Altarweihe und Priesterjubiläum in Haar So war der erste öffentliche Auftritt nach Marx' Rücktrittsgesuch

07.06.2021

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx zeigt sich bei Altarweihe in Haar gelöst, humorvoll und entschlossen. Für sein Handeln erhielt er viel Zuspruch.

Kardinal Reinhard Marx und andere Menschen lassen Luftballons in den Himmel steigen
Nach dem Festgottesdienst wurden Luftballons in den Himmel geschickt. © Kiderle

Haar – Es war der mit Spannung erwartete erste öffentliche Auftritt von Kardinal Reinhard Marx nach der Veröffentlichung seines Angebots an Papst Franziskus, auf das Amt als Erzbischof von München und Freising verzichten: Am Sonntag, 6. Juni, kam der Kardinal in den Münchner Vorort Haar, um in der Pfarrkirche St. Konrad im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes einen neuen Altar zu weihen und zugleich das 25-jährige Priesterjubiläum von Dekan und Pfarrer Kilian-Thomas Semel zu feiern.

Scherzhafte Kommentare

Mit der Altarweihe und dem Jubiläum stand die Feier unter dem Vorzeichen zweier erfreulicher Ereignisse, und auch Kardinal Marx ließ keinen Zweifel daran, dass er in der Absicht gekommen war, Entschlossenheit, Zuversicht und gute Laune zu verbreiten – und nicht etwa Sorge, Anspannung oder Niedergeschlagenheit, was ihm angesichts der aktuellen Entwicklungen wohl niemand übelgenommen hätte. Er flocht sogar auffallend oft scherzhafte Kommentare in den Gottesdienst mit ein: Als kurz vor der Taufwasserweihe ein Handy laut klingelte, entkrampfte er den peinlichen Moment mit dem Scherz, das sei eine „Stimme von oben“, und als ihn der Fotograf zu Beginn der Predigt noch fotografieren wollte, bestimmte er in gespielter Strenge: „Ein Foto noch, dann is a Ruah!“ – womit nur zwei von einer ganzen Handvoll humorvoller Äußerungen wiedergegeben seien.

Marx: Menschen brauchen Priester

In seiner ausführlichen Predigt konzentrierte sich Kardinal Marx – in Bezugnahme auf das Priesterjubiläum und die Altarweihe – auf das Priestertum und die Eucharistie. Trotz aller Skandale, trotz allem Versagen der Kirche bräuchten die Menschen nach wie vor Priester, die ihnen das Geheimnis Gottes aufschlössen und den Himmel öffneten. Sie sehnten sich auch zukünftig nach „heiligen Priestern“, die ein Leben lang von Gott „bezeichnet und gezeichnet“ seien, sagte der Kardinal in Anspielung auf Stammvater Jakob, der eine Nacht lang mit Gott ringen musste, bevor er – fortan hinkend – von diesem den Segen erhielt. Die Eucharistie wiederum sei keine Burg, in die man sich zurückzieht, sondern eine Kraftquelle, ein Ort von Trost, Mut und Zuversicht, und ohne sie sei keine Kirche möglich. Und es sei die große Aufgabe der Priester in der Zeit nach Corona, das Volk Gottes neu zur Eucharistie zu sammeln.

Kardinal Marx ging auch kurz auf seinen angebotenen Amtsverzicht und das Gespräch mit Papst Franziskus am 21. Mai ein, bei dem sie „Verschiedenes“ besprochen hätten, und er wiederholte und bekräftigte die Worte, die er Tage zuvor gegenüber der Presse gewählt hatte: „Ich bin nicht amtsmüde, ich bin nicht demotiviert - ich habe das ja deutlich gesagt, nein, nein, Irrtum! Mein Dienst für die Kirche ist ungebrochen voll Freude da, wo immer dieser geschehen wird – das ist die Sache Gottes und des Heiligen Vaters.“

Als am Ende des Gottesdienstes die Zeit für Grußworte und Geschenke an den Jubilar, Dekan Semel, gekommen war, ließ sich Christine Semmler, die Vorsitzende des Pfarrverbandsrats, die Gelegenheit nicht nehmen, Kardinal Marx zu sagen, dass sie hoffe, die Altarweihe sei nicht seine letzte Amtshandlung im Erzbistum München und Freising gewesen, woraufhin lauter und anhaltender Applaus aufbrandete.

Ungezwungene Atmosphäre

Die Feierlichkeiten endeten schließlich bei ungezwungenem Beisammensein auf dem Platz vor der Kirche. Blasmusik, gelb-weiße Fahnen, zum Himmel aufsteigende Luftballons, fröhliche Gespräche und ein leutseliger, gelöst wirkender Kardinal, der den Kontakt zu den Gläubigen suchte und von vielen Seiten Sympathiebekundungen und Zuspruch erhielt („wir feiern Sie für Ihren Mut!“), ließen eine ungewohnt befreite Stimmung aufkommen, wie man sie seit Beginn der Pandemie selten erlebt hat. Und kurzzeitig deutete nichts darauf hin, dass nur zwei Tage zuvor ein Rücktrittsgesuch im Zusammenhang mit der unvorstellbaren Katastrophe kirchlichen Versagens gegenüber ohnmächtigen Schutzbefohlenen Schockwellen durch die katholische Welt geschickt hatte.

Der Autor
Joachim Burghardt
Redakteur bei der Münchner Kirchenzeitung
j.burghardt@muenchner-kirchenzeitung.de


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