Caritas Jahreskampagne Sozial braucht digital

11.04.2019

Die Digitalisierung hat auch den sozialen Bereich erfasst. Die Caritas will diese Herausforderungen aktiv gestalten – und ihre Mitarbeiter fit für die digitale Zukunft machen.

Patrick Wittur und Isabella Hamer erklären, wie sie in der Berufsfachschule für Kinderpflege digital arbeiten.
Patrick Wittur und Isabella Hamer erklären, wie sie in der Berufsfachschule für Kinderpflege digital arbeiten. © Diözesan-Caritasverband

München – Routiniert wischt Isabella Hamer über das Smartboard, das im Klassenzimmer vorne an der Wand hängt. Sie absolviert zurzeit das zweite Ausbildungsjahr in der Berufsfachschule für Kinderpflege der Caritas in München. Dass der Unterricht dort mit digitaler Unterstützung stattfindet, ist für sie inzwischen normal: Zum Beispiel eben mit einem Smartboard, das die Tafel ersetzt hat und auf das von einem Computer Inhalte projiziert werden. Dort können sie bearbeitet, verändert und angepasst werden. Außerdem gibt es eine Lern-und Austauschplattform, auf die jeder Schüler und Lehrer – auch mit dem Smartphone – Zugriff hat. Hier laden sie Arbeitsmaterialien hoch, können kommunizieren und Termine planen. „Es ist leichter an Dokumente und Lehrinhalte zu kommen und der Unterricht ist etwas schneller geworden“, sagt Isabella Hamer.

Medienpädagogische Arbeit

Doch auch wenn Hamer und ihre Mitschüler zu den so genannten „Millennials“ gehören, also in den 2000er Jahren geboren und mit dem Internet aufgewachsen sind, waren die digitalen Veränderungen in der Berufsschule erstmal eine Umstellung. „Vor den Ferien hing noch eine normale Tafel im Klassenzimmer, danach plötzlich das Smartboard. Da war das Erstaunen groß“, berichtet Hamer. Doch schnell gewöhnten sich die Schüler an die neue digitale Strategie. „Wir finden die Plattform super, weil wir sie überall und jederzeit abrufen können. So können wir schon in der U-Bahn erfahren, dass ein Lehrer krank geworden ist oder nochmal das neuste Arbeitsblatt hochladen.“ Ihr Mitschüler Patrick Wittur aus dem ersten Ausbildungsjahr ergänzt: „Wir können uns untereinander in einem datengeschützten Raum austauschen, Fakten recherchieren und sparen uns Papierausdrucke.“

Zwar helfen die digitalen Werkezeuge den Unterricht und die Planung zu verbessern, aber eine ausgebildete Lehrkraft wird es immer brauchen. Davon sind auch Isabella Hamer und Patrick Wittur überzeugt. Ihr Schulleiter Christoph Horner bestätigt das: „Grundlegend für unsere Arbeit ist der persönliche Bezug zwischen Lehrern und Schülern. Eine Maschine kann keine Beziehungsebene pflegen.“ Dennoch ist dem Schulleiter die digitale Transformation im Klassenzimmer wichtig. „Wir können nicht nur die Inhalte besser vermitteln und individueller auf die Schüler eingehen, sondern auch medienpädagogisch arbeiten.“ Die Schüler lernten viel über Nutzungsrechte und Datenschutz, wenn sie zum Beispiel mit Videos oder Fotos auf der Plattform arbeiteten. „Außerdem legen wir viel Wert darauf, die Echtheit von Quellen zu prüfen, beispielsweise bei Recherchen für Referate“, sagt Horner.

Nicht verstaubt

Die Berufsfachschule für Kinderpflege ist eine von zwei Modellschulen der Caritas in München und Oberbayern. In ihnen soll das moderne und effiziente Lernen 4.0 erprobt werden. „Den ein oder anderen mag es erstaunen, dass wir als katholischer Verband nicht verstaubt sind, sondern den digitalen Weg gehen“, sagt Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum mit einem Schmunzeln. Er hebt hervor, wie wichtig das ist: „Unsere Mitarbeiter sollen den digitalen Wandel eben nicht nur begleiten, sondern in die Lage versetzt werden ihn aktiv zu gestalten.“ Dafür müsse digitale Kompetenz so früh wie möglich erlernt werden.

Politisch ist das Thema laut Falterbaum erkannt. Der Bund stelle fünf Milliarden Euro zur Verfügung für digitale Projekte, auch das Land schieße Mittel zu. Allerdings kritisiert der Caritasdirektor, dass die Zuschüsse ausschließlich für die Ausrüstung zur Verfügung stünden. „Mindestens genauso wichtig ist es aber, die Pädagoginnen und Pädagogen für den Umgang mit den digitalen Hilfsmitteln zu schulen.“ Da gebe es noch Nachholbedarf.

Digital braucht sozial

Schließlich gilt es auch, Vorbehalte unter den Schülern ernst zu nehmen. Patrick Wittur berichtet von Skepsis bei einigen seiner Mitschüler, was den Schutz der persönlichen Daten angehe. Außerdem müssten die Lehrer beachten, dass nicht jeder die gleichen Voraussetzungen im Umgang mit digitalen Welt mitbringt - wenn zum Beispiel zu Hause für bestimmte Dinge kein Geld da ist. Deswegen gilt für die Caritas nicht nur das Motto der Jahreskampagne „Sozial braucht digital“. Auch andersherum gilt: Digital braucht sozial.

Caritas Jahreskampagne

Jedes Jahr bestimmt die Caritas ein Schwerpunktthema, das sie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und ihres öffentlichen Auftretens stellen. 2018 war es die Wohnungsnot. Die Caritas forderte „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Dieses Jahr steht die Digitalisierung im sozialen Bereich im Vordergrund. Über das Jahr verteilt wird der Diözesanverband der Caritas im Erzbistum München und Freising das Thema in die Öffentlichkeit bringen und vorstellen, wie sich der Verband fit für die digitale Zukunft macht. Das betrifft die Ausbildung von Mitarbeitern genauso wie die frühkindliche Erziehung und den Bereich Pflege. Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum: „Auch die Sozialarbeit muss smart werden. Ein Ausbau der digitalen Infrastruktur ist unumgänglich.“

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de


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