Prävention So verhindern Sie ein Burnout

09.01.2019

Krisenpädagogin Verena von Plettenberg leitet Menschen an, achtsam mit sich umzugehen. Ein Burnout kann so vorgebeugt werden.

München – „Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, dann haben Sie ein rotes Lämpchen, das Sie warnt, wenn Sie nur noch wenig Benzin im Tank haben. Oft zeigt der Bordcomputer auch an, wie lange Sie voraussichtlich noch mit dem vorhandenen Treibstoff fahren können. Uns Menschen fehlt leider ein solches rotes Lämpchen“, erklärt Verena von Plettenberg. Die Krisenpädagogin begleitet seit 30 Jahren Menschen, die Unterstützung brauchen. Darunter sind immer wieder Frauen und Männer, die kurz vor einem Burnout stehen. Deshalb ist ihr die Prävention in diesem Bereich wichtig und sie bietet entsprechende Seminare an. „Stellen Sie sich vor, dass Sie die oberste Schale in einem Brunnen mit mehreren Ebenen sind. Wenn Sie genug Wasser bekommen, dann können Sie es auch weiterfließen lassen“, betont die 59-Jährige. „Wenn in Ihrer Schale aber nicht genügend Wasser ist, dann pumpen Sie mit großer Anstrengung und das, was Sie weitergeben können, ist nicht genug.“

Belastbarkeit ist individuell

Das Wasser im Brunnen, von dem Verena von Plettenberg spricht, steht für die Energie, die ein Mensch zur Verfügung hat. Hier gibt es große Unterschiede, sowohl was die individuelle Belastbarkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt angeht als auch, was die eigenen Stressoren angeht. Jemand, der zum Beispiel zum Perfektionismus neigt, gesteht sich keine Fehler zu. Wenn dann doch einmal ein Fehler passiert, ist das für diesen Menschen ganz schlimm. „Es kann keiner aus seiner Haut heraus“, betont die in Bonn geborene Gräfin. „Vielmehr geht es darum, an der eigenen Persönlichkeit in Nuancen zu arbeiten. Beim Menschen mit Neigung zum Perfektionismus bedeutet dies, dass er sich zugestehen kann, dass auch er einmal einen Fehler machen darf und daraus lernen.“

Woran kann man Burnout erkennen?

Wer über längere Zeit an einem oder mehreren der gelisteten Symptome leidet, sollte ärztliche Hilfe suchen:
- Erschöpfung
- Lustlosigkeit
- Antriebsschwäche
- Rückzug bis hin zur sozialen Isolation
- Freudlosigkeit
- Schlaflosigkeit
- Kopfschmerzen
- Verdauungsprobleme
- Schlechte Laune bis hin zur Aggressivität

Krisenpädagogin Verena von Plettenberg
Krisenpädagogin Verena von Plettenberg © Gabriele Riffert

Hier greift ihr Präventionsprogramm: Sie leitet Menschen dazu an, dass sie achtsam mit sich selbst umgehen. Dazu gehört zunächst, dass sie spüren, wie sie sich fühlen. Sie legt großen Wert auf die Fähigkeit, zu spüren und zu fühlen. „Bei uns geht man davon aus, dass man erst denkt und dann die Gefühle passend dazukommen. Doch es ist genau anders herum: Die Gefühle sind immer zuerst da und wir sollten dann nachdenken, was uns ein bestimmtes Gefühl sagen will.“

Eine Kraft-Quelle finden

Wer zum Beispiel spürt, dass es ihm nicht gut geht, kann dann etwas für sich tun. Das sei die nötige Selbstliebe, die nichts mit Egoismus zu tun habe, sondern die Voraussetzung für gelebte Nächstenliebe sei. „Nur wenn meine Schale voller Wasser ist, kann ich etwas abgeben. Ich brauche etwas, um meine Seele zu speisen“, ermutigt Verena von Plettenberg. Was jeweils gut tut, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. „Die Eine braucht dann eine Zeit der Ruhe, der Andere muss sich körperlich aktiv bewegen, wieder Andere gehen spazieren oder finden einen Ausgleich beim Musizieren beziehungsweise Malen. Entscheidend ist, dass man sich etwas zugesteht, das die eigenen Ressourcen wieder auffüllt.“

Die Telefonseelsorge im Erzbistum München und Freising ist rund um die Uhr kostenlos unter folgender Nummer zu erreichen: 0800/111 0 222. Der Anruf ist kostenlos und bleibt völlig anonym.

Die vierfache Mutter weiß, dass Überlastungssymptome nicht nur durch den Beruf ausgelöst werden können, sondern auch durch bestimmte Situationen in der Familie – etwa die Pflege von Angehörigen – oder durch eine Wertekrise. „Burnoutgefährdet sind nicht nur Manager, sondern auch Seelsorger, Hausfrauen, Menschen in helfenden Berufen und viele andere“, erklärt von Plettenberg. „Jeder sollte einen Ruhepol haben, eine Quelle, aus der er Kraft schöpfen kann. Der Glaube kann eine solche Quelle sein“, betont von Plettenberg, die sich auch vielfach ehrenamtlich engagiert. Verena von Plettenberg ist schon lange Hospizhelferin und seit 20 Jahren auf der Palliativstation des Harlachinger Krankenhauses aktiv. Seit 18 Jahren bildet sie selbst Hospizhelfer aus, seit fünf Jahren ist sie im Vorstand des Fördervereins des Hospizes.

„Wissen Sie“, lächelt sie, „ich habe viele Erfahrungen im Leben machen dürfen und dabei etwas ganz Wichtiges gelernt: Wenn ich an einer Situation leide, dann kann ich entweder die Situation ändern, oder – falls das nicht geht – die Sichtweise auf die Situation. Und dabei hilft es sehr, wenn ich etwas finde, das meine Seele speist.“ (Gabriele Riffert)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Durchhalten

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