Fürstenfeld leuchtet Sommerabend in schillernden Farben

28.07.2013

Ein warmer Sommerabend - das Kloster Fürstenfeld erstrahlt vor dem noch blauen Himmel in einer ganz eigenen Art – als wüssten die 750 Jahre alten Mauern, dass es heute ihr Tag ist, dass ihre Geschichte erzählt wird. Auf dem ganzen Klostergelände wird sie erlebbar gemacht.

Die leuchtende Fassade der ehemaligen Klosterkirche in Fürstenfeldbruck (Bild: Sankt Michaelsbund)

Es riecht nach Pferdeäpfeln und Weihrauch. Ein lebendes Bild das zeigt, wie die einfachen Menschen in Angst und Schrecken vor den Obrigen ihr Hab und Gut verstecken, im Säulensaal, ein ganz anderes Bild, die höfische Gesellschaft bei gutem Essen, Musik und Tanz und in der Tenne Mönche beim Gebet. Die Zuschauer promenieren zwischen den Handlungsorten, sind fasziniert, in eine andere Zeit versetzt.

Es wird dämmrig, es wird dunkel. Die Klostermauer erstrahlt feurig rot, auf den Bänken davor Menschen, die der Geschichte lauschen. Die an diesem wundervollen Sommerabend, an dem nicht mal die Mücken besonders stören, von einer noch viel blutrünstigeren Tat als der, der kleinen Insekten hören. Nämlich der von Herzog Ludewig II, auch der Strenge, genannt, der seine Frau Maria von Brabant enthaupten lässt – aus Eifersucht. Und später – der Papst stellt ihn vor die Wahl eines Kreuzzugs oder eine Klosterstiftung- der Gründungsvater von Fürstenfeld wird.

Direkt daneben Menschen, die kleine blau-grün blinkende Lichter an ein Metallkreuz stecken – in Erinnerung an einen lieben Menschen – so der Auftrag. Viele nehmen sie jedoch mit nach Hause – als Erinnerung an einen eindrucksvollen Abend. In den Amperauen blinken unzählige Fahrrad Lichter – Glow Worms, eine Installation der Künstlerin Regine Schumann. Auf dem Kanal, der durch das Klostergelände fließt, Leuchtstäbe, die ihre Farbe wechseln und sich im Wasser spiegeln. Am Ufer Menschen, den herben Geschmack des Jubiläumsbiers oder der Minzblätter ihres Hugos im Mund, die das ungewöhnliche Schauspiel beobachten. Im Klosterhof werden die Menschen selbst Teil der Installation der Künstler Detlef Hartung und Georg Trenz. Der Schriftzug „Wandlung“ wird an alle vier Wände des Innenhofs projiziert, in immer wieder abgewandelter Form, die Menschen, die durch den Hof wandeln, angestrahlt vom Wort.

Gegen 23 Uhr haben die 5000 Menschen es sich auf der Wiese vor der Klosterkirche gemütlich gemacht. Auf Picknick-Decken oder Klapphockern, die jüngsten Besucher sind in Kinderwägen und Fahrradanhängern selig eingeschlafen. Auf der Klosterfassade fallen virtuelle Seifenblasen nach unten, werden von den ebenfalls virtuell eingerahmten Fenstern abgestoßen und sammeln sich unten. Sie verkürzen die Wartezeit auf das große Finale – die Menschen raten, fällt die nächste Blase nach rechts oder doch nach links. Als der ebenfalls eingeblendete Counter 00:00 zeigt ist auch das Fassaden-Seifenblasenbecken bis oben hin gefüllt.

Cellistin Fany Kammerlander leitet mit einem eindrucksvollen Bach Präludium ein, dann wird sie in farbigen Installation mit Musik untermalen erzählt, die Geschichte von Ludewig und Maria. Begriffe wie Eifersucht und Verdacht tauchen auf, ein Schwert über das Blut läuft und ein virtueller Kopf, der die Klosterfassade hinabrollt. Dann der Aufbau des Kloster auf dem „Fürsten Felde“, erst in graphischen Elementen aus Licht, plötzlich tritt dahinter die Original Fassade hervor. Ein eindrucksvolles Schauspiel mit Animationen von Peter Mang, dass einen völlig in den Bann zieht. Nach einer guten viertel Stunde ist es vorbei, die Menschen machen sich auf zu ihren Fahrrädern und Autos und ein Abend, wie er nicht faszinierender hätte sein können, geht zu Ende. (sts)

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