Hassbezeugungen nach Spende Shitstorm wegen Nächstenliebe

13.01.2020

Eine Spende von 50.000 Euro sorgte in den vergangenen Tagen für ziemlich Wirbel. Kardinal Reinhard Marx spendete diese Summe für die kirchliche Seenothilfe. Die Spende zog einen gewaltigen Shitstorm hinter sich her. Ein hässliches Phänomen unserer Zeit, kommentiert von Christian Moser.

Orange Schwimmwesten auf einer Leine.
Schwimmwesten erinnern an das Schicksal tausender Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrunken sind © imago images / Eckhard Stengel

Es ist wohl ein Zeichen der modernen Kommunikation: Kaum kommt eine Nachricht raus, wird sie auf den sozialen Medien auch schon kommentiert. Das Bespiel der 50.000 Euro-Spende von Kardinal Reinhard Marx macht das deutlich. Kaum war die Meldung dazu veröffentlicht, sind auf Facebook, Twitter und Co entsprechende Kommentare von wohlwollend, die waren bei weitem in der Minderheit, bis hin zu Hassäußerungen zu lesen gewesen. Wer auf einschlägigen Portalen weitergesucht hat, hat dort noch mehr und zum Teil noch heftigere Kommentare gefunden.

Noch schlimmer ist es dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm ergangen. Er hat sogar Morddrohungen erhalten! Der Grund dafür: die beiden haben ihren Einsatz für die Mitmenschlichkeit öffentlich gemacht. Denn um nichts Anderes handelt es sich hier: Es ist ein Akt der Mitmenschlichkeit. Jesus hat dafür bereits zu Lebzeiten Beispiele gegeben. Zahlreiche Bibelstellen berichten davon.

Nur die Spitze des Eisbergs

Doch auch das ist ein Zeichen der Zeit: Passt einem eine Mitteilung, ein Handeln oder eine Entscheidung nicht in den Kram, wird sofort loskrakelt. Selten wird dann Kritik direkt geäußert. Am liebsten über die sozialen Netzwerke oder in Foren. Schön aus der Sicherheit der Anonymität. Denn mit einem Klarnamen agieren auf diesen Kanälen die Stänkerer und Krawallmacher selten.

Der Fall der beiden Kirchenmänner ist nur die Spitze des Eisbergs. Nach einem Bericht hätten sich die polizeilich erfassten Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger 2019 in zahlreichen Bundesländern deutlich erhöht. Darunter fallen zum Beispiel auch Anfeindungen gegen ehrenamtlich tätige Bürgermeister oder Gemeinderäte. Das führte sogar dazu, dass jetzt ein Bürgermeister vom Niederrhein einen Waffenschein beantragt hat, um sich gegen Bedrohungen zu schützen.

In einer funktionierenden Demokratie sollten solche Maßnahmen eigentlich nicht nötig sein. Konstruktive Kritik und sachliche Diskussion herzlich gerne, Hetze und persönliche Beleidigungen nein danke! Das gilt im persönlichen wie auch in den sozialen Medien!

Audio

Kommentar: Hasskommentare in sozialen Medien

Das könnte Sie auch interessieren

Meghan Markle und Prinz Harry
© imago images / i Images

Abschied von Harry und Meghan Der „Megxit“ geht uns alle an

Die Rolle mancher Medien, die ist beschämend – und auch die Sensationsgier, die sie bedienen. Ein Kommentar von Tanja Bergold, Programmleiterin im Münchner Kirchenradio.

20.01.2020

Greta Thunberg an einem Rednerpult.
© imago images / alterphotos

Greta Thunberg Influencerin oder tragische Heldin?

Die Umweltaktivistin Greta Thunberg polarisiert mit ihrem Verhalten, von manchen wird sie fast wie eine Heilige verehrt. Historiker Professor Volker Reinhardt von der Universität Fribourg analysiert,...

12.01.2020

Migranten sitzen an Deck des Schiffes William Butler Yeats der irischen Marine bei dessen Ankunft im Hafen von Augusta (Sizilien).
© Alessio Mamo/KNA

Kardinal Marx hilft Seenotrettern Eine Spende schlägt Wellen

Nach der erneuten Spende von Kardinal Marx für die private Seenotrettung gab es neben Lob unzählige Beschimpfungen im Internet. Die Katholische Nachrichten-Agentur erklärt, woher das Geld aus der...

09.01.2020

Vier Mädchen und Buben verkleidet als Könige vor dem Sitzungssaal des EU-Parlaments.
© Ivan Put/Kindermissionswerk

Königlicher Besuch in Brüssel Sternsinger bringen Segen ins Europaparlament

Rainer Wieland, Vizepräsident des EU-Parlaments, hat die Sternsinger in Brüssel empfangen. Diese brachten ihm eine Forderung für den Frieden mit.

09.01.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren