Verbindung zu anderen Menschen So pflegt ein Pfarrer Beziehungen

06.05.2019

Familie, Freunde, Kollegen und die Beziehung zu Gott: Ein Pfarrer berichtet, wie er allen gerecht wird.

„Alles Leben ist Beziehung“ lautet ein Zitat von Martin Buber.
„Alles Leben ist Beziehung“ lautet ein Zitat von Martin Buber. © WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com

Gerade als Priester und Pfarrer bin ich auf verschiedenen Beziehungs- und Begegnungsebenen unterwegs und aktiv. In kleiner Abwandlung zu einem bekannten Zitat von Martin Buber sage ich mir: „Alles Leben ist Beziehung.“ Darum ist mir eine gute Planung wichtig. So können die Beziehungen zu den verschiedenen Menschen ihren Platz bekommen. Die beruflichen Begegnungen versuche ich dabei möglichst spirituell zu sehen, denn „der liebe Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen“ (heilige Teresa von Ávila) – also im konkreten Alltag und ohne „tägliche Domliturgie“. Die regelmäßige Feier des Gottesdienstes (samt Vorbereitung) hilft mir, immer wieder die Mitte des Glaubens wenigstens zu erahnen.

Ein freier Tag in der Woche

Wichtig ist mir auch ein regelmäßiger freier Tag in der Woche. Dieser soll nicht nur meiner Erholung dienen, sondern er gibt mir auch den Rahmen für die Pflege der Beziehungen zu meiner Familie und Freunden. Denn ohne regelmäßigen Kontakt ist es schwierig, dass die Verbindungen lebendig bleiben. Doch gerade diese Beziehungen sind mir wertvoll, weil sie über die berufliche Ebene hinausgehen. Hier werde ich vor allem als Mensch gesehen, der ich ja auch bin und bleibe. Als hilfreich (wenn auch nicht immer angenehm) erfahre ich es, wenn mir dabei jemand ehrlich die Meinung sagt.

Pfarrer Konrad Eder
Pfarrer Konrad Eder © privat

Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, dann bin ich im Umfeld der Familie und Freunde auch gern bereit zu Taufen oder Hochzeiten. Beerdigungen kommen Gott sei Dank nicht häufig vor und sind emotional eine große Herausforderung – gerade, weil verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verbindungen über einen längeren Zeitraum gewachsen sind. Zum Glück haben Familie, Verwandte und Freunde aber auch Verständnis, dass diese Beziehungen einen langen Atem brauchen – Stichworte Entfernung und Arbeitsbelastung im Alltag.

Begegnung statt "Termin"

In dichteren Zeiten des Kirchenjahres ist es eine große Herausforderung, dass das Berufliche nicht überhand nimmt. Ob nun beruflich, freundschaftlich oder verwandtschaftlich: Mir ist wichtig, dass eine Begegnung nicht zu einem „Termin“ wird, sondern dass etwas von Lebendigkeit und Leben erfahrbar wird für alle Beteiligten. Letztlich bin ich dankbar für die vielen Begegnungen und manche daraus wachsende Beziehung, die mir gerade durch den Beruf als Priester geschenkt ist. (Pfarrer Konrad Eder, Leiter des Pfarrverbands Aschheim-Feldkirchen)


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