Impuls von Pater Karl Kern Sorgenfrei sein

19.05.2019

Sorgen gehören zum Leben, weiß Pater Karl Kern. Gerade der Wonnemonat Mai lade jedoch ein, etwas von der Freiheit und Gelöstheit des Evangeliums zu spüren – trotz aller Sorgen.

Warum sich nicht die Muße gönnen, mit allen Sinnen einzutauchen in die Herrlichkeit der Schöpfung?
Warum sich nicht die Muße gönnen, mit allen Sinnen einzutauchen in die Herrlichkeit der Schöpfung? © Maria Sbytova – stock.adobe.com

„Mir liegt daran, dass ihr sorgenfrei seid“, schreibt Paulus seiner Gemeinde in Korinth (1 Kor 7,32). Das klingt abgehoben. Wir schweben als Glaubende doch nicht über den großen und kleinen Widrigkeiten! Belastendes hat jeder zu tragen. Manche müssen mit schlimmen Dingen zurechtkommen. Sorgen gehören nun mal zum Leben.

Paulus kannte sicher den Satz Jesu: „Sorgt euch nicht um euer Leben!“ (vgl. Mt 6,25–34) Der Meister empfiehlt, auf die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes zu schauen. Er sagt es vermutlich seinem engsten Kreis. Er wendet sich an Männer, die nicht mehr auf den Feldern arbeiten und dort säen und ernten. Er sagt es Frauen, die ihre häusliche Arbeit am Spinnrad aufgegeben haben, um mit ihm durch Galiläa zu ziehen. Jetzt schickt er sie auf den Weg – angewiesen auf Menschen, die sie aufnehmen und verköstigen. Das ist waghalsig. Der Rabbi muss seine Leute ermutigen: „Gott wird für euch sorgen. Eure einzige Sorge soll sein, im Vertrauen auf die Fürsorge Gottes sein Reich, seine Gerechtigkeit zu suchen und zu verbreiten.“

Paulus hat den Zuspruch für Wanderradikale auf sesshafte Christen übertragen. Das gilt bis heute. Was aber heißt „sorgenfrei“ sein? Es heißt sicher nicht: ohne Sorgen zu leben. Die sind ein Teil von uns. Sorgen kann man nicht einfach wegbeten. Auch die Jüngerinnen und Jünger waren voll banger Sorge vor ihrer Aussendung.

Pater Karl Kern SJ ist Kirchenrektor von St. Michael in München.
Pater Karl Kern SJ ist Kirchenrektor von St. Michael in München. © Walter Glück

Sich der Fürsorge Gottes anvertrauen

„Sorgenfrei“ meint: Die Sorgen haben uns nicht im Griff. Sie zermartern uns nicht. Sie verfolgen uns nicht Tag und Nacht. Sie sind umfangen von einem größeren Vertrauen, von der Sorge um das Wesentliche: um ein Leben der Nachfolge Jesu aus der Kraft Gottes. Das geht nur, wenn wir uns jeden Morgen mit allem, was uns bewegt, der Fürsorge Gottes anvertrauen.

Doch dann braucht es den engagierten Einsatz des Tages: für die Menschen, die uns anvertraut sind, für die Aufgaben, die wir zu bewältigen haben. Die Welt um uns soll „Reich Gottes“ werden. Unser Engagement muss allerdings aus einer tiefen Gelassenheit erwachsen. Die grünende und blühende Natur um uns herum ist ein wunderbarer Lehrmeister. Warum sich nicht die Muße gönnen, mit allen Sinnen einzutauchen in die Herrlichkeit der Schöpfung: das prachtvolle Grün der Bäume anschauen, an einer Blüte riechen, die Vielfalt der Blumen bestaunen, am Morgen einer Vogelstimme lauschen?

Wir brauchen die Anspannung des Alltags, um unser Leben zu meistern. Wir brauchen genauso das entspannte Auf-uns-wirken-Lassen von Gottes Natur. Wir sind eingebunden, geborgen in etwas Größerem. Wir leben unter einer Verheißung. Gerade der Wonnemonat Mai lädt uns ein, etwas von der Freiheit und Gelöstheit des Evangeliums zu spüren – trotz aller Sorgen. „Mir liegt daran, dass ihr sorgenfrei seid.“ Paulus sagt es uns heute.


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