Gegen Intoleranz Söder auf Solidaritätsbesuch in Münchner Synagoge

18.09.2019

Nach mehreren antisemitischen Vorfällen setzt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ein Zeichen der Solidarität und besucht ein Gebet in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob. "Ihre Sorgen sind unsere Sorgen", ruft Söder der jüdischen Gemeinde zu.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob. © Bayerischer Rundfunk

München – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat am Montagnachmittag in München an einem Gebet in der Hauptsynagoge Ohel Jakob teilgenommen. Nach mehreren antisemitischen Vorfällen in der bayerischen Landeshauptstadt wollte er damit Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft zeigen. "Ihre Sorgen sind unsere Sorgen", sagte Söder. Betroffenheit und Scham reichten nicht mehr aus. Deshalb müsse gelten: "Keine Toleranz gegenüber Intoleranten."

Antisemitismus ist kein Kavaliersdelikt

Keine Demokratie dürfe sich täuschen, am Ende seien alle betroffen, warnte der Ministerpräsident. Der Freistaat stehe an der Seite seiner jüdischen Mitbürger, Antisemitismus sei kein Kavaliersdelikt. Der Rechtsstaat müsse in dieser Hinsicht seine Zähne noch schärfen.

Zugleich griff Söder die AfD als "antibürgerlich" an. Diese Partei sei eine "neue Heimat für alte Gedanken und neue Nazis" geworden.

Demokratische Gesellschaft insgesamt

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, ergänzte, die "sogenannte Alternative" stehe gegen Demokratie, Freiheitlichkeit und damit gegen eine "lebens- und liebenswerte Heimat für alle Menschen". Betroffen sei nicht nur die jüdische Gemeinschaft, es gehe um die demokratische Gesellschaft insgesamt, deren Werte und die Würde des Menschen.

Knobloch fügte hinzu, wer seine Augen und Ohren nicht verschließe, dem offenbare sich der Judenhass überall in der Gesellschaft -"rechts, links, in der Mitte, und natürlich auch in muslimischem Milieus". Er zeige sich immer öfter und immer radikaler. Die jüdische Gemeinschaft wolle keine Vorzugsbehandlung. "Wir wollen in Freiheit, Frieden und Sicherheit leben, wie alle anderen Bürger dieses Staates auch." Gemeinsam müsse es gelingen, "unsere Heimat gegen den Antisemitismus zu verteidigen, der uns alle bedroht".

Umeinander kümmern

Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman dankte dem Ministerpräsident für die Initiative zu dem gemeinsamen Gebet. Diese sei "nicht selbstverständlich". Das Mittel gegen Antisemitismus sei, allen zu erklären, "dass wir uns umeinander kümmern müssen". Gott werde alle, die das täten, belohnen.

Söder und Brodman hatten bei dem Gebet abwechselnd in Deutsch und in Hebräisch aus den Psalmen rezitiert. Anwesend waren auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), Vertreter der Landtagsfraktionen, der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU), Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Kirchenvertreter sowie der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. (kna)

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