Erzengel in der Bibel Sie sind Boten Gottes

28.09.2017

Die Erzengel Michael, Gabriel und Raphael kommen bereits in der Bibel vor. Was die Heilige Schrift über sie erzählt, erläutert die Dachauer Pastoralreferentin Susanne Deininger.

Apsisfresko der Münchner Kirche St. Benno: Christus als Weltenrichter, umgeben von Engeln
Apsisfresko der Münchner Kirche St. Benno: Christus als Weltenrichter, umgeben von Engeln © EOM/HA Kunst/Achim Bunz

In der Bibel gibt es keine durchdachte Engellehre oder -systematik. Aber Engel kommen in einer Vielzahl biblischer Texte vor. Bereits im Alten Testament (AT) finden wir sie, allerdings meist nur namenlos unter der allgemeinen Bezeichnung „der Engel Gottes“. Das hebräische Wort für Engel hier ist „Malak“. Es bedeutet dasselbe wie seine griechische Übersetzung „Angellos“, die wir in den späten Schriften des AT und im Neuen Testament (NT) finden: „Bote“, „Gesandter“. Im Gegensatz zu den Kerubim und Seraphim, die den Thron Gottes umgeben, werden diese Engel damit eindeutig als Verbindung zwischen Gott und den Menschen benannt.

„Wer ist wie Gott?“, „(männliche) Stärke Gottes“, „Gott hat geheilt“ – die Bedeutungen der Namen Michael, Gabriel und Raphael zeigen dabei deutlich etwas zentral Wichtiges über das biblische Verständnis von Engeln: Engel sind nicht als selbstständige, frei handelnde Personen geschildert, wie die Menschen, zu denen sie gesandt sind, sondern sie sind Personifikationen von Gottes Handeln in der Welt. Ihr göttlicher Auftrag macht sie ganz aus, sie sind Boten und handelnder Arm Gottes.

Die Namen einzelner Engel erfahren wir erst in den ganz jungen Schriften des AT. „Raphael“ finden wir zum Beispiel im etwa 200 vor Christus entstandenen Buch Tobit, wo er als Schutzengel den reisenden Tobias begleitet.

Aber vor allem in der apokalyptischen Literatur werden sie wichtig: Im Buch Daniel, dem jüngsten Buch der hebräischen Bibel, hören wir zum ersten Mal von Michael, der dort von einem anonymen Engel als „einer der ersten unter den Engelfürsten“ bezeichnet wird und speziell für das Volk Israel zuständig ist, auf dessen Seite er gegen den Engelfürsten der Assyrer kämpft (Dan 10,13). Auch Gabriel, den wir ansonsten vor allem aus der Geburtsgeschichte Jesu kennen, wird dort zum ersten Mal namentlich genannt (Dan 8,16). Er hilft hier, eine Vision des Propheten zu deuten, eine Aufgabe, die Engeln in den Schriften dieser Literaturgattung oft zukommt.

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Darstellung des Erzengels Michael im Kampf mit Luzifer von 1491 in Schmidham
Darstellung des Erzengels Michael im Kampf mit Luzifer von 1491 in Schmidham © EOM/HA Kunst/Alberto Luisa

Vermittler zwischen Gott und Volk

In der jüdischen Tradition gewann Michael herausragende Bedeutung, als Völkerengel Israels, als Engel der Gerechtigkeit, als Herrscher über den siebten, den höchsten Himmel, als oberster Vermittler zwischen Gott und seinem Volk. Die Bezeichnung „Erzengel“ suchen wir allerdings im AT vergeblich. Diese ist zuerst im Henochbuch zu finden, das es nicht in den Katalog der biblischen Bibliothek geschafft hat, aber großen Einfluss hatte auf die Vorstellung von den Engeln. Ein einziges Mal steht das Wort „Erzengel“ in der Bibel: Im NT nennt der Judasbrief Michael „Erzengel“ und beschreibt ihn als den Engel, der den Teufel in die Schranken weist (Jud 9). Im jüngsten Buch des Zweiten Testaments schließlich, der Apokalypse (oder auch Offenbarung) des Johannes, begegnen wir Michael dann in seiner stärksten Rolle: Offb 12,7ff führt uns mitten hinein in den Krieg zwischen Gut und Böse, zwischen den Engeln Gottes und den Engeln des Teufels. Michael wird hier als der mächtige Streiter Gottes gezeigt, der die Frau mit dem Kind verteidigt und mit seinen himmlischen Heerscharen den Drachen des Bösen vom Himmel stürzt und damit dem Guten zum entscheidenden Sieg verhilft.

Der Apokalyptiker Johannes will den Lesern seines Buches, die in schweren Zeiten leben, Hoffnung darauf machen, dass letztlich das Gute und die Botschaft Jesu siegen werden. Er tut das mit Bildern und Symbolen, die für uns heute kaum mehr ohne Erklärung verständlich sind, damals den Menschen seines Kulturkreises aber sehr vertraut waren. Trotz seiner fremden und oft missverstandenen Symbolik hatte dieses Buch mit seinen starken Bildern eine unglaubliche Wirkungsgeschichte. Und so verdanken wir dieser Bibelstelle die kraftvolle bildliche Darstellung Michaels, die wir aus so vielen unserer Kirchen kennen: der Kämpfer Gottes, der mit seinem Schwert das Gute verteidigt gegen alle Angriffe des Bösen.

Kämpfer, der das Gute verteidigt

Rückwirkend von der großen Bedeutung Michaels – vor allem in der jüdischen Tradition her – wurden später zahlreiche andere Bibelstellen, in denen kein Engelsname genannt wurde, mit Michael verbunden.Er wird in der Tradition vor allem gleichgesetzt mit dem „lodernden Flammenschwert“, das Gott als Wache des Gartens Eden aufstellt nach der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies. So kommt Michael zu der Waffe, die er in unseren Bildern trägt.Er wird in dieser rückwärtigen Deutung zu einem der drei Männer, die Abraham besuchen, um ihm die Geburt seines Sohnes zu verkünden (Gen 18). Die anderen beiden werden mit Gabriel und Raphael gleichgesetzt.Auch im „Mann“, der am Jabbok mit Jakob ringt, wird manchmal der Erzengel Michael gesehen.Aber vor allem in der Vorstellung des endzeitlichen Kampfs kommt ihm Bedeutung zu, als Heerführer des Guten und Kämpfer Gottes und seiner Gerechtigkeit.

„Wer ist wie Gott?“ wird zu dem, der Gottes Grenzen verteidigt, der denen Grenzen setzt, die Gott herausfordern, und wird zum Ansprechpartner für alle, die starke Hilfe gegen eine ungerechte Übermacht benötigen. Dieses kämpferische Bild Michaels entfaltete eine große Kraft und ist der Ursprung des unglaublich populären Michaelskultes in Europa. Er wird zum Verteidiger gegen das Böse, der mit Schwert und Lanze die Kirchen bewacht und gegen die Mächte der Dunkelheit verteidigt. „Wer ist wie Gott?“ – niemand, denn Michael – wie alle Engel – ist Bild für und Bote von Gottes nicht zu übertreffender Macht und Stärke, wie auch seines Schutzes, die sich ausdrücken in diesem geflügelten Kämpfer mit dem flammenden Schwert. (Susanne Deininger. Die Autorin ist Pastoralreferentin in Dachau.)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Der Sankt Michaelsbund und sein Engel

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