Festgottesdienst So wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Priesterweihe 2020 aus

22.06.2020

Domzeremoniar Bernhard Stürber bereitet die Priesterweihe im Münchner Liebfrauendom vor. Die Vorbereitungen haben ihn dieses Jahr einige schlaflose Nächte gekostet.

Blick in vollbesetzten Münchner Liebfrauendom während der Priesterweihe 2019
Einen vollbesetzten Dom wie bei der Priesterweihe 2019 wird es dieses Jahr nicht geben. © Kiderle

München – Literweise Desinfektionsmittel hat Domzeremoniar Bernhard Stürber für die Priesterweihe nicht bestellt. So viel sei da gar nicht nötig. Die Kommunionausteilung werden nur ein bis zwei Helfer sowie die beiden Neupriester Jasper Gülden und Andreas Kolb übernehmen. „Da braucht’s nur ein paar Spritzerl auf die Hände“, sagt Stürber. Der Diakon bereitet alle großen Gottesdienste im Münchner Liebfrauendom vor, auch die Priesterweihe im Corona-Jahr 2020.

Recht viel mehr Desinfektionsmittel wird auch nicht benötigt, wenn Kardinal Reinhard Marx den beiden jungen Männern die Hände auflegt. Wahrscheinlich müssen sie dabei einen Mund- und Nasenschutz tragen, wenn sich bis zum 27. Juni die Vorschriften nicht ändern. „Aber ohne Handauflegung geht es nicht, die ist seit frühester Zeit konstitutiv für die Weihe.“

Andere liturgische Gesten hat der Domzeremoniar nach Rücksprache mit dem Erzbischof aber abgeändert. Ihr Treueversprechen gegenüber Kardinal Marx werden die beiden Neupriester aus zwei Metern Abstand sprechen. Sonst ist es üblich, dass es der Bischof von Angesicht zu Angesicht entgegennimmt und die Weihekandidaten dabei ihre Hände in die seinen legen. In diesem Jahr werden sie sich nur tief verneigen, wenn sie ihr Versprechen geben. Auf die sogenannte Prostratio, also das Niederwerfen vor dem Altar während der Allerheiligenlitanei, brauchen die Neupriester dagegen nicht zu verzichten. „Ich bin ja fast schon Infektionsschutzexperte“, sagt Diakon Stürber lachend, „das Liegen auf dem vorher sowieso geputzten Fußboden birgt kein Ansteckungsrisiko.“

Nur wenige Personen dürfen mitfeiern

Insgesamt dürfen sich im Altarraum 16 Personen aufhalten, Ministranten und Lektoren nicht mitgezählt. In „normalen“ Jahren sind es oft an die hundert und mehr. Ebenfalls schütter wird es auf den Kirchenbänken aussehen. Seitlich vom Presbyterium dürfen die Kollegen aus dem Priesterseminar Platz nehmen, ohne Sicht auf den Altar und mit eingeschränkten Blick auf die fest installierten Übertragungsleinwände im Seitenschiff. Darüber hinaus sind nur rund 70 Gäste zugelassen und die haben alle eine persönliche Einladung. Es sind die engsten Angehörigen der beiden Weihekandidaten, Vertreter aus dem Ordinariat, dem Studienkurs und den Heimatpfarreien. „Gott sei Dank sind es nur zwei“, seufzt Stürber. „Das hätte ich mir auch nie gedacht, dass ich über eine niedrige Zahl bei der Weihe einmal froh bin.“ Bei mehr Neupriestern hätte jeder von ihnen noch weniger Gäste einladen können.

Bei einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom weiht der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, am Samstag, 27. Juni, um 9 Uhr zwei Männer zu Priestern. Die diesjährigen Weihekandidaten sind: Jasper Gülden (29) aus der Pfarrei St. Peter in Ampermoching im Landkreis Dachau und Andreas Kolb (27) aus der Gemeinde St. Nikolaus in der Stadtkirche Mühldorf im gleichnamigen Landkreis.

 

Eine Verschiebung oder Absage der Priesterweihe in diesem Jahr hat der Domzeremoniar aber nie ins Spiel gebracht: „Es hat bei den Planungen ja niemand gewusst, wie sich die Pandemie bis zum Herbst oder gar bis ins kommende Jahr hinein entwickelt.“ Zur Not hätte der Erzbischof die Weihe im allerengsten Kreis in der Kapelle des Erzbischöflichen Palais vornehmen können. Das sei in Einzelfällen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder einmal geschehen, erklärt Diakon Stürber. Dieses Szenario war jedoch schnell vom Tisch. Trotzdem hatte der Domzeremoniar einige „schlaflose Stunden und einige Sorgen“, wenn er an die bevorstehende Feier dachte: „Wie schaffen wir’s, dass die wichtigen zeichenhaften Elemente der Weihe auch unter Corona-Bedingungen sichtbar und erfahrbar bleiben, dass wir nichts verbiegen oder total weglassen.“

Per Livestream die Priesterweihe miterleben

Die Diakonenweihe Ende Mai war dann die „Generalprobe“ und überzeugte Stürber, dass auch in der gegenwärtigen Ausnahmesituation eine würdige Feier möglich ist. „Der 27. Juni wird festlich sein“, versichert er. Auch Musik wird erklingen, vier Profisänger werden von der Empore über dem Presbyterium singen und der Domorganist die Orgel spielen. Auf fröhliche Umarmungen nach dem Gottesdienst müssen die Neupriester aber verzichten. „Es ist ja sonst üblich, dass man sich da um den Hals fällt und den Emotionen freien Lauf lässt, das darf heuer leider nicht sein.“ Denn das Abstandsgebot und das Vermeiden von Menschentrauben gilt auch vor den Domportalen. Ebenso, dass keine Gläubigen spontan der Feier beiwohnen können.

Stürber empfiehlt, die Übertragungen im Internet anzusehen oder im Münchner Kirchenradio anzuhören. „Wir haben da mittlerweile eine sehr sorgfältige Bild- und Tonregie“, versichert der Domzeremoniar. Er kann sich sogar vorstellen, dass die eine oder andere Gemeinde den Weihegottesdienst sogar in der Pfarrkirche überträgt und die Gläubigen dort zum Mitfeiern einlädt. Natürlich mit den vorgeschriebenen Abständen. Doch auf diese Weise könnten viele Menschen die Zeremonie in einem sakralen Raum begleiten. Und bei einem historischen Ereignis dabei sein: „Denn die Priesterweihe im Corona-Jahr 2020 wird sicher in die Bistumsgeschichte eingehen“, ist Stürber überzeugt.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie Priester

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