150 Jahre Deutsche Bischofskonferenz in Fulda Sonderbriefmarke und Gedenkmedaille

27.09.2017

Jeden Herbst ist Fulda das Herz der katholischen Kirche in Deutschland. Seit 150 Jahren treffen sich dort die katholischen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung. Ein Anlass der dem Bistum eine Gedenkmedaille und eine besondere Briefmarke wert ist.

Die Gedenkmedaille anlässlich 150 Jahre Deutsche Bischofskonferenz in Fulda.
Die Gedenkmedaille anlässlich 150 Jahre Deutsche Bischofskonferenz in Fulda. © Stadt Fulda

Fulda – Wenn die 27 deutschen Diözesanbischöfe und ihre 40 Weihbischöfe zum Auftaktgottesdienst in den Fuldaer Dom ziehen, dann stehen sie in einer großen Tradition: Seit 1867 versammeln sie sich in der hessischen Bischofsstadt zu ihrer Vollversammlung. Der jetzige Gastgeber, der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen, steht also in einer langen Tradition.

Denn Fulda ist auch ein geistliches Zentrum für das ganze Land: Denn hier liegt der Apostel der Deutschen, der heilige Bonifatius begraben. Auf der jetzt herausgegebene Gedenkmedaille ist er auf Rückseite eine Deutschlandkarte mit sämtlichen deutschen Bistümern abgebildet. Auf der Vorderseite aber ist mit gutem Grund der heilige Bonifatius zu sehen.

Diese gemeinsame geistige Überzeugung hat die Bischöfe im 19. Jahrhundert veranlasst, sich stärker zusammen zu schließen. Als Landesherren waren die Oberhirten in der Säkularisation abgesetzt worden. Das führte aber zu einer unerwarteten seelsorgerlichen Blüte, die sie vor allem gegenüber dem protestantischen Preußen behaupten mussten. Schon 1848 hatte es in Würzburg ein Treffen aller deutschen Oberhirten gegeben. Zu einer Institution ist es aber erst in Fulda geworden. Immer wieder haben es die Regierungen misstrauisch beäugt. In der NS-Zeit veränderten die Bischöfe sogar ihren Tagungsort in Fulda und zogen ins Bischofshaus um.

„Regierungssitz“ der katholischen Kirche

Hier suchten die Bischöfe nach einer gemeinsamen Linie gegenüber der Diktatur. Auch unter Mitwirkung der bayerischen Bischöfe. Denn die hatten sich 1873 von der Fuldaer Bischofskonferenz gelöst. Das Königreich Bayern hatte seine Eigenstaatlichkeit gerade verloren, aber wenigstens die weißblauen Oberhirten wollten ihre Autonomie unterstreichen und gründeten die Freisinger Bischofskonferenz. Erst unter dem Druck der politischen Verhältnisse kamen sie ab 1933 auch wieder nach Fulda. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil haben die Nationalen Bischofskonferenzen auch ein kirchenrechtliches Fundament bekommen. So stimmen sie Positionen und Aufgaben ab, die sie auch miteinander finanzieren. Ein bisschen ist Fulda also der „Regierungssitz“ der katholischen Kirche in Deutschland. Und darauf ist Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld schon stolz.

Die Sonderbriefmarke.
Die Sonderbriefmarke. © Stadt Fulda

Ermutigung durch den Heiligen Bonifatius

Schließlich kommen da auch seelsorgerliche, gesellschaftliche und geschichtliche Erfahrungen von den Alpen bis zur Nordsee, von der Oder bis zum Rhein zusammen. Und das verleiht Fulda ein kirchliches Alleinstellungsmerkmal, das auch weit außerhalb Fuldas registriert wird.

Da kann sich die hessische Stadt, mit 67 000 Einwohnern etwa so groß wie Rosenheim, schon als Unterzentrum der weltumfassenden katholischen Kirche fühlen. Auch wenn sich die Bischöfe zu ihren Frühjahrsvollversammlungen immer an wechselnden Orten treffen - im Herbst ist Fulda immer gesetzt. Bischof Heinz-Josef Algermissen geht davon aus, dass das auch in den nächsten 150 Jahren so bleibt. Ebenso, dass die Bischöfe der nächsten Generationen vor mächtigen Aufgaben stehen.

Der heilige Bonifatius ist da vielleicht eine Ermutigung. Denn viele der von ihm gegründeten Bistümer existieren trotz bis heute und setzen seine Mission fort, das Christentum in ihrer jeweiligen Zeit zu verkünden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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