Veränderte Planungen für Freisinger Domberg Sieger-Entwurf bleibt unausgeführt

07.12.2018

Er war als Schmuckstück geplant: der Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses für das Erzbistums München und Freising. Dazu wird es aber nicht kommen.

So hätte das neue KDH aussehen sollen: der Entwurf von Gerkan, Marg und Partner. © Kiderle/SMB

Freising - Es sollte ein Glanzstück auf dem Freisinger Domberg werden. Das bisherige Kardinal-Döpfner-Haus (KDH) der Erzdiözese München und Freising sollte einem spektakulären Neubau weichen. Doch daraus wird nichts. Denn der schon feststehende Siegerentwurf des Architekten-Wettbewerbs für die kirchliche Bildungseinrichtung bleibt in der Schublade. Eine große Glashalle sollte die zwei Flügel des neuen KDH verbinden, Offenheit und Transparenz signalisieren und eine architektonische Landmarke sein. Die jetzt errechneten Baukosten in Höhe von 94 Millionen Euro sind aber zu hoch. Der von der Erzdiözese festgelegte Kostenrahmen sieht nur 53 Millionen Euro vor.

Bedauern beim Finanzdirektor

Schweren Herzens hat Finanzdirektor Markus Reif die Entscheidung auf dem Freisinger Domberg bekannt gegeben. „Das ist schon eine gewisse Enttäuschung“, sagte er gegenüber mk online. Denn der im vergangenen Jahr von einer Jury einstimmig ausgewählte Siegerentwurf von Gerkan, Marg und Partner für das neue KDH galt als städtebaulich beste Lösung. Es sei schade, dass er nicht verwirklicht werde, bedauert Reif. „Aber da geht es uns wie jedem mit Dingen, die einem zwar gefallen, die man sich aber nicht leisten kann.“ Nach den jetzt vorliegenden Berechnungen schlagen allein die zusätzlichen Gebäudeflächen und die ständig steigenden Baupreise mit je neun Millionen Euro mehr zu Buche. Projektsteuerer Michael Wagner spricht aber auch von höheren Kosten bei der „Gründung“, also bei den Fundamenten für das KDH und der Rückverankerung für die direkt danebenliegende fürstbischöfliche Residenz, die unter Denkmalschutz steht.

Neue Ausschreibung

Die Erzdiözese will nun für einen kleineren Neubau noch einmal eine Ausschreibung starten, allerdings ohne Wettbewerb und auf Grundlage der jüngsten Planungsdaten. In etwa einem halben Jahr soll ein ausführbarer Entwurf vorliegen, hofft Finanzdirektor Reif. An dem geplanten Abriss des alten Kardinal-Döpfner-Hauses aus den 1960er Jahren beabsichtigt die Erzdiözese festzuhalten. Auch wenn die Kosten dafür hoch sind. Schließlich müssen hunderte Tonnen Bauschutt vom Domberg weggeschafft werden: „Weil alle Berechnungen für eine Sanierung letztlich zu einem unwirtschaftlichen Ergebnis führen“, erklärt Reif. Von der Deckenhöhe angefangen bis zum Brandschutz seien die Eingriffe so hoch, „dass sich das nicht rechnet“.

Projektsteuerer Wagner von der Firma Hitzler Ingenieure und der Erzbischöfliche Finanzdirektor Reif bei der Vorstellung der veränderten KDH-Pläne. © Kiderle/SMB

Andere Baumaßnahmen gehen weiter

Die neue Entwicklung bedeutet aber nicht, dass die schon bestehenden Baustellen in den kommenden Monaten ruhen. Die Arbeiten an der früheren Dombibliothek und am Diözesanmuseum sind bereits im vollen Gang. Reif will sie sogar beschleunigen, „um einfach aus dem Druck bei der Baukostensteigerung ein Stück herauszukommen“. Je länger sich der Kran dreht, die Beton-Laster fahren und die Presslufthämmer arbeiten, desto teurer kommen die Maßnahmen. Der geplante zweite Kran am Fuß des Dombergs wird wegen der veränderten KDH-Pläne deshalb zunächst nicht aufgestellt. Dennoch führt die hohe Nachfrage beim Baugewerbe in und um München zu ständig steigenden Preisen. Beim Diözesanmuseum ist bereits jetzt klar, dass die geplanten 46 Millionen Euro nicht ausreichen. Es sind eher 56 Millionen Euro zu veranschlagen. Es soll aber wie geplant fertiggestellt werden. Grundsätzlich halte die Erzdiözese an den Zielen für den Domberg „ohne Abstriche fest“, betont Finanzdirektor Reif: verbesserte Zugänglichkeit, Offenheit und Aufenthaltsqualität. Dafür will die Erzdiözese auch nicht an ihrem mit 200 Millionen veranschlagten Investitionsrahmen rütteln. Den hätte die Ausführung des KDH-Siegerentwurfs aber deutlich gesprengt.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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