Fünf Jahre im Amt So hat Papst Franziskus das Papstamt verändert

12.03.2018

Am 13. März 2013 wurde der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Was hat der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri während seiner Amtszeit bewirkt und wie hat dieser Mann das Papstamt verändert?

Papst Franziskus wünschte am Abend seiner Wahl schlicht und einfach "Buona sera".
Papst Franziskus wünschte am Abend seiner Wahl schlicht und einfach "Buona sera". © imago

Der Applaus auf dem Petersplatz war verhalten, als Kardinal Jean-Louis Tauran mit dem „Habemus Papam“ den neuen Papst Franziskus ankündigte. Der bereits 76-jährige Argentinier Jorge Mario Bergoglio zählte nicht zu den Favoriten nach dem überraschenden Amtsverzicht von Benedikt XVI. Er war den meisten unbekannt, die am Abend des zweiten Konklave-Tages bei Nieselregen auf den weißen Rauch aus der Sixtinischen Kapelle warteten.
Als der Neugewählte dann aber (am 13. März 2013 um 20.22 Uhr) zum ersten Mal auf die Mittelloggia des Petersdoms trat, im schlichten weißen Gewand, bescheiden und abgeklärt; als er „buona sera“ (Guten Abend) wünschte und dann ums Gebet für seinen Vorgänger und für sich selbst bat, schien der Bann gebrochen. Stürmischer Beifall und lange Francesco-Rufe beendeten seinen ersten Segen „Urbi et orbi“.
Zum ersten Mal hatten die Kardinäle im Konklave einen Lateinamerikaner gewählt. Und zum ersten Mal einen Jesuiten – die in Rom oft kein leichtes Standing hatten. Der Mailänder Theologen-Kardinal Angelo Scola ging ebenso leer aus wie der Brasilianer Odilo Scherer oder der Kuriendiplomat Leonardo Sandri.

Solidarität mit den Armen

Franziskus trat nicht mit einem bereits fertigen Pontifikatsprogramm an, sondern entfaltete es in vielen kurzen, prägnanten, mitunter zugespitzten Predigten und Botschaften. Er rief zu Solidarität mit den Armen und Schwachen auf, zum Schutz der Schöpfung, zur Fürsorge für Ehe und Familie, forderte eine „arme Kirche für die Armen“. Er machte „Barmherzigkeit“ zum zentralen Anliegen, beklagte Ungerechtigkeiten und Gewalt, kritisierte Macht- und Karrieredenken in der Kirche. Und er verlangte missionarischen Elan: Die Kirche müsse aus den Sakristeien und Kathedralen hinausgehen an die existentiellen Peripherien.Dorthin führten auch viele seiner bisherigen Reisen: auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa, nach Albanien, Myanmar, Korea, in die Zentralafrikanische Republik. Im Nahen Osten, in Kuba oder in Kolumbien warb er für Frieden und Menschenrechte, in Istanbul, Jerusalem und Lund für neuen Schwung in der Ökumene.
Würde sich der Papst, der im vatikanischen Gästehaus wohnt und Kleinwagen fährt, mit dem bescheidenen Lebensstil in der Kurie und gegen die mächtigen Kardinäle durchsetzen können? Die besorgte Frage der Anfangstage erübrigte sich nach seinen ersten Verfügungen und Personalentscheidungen. Bei Kardinals- oder Bischofserhebungen kamen oft Männer von der „Peripherie“ oder aus der zweite Reihe zum Zug. Und mancher machtbewusste Kirchenmann fand sich rasch in nachgeordneter Position wieder.

Gottesdienst am Papstsonntag

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, feiert am Sonntag (18.März 2018) um 17.30 Uhr im München Liebfrauendom ein Pontifikalamt zum Papstsonntag. Dieser erinnert an den Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus. Weihbischof Bernhard Haßlberger nimmt am Gottesdienst teil. Im Anschluss gibt es einen Empfang in der ehemaligen Karmeliterkirche.

Franziskus forciert eine Erneuerung auf vielen Ebenen. Er verstärkte und öffnete die Bischofssynode, forderte mehr Kollegialität und Synodalität – aber er gab ihr nicht mehr Beschlusskompetenz, was manche erhofft hatten. Zugleich vollzog er außerdem einen Paradigmenwechsel von einem juridischen (moralisch-sittlichen) und fordernden Stil hin zu mehr pastoraler Unterscheidung und Begleitung, gerade für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Diese Linie gefiel aber natürlich nicht allen.Sein erstes und zugleich anspruchsvollstes Reform-Projekt ist die Kurienreform. Nach früheren Pannen wie „Vatikleaks“ oder dem Williamson-Skandal sollen neue Strukturen für mehr Effizienz und Transparenz sorgen. Vor allem aber geht es dem Papst um eine neue Mentalität: Die Kurie sei keine Machtzentrale, sondern leiste einen „Dienst“ für Papst und Weltkirche. Aber der Reformweg scheint länger als zunächst gedacht. Manche Umsetzung stockt bislang wegen der komplexen Strukturen, aber auch aufgrund von kurialem Beharrungsvermögen. Ohnehin fremdelt Franziskus mit dem Kurienapparat – vielleicht nach unguten Erfahrungen als Ortsbischof. Er nutzt ihn weniger als seine Vorgänger, erledigt vieles selbst, lässt sich von eigenen Beratern zuarbeiten. Das sorgt für Unsicherheit unter den Mitarbeitern. Hinzukommt, dass Franziskus als Jesuit Kritik an vermeintlichen Missständen offen ausspricht, mitunter zur Unzeit.

Es gibt auch Gegenwind

Der charismatische Papst „vom anderen Ende der Welt“ ist an der Kirchenbasis weiterhin beliebt. In Kurienkreisen und unter Klerikern ist das Rumoren freilich nicht zu überhören: über dogmatische und moralische Positionen, über „Amoris laetita“, über manche Alleingänge. Aber auch über unglückliche Formulierungen im Zusammenhang mit Kinderzüchtigung oder angeblichen Marienerscheinungen.
Trotz manchem Gegenwind hält Franziskus an seinem Reformkurs fest – und hat noch einen weiten Weg vor sich. Das Pontifikat habe „große prophetische Perspektiven“, sagte unlängst der deutsche Kardinal Walter Kasper. Die Neuausrichtung wird über Franziskus` Amtszeit hinausgehen. (Johannes Schidelko)

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