Heilige Gianna Beretta-Molla Sie starb, damit ihre Tochter leben konnte

27.04.2018

Während der Schwangerschaft wurde bei Gianna Beretta-Molla ein gefährliches Fibrom am Gebärmuttereingang gefunden. Die Ärzte rieten ihr zum Schwangerschaftsabbruch. Doch das kam für die Kinderärztin und Mutter nicht in Frage.

Die heilige Gianna Beretta-Molla (1922?–?1962) mit Tochter Mariolina.
Die heilige Gianna Beretta-Molla (1922?–?1962) mit Tochter Mariolina. © www.heilige-gianna.ch

Heilige sind nie so, wie man es sich vorstellt. Heilige entziehen sich erstaunlich oft allen Erwartungen und Klischees. Die Kinderärztin und Internistin Gianna Beretta aus dem oberitalienischen Magenta wurde von ihren Patienten – vor allem den armen, die sie häufig umsonst behandelte – wie ein Engel verehrt, in der Katholischen Aktion und der kirchlichen Jugendarbeit war sie überaus aktiv. Als Gianna am 24. September 1955 den ebenfalls stark sozial engagierten Ingenieur Pietro Molla heiratete, waren sich alle sicher, die „Frau Doktor“ würde nun völlig in der Rolle der Hausfrau und Mutter aufgehen. In Kinder war sie immer schon vernarrt gewesen, sie war zusammen mit zwölf Geschwistern aufgewachsen.

Pietro Molla war ein sehr interessanter Mann. Aber Gianna hatte mit dem Gedanken geliebäugelt, nach Brasilien zu gehen, wo zwei ihrer Brüder – ein Kapuzinerpater und ein Bauingenieur – in der Mission arbeiteten und ein Krankenhaus im Dschungel errichteten. Ein lebenskluger Beichtvater widersprach ihr dezent: „Wenn alle frommen Mädchen ins Kloster gingen, wo nähmen wir dann christliche Mütter her?“ Im Wallfahrtsort Lourdes, wo sie einen Krankentransport als Ärztin begleitete, fiel die Entscheidung. „Du bist der Mann, dem zu begegnen ich mir wünschte“, schrieb sie Pietro, den sie zärtlich „Pedrin d’or“ zu nennen pflegte, „goldenes Peterchen“.

Reliquien im Kloster Ottobeuren

Gianna Beretta-Mollas liturgischer Gedenktag ist der 28. April. Reliquien dieser Heiligen werden auch in der Benediktinerabtei Ottobeuren aufbewahrt. Dabei handelt es sich um ein paar Haare von Gianna Beretta-Molla.

In der Tat hatte Gianna Beretta-Molla eine katholische Bilderbuchfamilie mit täglichem Gottesdienstbesuch und Rosenkranzgebet; beim Kauf des Brautkleids dachte sie schon daran, aus dem kostbaren Stoff ein Messgewand machen zu lassen, sollte ein Sohn später einmal Priester werden wollen. Aber eine bloße Hausfrauenexistenz zwischen Küche und Kirche lehnte sie strikt ab; ihre geliebte Arztpraxis betrieb sie weiter und verließ sie nur, um ihren Mann auf seinen Geschäftsreisen nach Deutschland, Großbritannien, Schweden und in die Schweiz zu begleiten. Ähnlich wie Mutter Teresa zur selben Zeit in Kalkutta gab sie ihren Mitarbeitern zu bedenken: „Wie der Priester den Leib Jesu berührt, so berühren wir Ärzte Jesus im Körper unserer Patienten.“

„Das Kind ist gerettet“

Gianna brachte einen Pierluigi zur Welt, eine Mariolina und eine Lauretta, sie waren ihr ganzes Glück. Aber Schwangerschaft und Geburt waren jedes Mal ausgesprochen schwer gewesen, zwei Fehlgeburten hatte sie erlitten. Als sie 1961 wieder schwanger wurde, entdeckten die Ärzte im zweiten Monat ein gutartiges, aber gefährliches Fibrom am Gebärmuttereingang, das den Fötus mehr und mehr beengte. Sie rieten zum Schwangerschaftsabbruch oder zur Entfernung der Gebärmutter, was ebenfalls den Tod des Kindes bedeutet hätte.

Giannas Haltung war eindeutig: „Wenn ihr zwischen mir und dem Kind entscheiden müsst, zögert nicht“, befahl sie ihrem Mann, ihrem Bruder Ferdinando – er war ebenfalls Arzt – und den anderen Medizinern, „entscheidet euch für das Kind, ich fordere es, rettet das Kind!“ Die riskante Entfernung des Fibroms – die Gebärmutter musste danach genäht werden – überstand Gianna zwar, und am 21. April 1962 kam ihr viertes Kind Gianna Emanuela durch Kaiserschnitt gesund zur Welt. „Das Kind ist gerettet!“, verkündete sie jedem voller Freude, aber sie wusste, dass diese Rettung ihren eigenen Tod bedeuten würde, wenn nicht ein Wunder geschah. Und sie liebte ihre Kinder und ihren Mann doch voller Leidenschaft und sie lebte doch so gern!

Heiligsprechung durch Johannes Paul II.

„Wir tragen das Kreuz nicht allein“, sagte sie gläubig, aber melancholisch. „In Jesus vermögen wir alles, weil er uns Kraft gibt.“ In den Monaten der Schwangerschaft hatte sie ihren Haushalt entrümpelt und neu geordnet; ihren Schwestern Zita, sie war Apothekerin, und Virginia, die als Missionarin in Indien arbeitete, nahm sie das Versprechen ab, im Fall ihres Todes nach Magenta zu übersiedeln und die Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen.

Gleich nach der Entbindung stellte sich eine Bauchfellentzündung ein. Die nächsten Tage litt Gianna grauenhafte Schmerzen, biss ständig auf ein Taschentuch, um nicht schreien zu müssen, wurde mit Infusionen und künstlicher Ernährung am Leben erhalten – und wusste, dass es zu Ende war. Im Nebenzimmer hörte sie ihre Kinder leise „Mamma“ rufen. Am 28. April starb sie. „Jesus, ich liebe dich“ waren ihre letzten Worte.

Schon 1978 baten sämtliche lombardischen Bischöfe den Papst, die unvergessene Ärztin und Mutter zur Ehre der Altäre zu erheben. Am 16. Mai 2004 sprach sie Johannes Paul II. heilig – es war die letzte Heiligsprechung vor seinem Tod. (Christian Feldmann, der Autor ist freier Journalist, Rundfunkautor und Theologe)


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