„Die große Gaudi“ So frivol war der Münchner Fasching

15.02.2017

Fasching in München, das ist heutzutage eine vergleichsweise müde Veranstaltung. In seinem Buch "Die große Gaudi" blickt Karl Stankiewitz auf gut 700 Jahre Fasching in der Landeshauptstadt zurück. Und der war schon mal pompöser.

München – Die Starkbierzeit ist Bayerns fünfte Jahreszeit – und nicht der Fasching. So heißt es in Altbayern, weil der Fasching für viele eine relativ harmlose Veranstaltung ist, für die heutzutage immer weniger Menschen etwas übrig haben. Früher sei das anders gewesen, sagt Karl Stankiewitz. Der Autor und Journalist hat sich in seinem Buch „Die große Gaudi“ speziell mit dem Münchner Fasching beschäftigt. Er selbst kann sich noch gut erinnern an durchaus alkoholträchtige rauschende Bälle, an denen er in den 50er Jahren als junger Reporter teilgenommen hat. Dabei konnte und wollte der Münchner Fasching nie mit seinem großen Bruder, dem Kölner Karneval gleichziehen. „Der Karneval war und ist viel stärker organisiert als der Fasching“, sagt Stankiewitz, „außerdem hat der Karneval bis heute seine Anhänger und das ist leider in München nicht mehr der Fall.“

 

 

"Die große Gaudi" von Karl Stankiewitz

Fasching als „erogene Zone“

Ein bisschen wehmütig ist es Karl Stankiewitz schon zumute, wenn er von den 50er Jahren erzählt. 140 Bälle gab es damals in der Landeshauptstadt, jeder mit einem eigenen Motto. Grund genug, sich die Geschichte des Münchner Faschings genauer anzuschauen. Stankiewitz erzählt in seinem Buch „Die große Gaudi“ von den Tanzfesten des 14. Jahrhunderts bis zum höfischen Fasching der bayerischen Könige. Und davon, dass im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert der Fasching überhaupt nicht prüde war: der Autor hat recherchiert, dass bei manchen Bällen Aktmodelle auftraten und mancher private Fasching, etwa im Haus des Heimatdichters Ludwig Ganghofer, eine „erogene Zone“ war. So locker wurde der Fasching dann erst wieder in den 1970er Jahren, als nach und nach immer mehr geklagt wurde, dass „oben ohne“ im Fasching an der Tagesordnung war.

Von solchen frivolen Entwicklungen ist die narrische Zeit in München heute weit entfernt. Der Fasching hat laut Stankiewitz einen Einbruch erlebt. Er führt das auf den Ausbruch des Golfkriegs 1991 zurück, als alle karnevalistischen Veranstaltungen in Deutschland abgesagt wurden. In den Jahren darauf erlebte der Fasching einen Einbruch. Seitdem, meint der Autor, haben Parties, auch maskierte, und das große Kostümieren namens “Oktoberfest“ dem Fasching den Rang abgelaufen. Beruhigend, meint Stankiewitz abschließend: zumindest auf dem Land und am Stadtrand gibt es sie noch: die Faschingshochzeiten, den Weiberfasching und den Kehraus am Faschingsdienstag. Noch ist sie nicht bloß Geschichte, die „große Gaudi“. (Willi Witte)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fasching

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