Leben mit Tieren Sich als Mensch nicht ganz so wichtig nehmen

30.08.2018

Von früh bis spät auf den Beinen um sich zu kümmern – für Martina Fischer sind in ihren Almsommern Tiere die wichtigsten Lebensgefährten. Mit ihnen hat sie nicht nur Arbeit, sondern erlebt viele Schmunzel- und Schmusemomente und fühlt sich total geerdet.

Zufriedene Schweine auf der Alm
Zufriedene Schweine auf der Alm © SMB/Hafner

Krottentaler Alm – Mindestens drei Monate pro Sommer lebt die Krankenschwester und Ernährungsberaterin auf der Alm und teilt ihre langen Arbeitstage mit Kühen und Kälbern, einer Handvoll Hühnern, zwei Schweinen, der Katze und den Ziegenböcken Peterl und Pauli. Deren helle Glöckchen begleiten die Sennerin fast den ganzen Tag: “Da geht mir wirklich das Herz auf, wenn ich mit den beiden beinander bin“, lacht sie und erzählt wie die beiden ihre Nächte verbringen: im Stall nämlich, eng an die Kälber geschmiegt.

Auf der Alm arbeiten - das bedeutet nicht nur melken, füttern und ausmisten, sondern auch die Tiere genau im Blick zu haben und zu wissen, wie es jedem einzelnen geht. Eine Aufgabe, die Martina Fischer mit Leib und Seele ausfüllt: „Für mich da heroben sind auch die Nutztiere fast wie Haustiere und so behandle ich sie auch.“ Sie weiß, wo ihre Tiere gern gestreichelt werden, auch die fast 600 Kilo schweren einjährigen Kühe haben ihre Lieblingsstellen und übrigens auch Emotionen wie Angst oder Trauer. Ein Leben ohne Tiere kann Martina Fischer sich eigentlich nicht mehr vorstellen: “Ich merke, wie geerdet ich mich fühle, wenn ich so viel draußen sein kann mit den Tieren, ich glaube, das fehlt vielen Menschen im normalen Alltag, um sich zu erden.“

Kraftplätze

Der Kontakt mit den Tieren und mit der Natur gibt ihr genug Kraft für die schwere Arbeit und die Verantwortung, die sie als Sennerin trägt. Und Martina Fischer pflegt einige Rituale, die sie stärken: „Ich räuchere gern aus und segne alles, dann hab ich auch meine Kraftplätze, wo ich gerne hingehe. Dort merke ich auch, dass man auf der Alm viel mehr Verbindung mit oben hat, mit dem Herrgott und den Kräften in der Natur.“ Mit diesem Bewusstsein bittet sie auch um Hilfe in schwierigen Situationen: „Man kann das Leben nicht allein bewältigen. Wir müssten eigentlich viel mehr Vertrauen haben ins Leben und darin, dass es gut geht. Da ist wer da, der uns hilft, wir müssen bloß bitten darum“, bekräftigt sie. Ihr Alm-Lebensgefühl: nicht Erschöpfung sondern eine tiefe Erdung in der Schöpfung.

Nach dem Almsommer wird Martina Fischer ihre Hühner wieder mit nach unten nehmen. Pünktchen und Anton, die beiden Schweine, werden wohl noch auf der Alm geschlachtet. Für Martina Fischer ein natürlicher Vorgang: „Die haben da heroben ein schönes Leben gehabt und danach dürfen sie eben auch gehen“. Natürlich wird sie oft gefragt, wie sie ihre schönen Schweine nur schlachten lassen kann. Da ist sie mit sich im Reinen: „Ich gehe nicht einfach in den Supermarkt und kaufe mir ein Stück Fleisch aus der Massentierhaltung.“ Sie und ihr Mann essen Fleisch sehr bewusst und nur noch das, wofür sie selber gearbeitet haben. Im Frühjahr werden sie ein Buch veröffentlichen zum Thema Leben als Selbstversorger. (gh)


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