Migration So kamen vier Menschen nach Deutschland

26.09.2018

Gastarbeiter, Studenten, Flüchtlinge - es gibt viele Motive, die Menschen dazu veranlassen, nach Deutschland zu kommen. Im Fürstenfeldbrucker Forum 31 treffen sich regelmäßig Menschen mit Migrationshintergrund zum Austausch. Das sind ihre Geschichten.

Ümran Karagöz
Ümran Karagöz © SMB/Fleischmann

Ümran Karagöz 

„Vor ziemlich genau 51 Jahren bin ich damals in München am Gleis 10 am Hauptbahnhof angekommen“, sagt Ümran Karagöz. Seit Jahrzehnten lebt sie nun hier. Sie spricht perfekt Deutsch, arbeitet und ist fester Bestandteil Fürstenfeldbrucks. „Mein Vater hat damals seine Selbstständigkeit in der Türkei aufgeben müssen, dann ist er nach Deutschland, und wir sind ihm kurz darauf gefolgt.“ Für Karagöz ist Bayern längst Heimat, obwohl ihr Herz weiter türkisch schlägt: „Ich bin und bleibe Türkin. Das ist einfach so, weil dich dort herkomme.“ Manchmal sei das gar nicht so leicht zuzugeben: „Der Ton ist rauer geworden. Ich mache mir heute Sorgen, über Dinge, die mir früher nicht mal aufgefallen wären. Oft fühle ich mich ausgegrenzt, gerade dann wenn es um politische Fragen geht. Wenn Leute sagen: Wenn es dir nicht gefällt, dann geh halt dahin zurück, wo du hergekommen bist, verletzt das einen.“

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Omar Dembele
Omar Dembele © SMB/Fleischmann

Omar Dembele

„Ich wollte schon, seit ich denken kann, nach Deutschland“, sagt Omar Dembele, Vater von vier Kindern und Vorsitzender des Malischen Vereins Bayerns. 1990 ist er dann nach Deutschland gekommen, nachdem er in Lybien zwei Jahre Zwischenstation gemacht hat. „Damals war Lybien ein reiches Land. Das Leben war gut“, sagt Dembele. Trotzdem musste er weiter, denn er wollte hier studieren. Er bekam allerdings keine Genehmigung, wurde krank und musste operiert werden. Doch er stand diese Prüfung durch. „Ich habe heute vier Töchter, von denen zwei schon erwachsen sind. Ich freue mich, dass sie hier leben können“, sagt Dembele. Jetzt engagiert sich Dembele als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer. „Ich konnte aufgrund von Toleranz hierbleiben, also will ich das auch weitergeben.“

Shahen Abdullah
Shahen Abdullah © SMB/Fleischmann

Shahen Abdullah

Shahen kam auf einem 17-Meter langen Boot mit 450 Menschen über das Mittelmeer nach Europa. Eigentlich war das Ziel Hannover in Deutschland, doch dann blieb die Familie in Bayern. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt der 22-Jährige. Jetzt lebt er mit seiner Mutter und vier Schwestern in Fürstenfeldbruck. Der Vater starb an einem Tumor in Lybien, wo die Familie seit 2003 wohnte. Shahen ist wohl das Musterbeispiel, wie Integration klappen kann: Er spricht nahezu perfekt Deutsch, arbeitet in einem Software-Unternehmen und sieht optimistisch in die Zukunft. „Ich habe hier meine Leute und meine Freunde und jeden Tag die Chance, mich weiterzuentwickeln. Das ist einfach super.“ Doch auch er macht sich Sorgen: „Ich wollte vor kurzem mit drei Freunden nach Leipzig fahren. Doch dann haben mir alle geraten, dass ich da nicht hingehen soll. Für Leute, die arabisch aussehen, ist das keine gute Situation gerade.“

Ali Dincmaric
Ali Dincmaric © SMB/Fleischmann

Ali Dincmaric

Ali Dincmaric lebt seit 1979 in Fürstenfeldbruck. Er war selbstständiger Handwerker und ging bankrott. In Deutschland versuchte er, sich sein Leben wieder aufzubauen – mit Erfolg. Trotzdem musste er einige Rückschläge durchstehen. „Ich habe sieben Stents und einen Katheter im Herzen“, sagt Dincmaric, „wäre ich damals in der Türkei herzkrank geworden, würde ich heute wohl nicht mehr leben.“ Alleine dafür sei er Deutschland auf ewig dankbar. „Heute läuft die Integration ganz anders als früher“, sagt er, „die Leute bekommen Sprachkurse. Wir mussten das alles damals selbst lernen. Jetzt leben viele Ausländer überall, als ich gekommen bin, war das ganz anders.“ Ob er sich trotzdem als Deutscher sehe? „Naja, wenn zum Beispiel WM ist, dann bin ich immer für die Türkei, außer es spielt Deutschland, dann bin ich für Deutschland“, erklärt er.

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de


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