Impuls von Abt Johannes Eckert Sich täglich den Tod vor Augen führen

08.09.2019

In der Benediktsregel heißt es, dass die Mönche sich täglich den Tod vor Augen führen sollen. Warum er das als eine gute Übung empfindet, erläutert der Benediktinerabt Johannes Eckert hier.

Der Münchner Westfriedhof
Der Münchner Westfriedhof © nedomacki – stock.adobe.com

„Wie war es am Westfriedhof? – Deine Bewertung ist uns wichtig.“ So lautete die Befragung meines Handys, nachdem ich an einem heißen Sommertag auf dem Münchner Westfriedhof zu einer Trauerfeier war und zuvor vergessen hatte, das Handy, das ich in der Sakristei gelassen hatte, auszuschalten.

Zunächst musste ich schmunzeln: Wie war es? Im Blick auf den heißen Tag war es unter den Bäumen angenehm schattig. Für die Angehörigen war es traurig, mussten sie doch von einem lieben Menschen Abschied nehmen. Für die Mitarbeiter des Beerdigungsinstituts war es anstrengend, da sie bei der Hitze arbeiten mussten.

„Wie war es am Westfriedhof?“ Friedlich, grün, schattig, traurig, beschaulich, anstrengend? Welche Bewertung gebe ich ab? Im Blick auf den konkreten Tod eines Menschen war es am Friedhof fragwürdig, aufregend und provokant. Was ist nun mit diesem Menschen? Lebt er weiter in einer anderen Wirklichkeit, die wir Himmel nennen? Wird er von Gott zu neuem Leben erweckt, wie es christlichem Glauben entspricht? Wann und wie aber kann das geschehen? Oder ist der Friedhof ein Entsorgungsort, wo wir den Tod ablegen, uns von ihm entledigen, damit er nicht in unseren Alltag einbrechen kann?

In unserer Regel schreibt der heilige Benedikt, dass wir Mönche uns täglich den Tod vor Augen führen sollen (vgl. RB 4,47). Das ist eine gute Übung. Zum einen wird man sich bewusst, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist. Zum anderen stellt man sich die Frage, wie man diese gut nutzen kann. Und schließlich ist es eine kontinuierliche Prüfung des Glaubens. Kann ich darauf vertrauen, dass Gott mich aus dem Tod ins Leben rufen wird?

Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs.
Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs. © privat

Jesu Freundschaft trägt – auch im Tod

Auf eindrückliche Weise schildert das Johannesevangelium, wie sich Jesus dem Tod seines Freundes Lazarus stellt (vgl. Joh 11). Seine Frage „Wo habt ihr ihn bestattet?“ zeigt, dass er sich mit aller Entschiedenheit dem Ort des Todes stellt. Innerlich tief berührt und mit großer Souveränität ruft Jesus den Freund zum Leben. Die Botschaft dieses Zeichens ist eindrücklich. Seine Freundschaft trägt oder, wie wir auch sagen könnten, seine Liebe ist stärker als der Tod.

„Wie war es am Westfriedhof? – Deine Bewertung ist uns wichtig.“ Ja, unsere Bewertung ist wirklich wichtig, gerade in einer Zeit, die den Tod verdrängt und aus dem alltäglichen Leben ausgrenzt. Wir glauben, dass die Freundschaft zu Jesus trägt, dass er sich nicht mit unserem Tod abfindet, sondern nachfragt: Wo habt ihr sie/ihn bestattet? Der Westfriedhof ist für ihn frag-würdig im eigentlichen Sinn des Wortes und für uns provokant, das heißt heraus-fordernd, weil wir darauf vertrauen, dass Jesu Freundschaft trägt – auch im Tod, heraus-fordernd entsprechend seinem Ruf: „Komm heraus!“


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