Ausbildung in der Corona-Krise Sorge um Berufsschüler

07.05.2020

Das Kolping-Bildungswerk bangt um seine Berufsschüler aus prekären Familien. Denn Unterricht zu Hause fällt für sie weitesgehend aus. Nur eines kann ihnen wirklich helfen.

Schüler an der Adolf-Kolping-Berufsschule München © SMB/Hasel

München - Noch nie hatte Alfred Maier beruflich so viele Sorgen. Das Kolping-Bildungswerk München und Oberbayern stehe durch die Corona-Krise vor historischen Herausforderungen, betont der Vorstand im Bildungswerk. Die Lage sei zwar nicht hoffnungslos, aber doch ernst. Maier kämpft seit Beginn der Pandemie dafür, dass Einrichtungen und Bildungsmaßnahmen nicht unter die Räder kommen.

Berufsschüler von Schulschließung besonders betroffen

Der Adolf-Kolping-Berufsschule in München, die vom Kolping-Bildungswerk getragen wird, gehe es noch vergleichsweise gut. Wegen der Schulpflicht sei hier nichts zu befürchten, die Lehrer-Jobs seien sicher, so Maier. Einzig die Berufsschüler, die oft aus prekären Familienverhältnissen stammten, gehörten jetzt schon zu den Verlierern der Schulschließung. Viele hätten nicht die digitalen Möglichkeiten für das Home-Schooling, dementsprechend eingeschränkt sei das Lernverhalten. Und dann seien da noch die Jugendlichen, denen schlichtweg die soziale Kompetenz fehle, sich alleine hinzusetzen und zu lernen. Das wahre Ausmaß der Krise würde sich bei den Schülern erst zeigen, wenn der Lock-Down beendet ist. Maier befürchtet, dass es Berufsschüler geben werde, die noch einmal ganz von vorne beginnen müssen. Was allen Hoffnung mache, sind die aktuellen Abschlussklassen. Die dürften seit dem 27. April wieder unterrichtet werden, das sei zumindest ein Hoffnungszeichen. Und am besten wäre es natürlich, wenn möglichst alle Schüler bald wieder in engem Kontakt mit ihren Lehrern effektiv unterrichtet werden könnten.

„Lunch to go“ hält Azubis bei Laune

Die meisten Sorgen bereiten Maier die Münchner Einrichtungen "Jugendwohnen am Entenbach" und das "Ausbildungshotel St. Theresia" in der Hanebergstraße. In diesem Bereich habe man bei den Mitarbeitern mit Kurzarbeit begonnen, durchhalten könne man mit dieser Strategie maximal noch bis zum Herbst. Man werde aber alles daransetzen, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, betont der Bildungswerk-Chef. Das Jugendwohnheim sei seit den Ausgangsbeschränkungen geschlossen, im Ausbildungshotel St. Theresia habe man es immerhin geschafft, dass der Betrieb nicht vollständig zum Erliegen gekommen ist. Man beherberge ab und zu Gäste, die eine Bleibe bräuchten, weil sie einen Corona-Erkrankten besuchen möchten, der in einer Münchner Klinik liegt. Und damit die Auszubildenden nicht aus der Übung kommen, behelfe man sich mit dem, was in diesen Tagen fast alle in der Gastronomie machen: man biete einen „Lunch to go“ an, den der Koch mit den Azubis täglich frisch zubereitet. Das sei vor allem eine psychologische Maßnahme, erklärt Maier. Geld verdiene man damit nicht wirklich.

Keine Entwarnung

An die Staatsregierung appelliert er, gemeinnützige Einrichtungen noch stärker als bisher finanziell zu unterstützen. Denn niemand könne in einer Institution wie dem Kolping-Bildungswerk derzeit abschätzen, wann die Krise wirklich vorbei ist. Entwarnung sei nicht in Sicht. Deswegen müsse man einfach durchhalten, das sei nun das Gebot der Stunde, versichert Maier kämpferisch.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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