Ausstellung in München So sehen moderne Andachtsbilder aus

16.12.2019

In der ehemaligen Karmeliterkirche ist die Ausstellung zum Wettbewerb "Touch.me" zu sehen. Die von Kardinal Reinhard Marx geehrten Künstler zeigen dort Werke mit neuen Perspektiven auf klassische Motive.

Ein modernes Andachtsbild von Luis Unnützer mit dem Titel "Familienkreis"
Ein modernes Andachtsbild von Luis Unnützer mit dem Titel "Familienkreis" © Diözesanmuseum Freising / Thomas Dashuber

München –„Berühre mich“ – oder auf Englisch: „Touch me!“ – mit diesem Slogan lobte Christoph Kürzeder, Direktor des Freisinger Diözesanmuseums, einen Wettbewerb für moderne Andachtsbilder aus. Insgesamt 87 Schülerinnen und Schüler an den Städtischen Berufsfach- und Meisterschulen in München hatten sich daran beteiligt. Ihre Arbeiten werden nun präsentiert in der ehemaligen Karmeliterkirche. Zur Eröffnung ehrte Kardinal Reinhard Marx acht Preisträger; 19 Teilnehmende erhielten von einer elfköpfige Jury eine Belobigung.

Begleiter der persönlichen Lebensgeschichte

Jeder Mensch sei einmalig in der Art, wie er oder sie die Welt sieht und „das, was in der Seele geschieht, ist das Wesentliche“, so Kardinal Reinhard Marx in seiner Ansprache. „Ein Andachtsbild will dazu helfen, dass es inwendig wirkt; es begleitet die persönliche Lebensgeschichte“, erläuterte er, „denn was wir äußerlich erfahren, das wollen wir in Zeichen ausdrücken“. Der Wettbewerb mit seiner Ausstellung sei deshalb auch eine „Einladung an alle, sich auf den Weg zu machen, Andachtsgegenstände neu zu erfinden oder neu zu vitalisieren“.

Ein Selfie von Jesus

Tatsächlich gibt es in der Ausstellung Überraschendes und Spannendes zu entdecken – und daneben auch das Anknüpfen an Traditionen. Unter den acht Preisträgern zitiert Steinmetz Felix Seefried mit seinem Werk aus dunklem und hellem Kalkstein ein abstrahiertes Kreuz, das zugleich wie eine Pflanze die Erdscholle aufzusprengen scheint. Auch Florian Hubka knüpft mit „Jesus_Selfie“ an überkommene Christusdarstellungen an, drückt dem mit leuchtendem Dispersionslack umrissenen Messias aber ein Smartphone in die Hand und ruft dazu auf, vor dem Kunstwerk ein Selbstportrait zu fotografieren und sich so zu seinem Glauben zu bekennen.

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Kardinal Reinhard Marx hat das Preisgeld selbst gestiftet.
Kardinal Reinhard Marx hat das Preisgeld selbst gestiftet. © Kiderle

Die Natur war gleich für mehrere Preisträger eine Inspirationsquelle. So fertigte die Silberschmiedin Petra Weidich einen Granatapfel, der in der christlichen Symbolik unter anderem den Sündenfall, aber auch die Kirche als Gemeinschaft darstellt und den sie mit handwerklicher Meisterschaft in Originalgröße und in verführerischem Rot darstellt. Die Holzbildhauerin Maria von Mücke erschuf sich einen kleinen Reisealtar in Form eines Herzens, das aufgeklappt die aus Zirbenholz geschnittene heimatliche Landschaft zeigt. Besonders kunstvoll wirkt das barocke, mehrschichtige Kulissenbild aus Lindenholz von Miriam von Römer. Darin zeigt sie das Spiel der Blätter in Baumkronen als Meditationsbild für eine Natur-Andacht.

Tiefgründig und spielerisch

In abstrakter Formensprache fertigte Oleksii Plakhotnyi eine „Kugelmühle“ aus Beton, deren Köpfe an die vier Evangelisten erinnern sollen. Die familiären Beziehungen stellte Luis Unnützer in seinem „Familienkreis“ als vier in Schwingung geratende Holzkegel im Zentrum eines Kreises psychologisch tiefgründig und zugleich spielerisch dar. An die Krisen unserer Welt mit ihren schmelzenden Polen mahnt die Weltkugel aus Kalkstein von Georg Wiedemann, die sich im rechten Blickwinkel zu einem Auge verwandeln kann. „Schöne Aussichten“ betitelt der Bildhauer ironisch sein Werk.

Die Ausstellung in der ehemaligen Karmeliterkirche in München ist bis 6. Januar täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet und geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember.

Dass der Wettbewerb, der vor zwei Jahren für moderne Krippen ausgelobt wurde und nun zum Thema Andachtsbild durchgeführt wurde, etwas ist, das verheißungsvoll in die Zukunft weist, betonte Kardinal Marx, der das Preisgeld von insgesamt sechstausend Euro persönlich stiftet. Teilnehmen konnten Schülerinnen und Schüler der Städtischen Meisterschulen für das Holzbildhauerwerk, für das Steinmetz- und Steinbildhauerwerk, das Gold- und Silberschmiedehandwerk sowie die Städtische Fachschule für Farb- und Lacktechnik. (Annette Krauß)


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