Themenwoche des Katholischen Medienverbands So lesen Sie die Bibel richtig

13.11.2017

Die Bibel ist mehr als eine Informationsquelle. Daher lässt sie sich auch nicht wie eine eine Zeitung schnell überfliegen. Doch wie geht es dann? Dominikanerpater Klaus Obermeier gibt sechs Tipps.

Die Bibel ist das vermutlich meistgelesene Buch der Welt.
Die Bibel ist das vermutlich meistgelesene Buch der Welt. © fotolia/Joseph

München – Wie lese ich die Bibel richtig? Dazu schauen wir am besten in die Bibel hinein und finden auch alsbald die richtige Antwort im Jakobusbrief, Kapitel 1 Vers 22: „Werdet aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer (beziehungsweise Leser)!“ Das bedeutet: Die Bibel soll uns nicht informieren, sondern verwandeln. Damit aber ist bereits gegeben, dass wir die Bibel nicht lesen wie die Zeitung, die wir oftmals nur überfliegen, sondern uns der besonderen Qualität der Bibel bewusst sind. Denn für den gläubigen Menschen ist die Bibel Gotteswort in Menschenwort.

In vielen Schriften und Büchern finden wir Anweisungen, welche Reihenfolge es einzuhalten gilt. Lassen Sie mich hier folgende sechs Schritte anführen und kurz erläutern:

1. Gebetshaltung einnehmen

Sind wir uns dessen bewusst, wer in der Bibel zu uns spricht? Nehmen wir eine Haltung ein, die dem entspricht: eine Haltung des Respekts, der Ehrfurcht, der Hochachtung. Man liest die Bibel nicht im Liegestuhl. Bedenken wir, welche Ehrenbezeugungen die Heilige Schrift in der Liturgie erfährt.

2. Sich Zeit nehmen

Die Bibel zu lesen, wie man sich ein Stück Schokolade in den Mund steckt, geht gar nicht! Aber nicht nur Zeit, sondern auch Konzentration sind gefragt. Auch wenn wir nicht der Verbalinspiration huldigen, wonach jedes einzelne Wort direkt von Gott stammt, ist es doch angebracht, langsam, besinnlich und genau zu lesen, öfters ein Wort, einen Satz zu wiederholen, bis er uns „eingeht“.

3. Was sagt der Text über Gott, was sagt er über Christus aus?

Das ist das Charakteristikum der Heiligen Schrift, dass sie eine authentische Botschaft von Gott und Jesus Christus ist. Es gibt Stellen, die sich uns recht schnell erschließen. Andere machen es uns schwerer und erfordern Hilfe. Solche Verse oder Passagen können wir auch getrost übergehen.

4. Was sagt mir der Text für mein Leben?

Zwar sind die Texte der Bibel schon Jahrhunderte alt, aber der Mensch blieb im Grunde immer derselbe. Und darum sind viele Texte der Bibel hochaktuell. Das gilt für die Evangelien, aber auch und besonders für die Psalmen, die (fast) alle menschlichen Situationen abdecken und auch für uns noch die beste Gebetsschule sein können. Und wenn wir uns auch schwer tun, alles in unserem Leben umzusetzen – es ist schon viel, wenn wir das uns Mögliche tun.

5. Einen Gedanken, ein Wort, einen Satz „im Herzen bewahren“

Das ist die gute Meinung von damals. Besonders Psalmverse bieten sich an als Begleiter durch den Tag in guten und in bösen Situationen. Dann brauchen wir auch keine esoterische Lebenshilfe, sondern sind mit Gott, der Kraft- und Lebensquelle schlechthin, verbunden.

6. Danksagung zum Abschluss

Der Dank kommt in unserem Leben meist zu kurz. Allzu schnell sind wir schon wieder bei unseren nächsten Anliegen und „Herausforderungen“. Doch wenn wir jemand zum Dank verpflichtet sind, dann ist es an erster Stelle Gott, der sich uns in Jesus Christus in Liebe zugewandt hat.

(Pater Klaus Obermeier OP/Der Autor ist Dominikaner an der Münchner Stiftskirche St. Kajetan (Theatinerkirche) und leitet dort seit Jahren einen Bibelkreis.)

 

Themenwoche: Gottes Bestseller. Die Bibel.

Die Kampagne „Gottes Bestseller. Die Bibel. Eine Aktion katholischer Medien“ ist eine Initiative des „KM. katholischermedienverband e.V.“ . Die Schwerpunktwoche ist zwischen 12. und 19. November. Der KM vereint rund 200 konfessionelle Medienunternehmen katholischer Prägung unter seinem Dach. Unter den Mitgliedern finden sich die Klosterbuchhandlung ebenso wie der große Medienkonzern oder der Publikumsverlag, der ordenseigene Betrieb ebenso wie das inhabergeführte Unternehmen. Die konfessionelle Presse – übrigens die insgesamt auflagenstärkste Gruppierung in der deutschen Presselandschaft – ist gleichermaßen vielfältig: von der theologischen Fachzeitschrift bis zur überregionalen Tageszeitung, vom Journal für Cineasten bis zur Verbands- und Mitgliederzeitschrift.(pm)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität

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