das Leben endlich ist, dass Tiere sterben oder sogar gegessen werden. Aber sie sollen auch lernen, dass es wichtig ist, dass die Tiere bis dahin ein schönes und artgerechtes Leben gehabt haben.“ Nur wer die Tiere kennt, könne sie auch schützen – deshalb sind ihr die Besuche mit ihrer kleinen Farm so wichtig – ob im Kindergarten oder im Seniorenheim.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tiere

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