Mit der Münchner Kirchenzeitung unterwegs So war die Leserfahrt

11.10.2016

Für 47 Leserinnen und Leser der Münchner Kirchenzeitung war es ein unvergesslicher Tag: Der Ausflug nach Beuerberg zur Ausstellung "Klausur - Vom Leben im Kloster" und ins Kloster Dietramszell. Bei vielen wurden Erinnerungen wach.

Eine schöne Erinnerung: die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Innenhof von Kloster Beuerberg. © Kiderle

Beuerberg/Dietramsezell – „Wir haben die Sonne im Herzen.“ Anneliese Hoyer lässt sich beim Blick aus den Busfenstern in den grauen Nieselregen die Laune nicht vermiesen. Die anderen nicken. Die Stimmung der 47 Leserinnen und Leser der Münchner Kirchenzeitung und Hörerinnen und Hörer des Münchner Kirchenradios ist von Anfang an locker, fröhlich und entspannt. Und, so viel soll hier schon verraten sein, sie wird es bleiben. Die Eindrücke, die wir in der Ausstellung „Klausur - vom Leben im Kloster“ und beim Besuch des Klosters Dietramszell sammeln, bringen viele zum Nachdenken.

Und so manche Erinnerung kommt in Kloster Beuerberg zu Tage. Werner Hiedl schaut sich im ersten Raum der Ausstellung um. „Ich war hier als acht- oder neunjähriger Bub, Anfang der 50er Jahre, die Schwester meines Großvaters lebte hier als Nonne.“ Weil die Beuerberger Schwestern streng von der Öffentlichkeit abgeschirmt gelebt haben, in einem kontemplativen Orden, durften sie nur selten Besuch empfangen. Und auch dann blieben sie hinter einem „kirchlich-dunkelroten Vorhang“. „Ich hörte nur die Stimme dieser Frau, konnte nicht die Hand geben“, erinnert sich Hiedl. Zehn bis 15 Minuten sei er bei ihr gewesen. „Ein bisschen eigentümlich fand ich das damals schon, aber als Kind nimmt mans, wie es ist.“ Gut ein Jahr später habe er „Tante Maria“ mit einer Verwandten noch einmal besucht. Die Klosterschwester lag im Sterben. „Da bin ich als Bub in die Klausur reingekommen, mit weißem Häubchen lag sie im Bett“, erzählt der Freisinger, „ich habe zum Fenster rausgeschaut, und sah die Schwestern im Hof Spazierengehen, das war interessant und attraktiv, weil man die Schwestern ja sonst nicht sehen konnte.“

Im nächsten Raum erfahren wir von Joana Mylek, die uns durch die Ausstellung führt, dass es in Kloster Beuerberg auch eine tragische Liebesgeschichte gab. Eine Apothekerin ging ins Kloster, nachdem sie und ihre beste Freundin sich in denselben Mann verliebt hatten, dieser sich aber für die Freundin entschied. Später besuchte er sie im Kloster, was die Nonne „völlig aus der Bahn geworfen“ habe. Als ihre Freundin gestorben war, trat sie aus dem Kloster aus und heiratete doch noch ihre Jugendliebe.

Ordenssprache war Französisch

Wir erfahren bei unserem Rundgang viel über das Leben der Nonnen, über das Prozedere der Aufnahme ins Kloster und kleinere Lockerungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren. Die Ordenssprache war übrigens Französisch, da der Salesianer-Orden französischen Ursprungs war, lediglich am Sonntag durfte Deutsch gesprochen werden. Insofern gingen nur die gebildeten, höheren Töchter ins Kloster. Herzogin Helene in Bayern (Néné) wollte übrigens auch ins Kloster Beuerberg eintreten, nachdem der österreichische Kaiser Franz Joseph nicht sie zur Braut nahm, sondern ihre jüngere Schwester Elisabeth, genannt Sisi. Die Eltern verhinderten den Gang ins Kloster, indem sie eine Hochzeit mit Erbprinz Maximilian von Thurn und Taxis einfädelten.

Gruppe der Leser auf dem Rundgang mit Schwester Kiliana © Kiderle

Ein Leben im Kloster?

„Es gefällt mir sehr gut, ist alles gut organisiert, der Ort hier ist sehr, sehr schön“, sagt Elisabeth Santo-Schneider, als sie durch den Garten von Kloster Beuerberg flaniert. Dass hier auch eine Mädchenschule untergebracht war, findet sie „ganz positiv, also, dass es nicht nur das Klosterleben gab, sondern auch das Erleben mit den jungen Menschen“. Ob sie auch im Kloster leben könnte? „Mittlerweile, in meinem Alter, ja“, lacht Santo-Schneider, „früher hätte ich mir das nicht vorstellen können, ich hätte Probleme gehabt mit dem unbedingten Gehorsam.“ Und fügt mit leiser Stimme hinzu: „Mein Mann ist verstorben, ich bin allein, vielleicht deshalb.“ Anneliese Hoyer könnte nicht im Kloster leben. „In meiner Ausbildung habe ich mit Ordensschwestern viel gearbeitet und erkannt, dass das nicht für mich in Frage käme. Dafür bin ich zu selbstbewusst, zu selbstständig.“ Das Kloster habe sie sich nicht so groß und geräumig vorgestellt. Es sei unglaublich interessant, dem Leben der Schwestern nachzuspüren. „Ich bin sehr beeindruckt von allem“, sagt auch Silvia Justi, „das ist schon ganz schön berührend. Es wird mir so bewusst, wie schön ich es eigentlich im Leben habe.“ Wie bescheiden der Mensch leben könne und „wie wir doch sehr verwöhnt sind in allem“. Da sei es gut, so etwas zu sehen. Es habe ihr auch „gefallen, dass wir am Tisch gebetet haben“, sagt Justi und fügt hinzu, dass sie evangelisch ist. Hans Schindlbeck gefällt die Ausstellung sehr gut. Aber, gibt er zu, „es ist ein bisschen befremdend, weil ein Leben lang da eingesperrt sein, das ist mir schon sehr an die Niere gegangen“. Und Werner Hiedl berichtet, dass er am Grab seiner Verwandten im Kloster war.

Nur noch sechs Schwestern in Kloster Dietramszell

So hängt jeder seinen Gedanken nach, bis wir ins Kloster Dietramszell kommen. Schwester Kiliana empfängt uns. Früher lebten hier 60 Schwestern, nun sind es nur noch sechs. „Wir sind dankbar, dass wir da sind“, erzählt die Salesianerin, „wir bemühen uns nach Kräften, unsere Tagesordnung einzuhalten.“ Schwester Kiliana gibt offen zu, dass es starke Nerven koste, in einer Gemeinschaft mit Frauen zu leben. „Wissen Sie was, das ist manchmal zum Heilig werden“, sagt sie lachend. Und dann wird sie ernst. „Das habe ich noch nie gesagt, das ist mir heute Mittag so bewusst geworden zum Thema Berufung. Denn welches Herz möcht nicht Liebe haben. Die Liebe ist so groß, dass man das alles annimmt. Jeder geht seinen Weg. Nur die Liebe macht's.“ Wir verabschieden uns berührt und beseelt von Schwester Kiliana. „Das war ein netter Vortrag, die Dame ist eine echte Persönlichkeit“, freut sich Ingrid Fohmann. „Aber was mich enttäuscht hat, dass ich nicht in das alte Kloster kommen konnte, weil da Klausur ist, da darf man nicht hinein“, sagt die 86-Jährige traurig. Fohmann war als Kind drei Jahre in den Ferien, im Hochsommer, im Kloster. „Das war ne andere Zeit, in der Nazi-Zeit, da war die Klausur wesentlich zurückgedrängt und der Klosterraum war frei zugänglich für uns Schüler“, erinnert sich Fohmann, „da wollte ich mal wieder nach der langen Zeit hin. Was mir leider nicht geglückt ist.“ Trotzdem habe ihr der Tag recht gut gefallen.

Mehr Engagement für Frauen in der Kirche

„Ich nehme mit, dass der Glaube sehr stärkt“, sagt Josy Röthlein, „ich bin sehr dankbar, dass ich die Fahrt mitgemacht habe.“ Hans Schindlbeck denkt darüber nach, dass die Schwestern Nachwuchsmangel haben, dass es Kirchenaustritte gibt, weil sie nicht mehr mit der Institution zufrieden sind. Was könnte die Lösung sein? „Ich denke, man müsste mehr auf die Frauen zugehen, dass sie sich mehr engagieren, vielleicht sogar später mal Priesterinnen werden dürfen - aber ich glaub, ich erleb das nicht mehr“, überlegt er. So nimmt jeder etwas von diesem Ausflug in eine andere Welt mit. „Nächstes Mal sind wir wieder dabei“, sagen mir die meisten beim Abschied. Und tragen die Sonne im Herzen nach draußen in die Kälte. (Susanne Hornberger)

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