72-Stunden-Aktion Sozial nicht nur in Netzwerken

27.05.2019

De Sozial-Marathon des BDKJ hat eines gezeigt: Junge Menschen lassen sich gewinnen, wenn es darum geht, etwas für andere zu tun. Ein gutes Signal für Kirche und Gesellschaft.

Freundlichere Welt, freundlichere Menschen: Jugendliche legen im Rahmen der 72-Stunden-Aktion des BDKJ einen Wiesenstreifen an. © Kiderle/SMB

Einen Wiesenstreifen mit bunten Blumen anlegen, mit Buben und Mädchen aus einem inklusiven Kinderhaus ein großes Indianerzelt bauen oder Nachtschwestern in einem Krankenhaus eine Brotzeit vorbeibringen. Natürlich würde sich die Welt auch ohne solche Engagements weiterdrehen. Und dennoch: gut tut es schon. Nicht nur den Anwohner des Wiesenstreifens, den Buben und Mädchen des inklusiven Kinderhauses oder den Krankenschwestern im Klinikum München-Harlaching, sondern der ganzen Gesellschaft. Viele hundert solcher kleinen und manchmal auch ziemlich großen guten Taten sind durch die 72-Stunden-Aktion des BDKJ in der vergangenen Woche entstanden. Allein im Erzbistum München und Freising waren daran über 5000 Jugendliche aus Pfarreien und katholischen Verbänden beteiligt.

Freundlichkeit in die Welt tragen

Oft wird dieser Generation nachgesagt, dass das einzige Soziale, für das sie sich interessiert, die sozialen Netzwerke sind. Eine Generation oberflächlicher Internetnutzer. Die 72-Stunden-Aktion hat gezeigt, dass es aber „viele junge Leute gibt, die nicht in der Hängematte liegen und nur an sich selber denken“, wie es Kardinal Reinhard Marx, der kirchliche Schirmherr der Initiative formuliert hat. Sie wollen an dieser Gesellschaft mitwirken, mehr Freundlichkeit in diese Welt hineintragen. Dass das einem katholischen Jugenddachverband noch gelingt, ist ein gutes Zeichen auch für die Kirche, die zurzeit so stark mit sich selbst beschäftigt ist. Der BDKJ hat es wahr- und ernst genommen, dass unsere Gesellschaft immer stärker vereinzelt, der Zusammenhalt nachlässt und oft nur bestimmte Gruppeninteressen durchgesetzt werden sollen. Da ist es wichtig, Dinge zu tun, die für alle gut sind, auf alle zu achten und das Gemeinsame zu sehen.

Das Gemeinsame sehen und würdigen

Die Nachtschwestern im Krankenhaus München-Harlaching, denen die Pfarrjugend selbstgebackene Leckerbissen vorbeigebracht hat, mögen deutsche AfD-Wählerinnen sein, denen Flüchtlinge unheimlich sind, polnische Frauen, die hier in ihrem Beruf mehr Geld verdienen als in ihrer Heimat, oder nigerianische Migrantinnen, die eine Chance für eine Ausbildung genutzt haben: So unterschiedlich sie sind, miteinander leisten sie trotzdem einen wichtigen Dienst.
Das sollte nicht nur von Politikern oder Amtsträgern, sondern auch von den Bürgern anerkannt werden. Das hat die Pfarrjugend gemerkt, so wie andere Gruppen gesehen haben, dass ihrem Viertel ein bunter Wiesenstreifen gut tut und ein inklusives Kinderhaus Partner braucht, um ganz selbstverständlich zum Stadtteil dazugehören. Gemeinschaft lebt vom Engagement füreinander, das nicht sofort in Mark und Pfennig, auf seinen wirtschaftlichen Profit oder auf seinen unmittelbaren Nutzen geprüft wird. Das bewusst zu machen und daran tatkräftig mitzuwirken ist sicher nicht allein die Aufgabe katholischer Jugendgruppen, aber für sie ist es gewiss eine Kernaufgabe. Es ist ein Ur-Merkmal christlichen Lebens.

Vorbild für die Erwachsenen

Oder um noch einmal Kardinal Marx zu zitieren: „Wir Christen sollten vorangehen, was Nächstenliebe und Solidarität bedeutet. Wenn wir da einschlafen und nicht aktiv sind, dann wäre ich sehr traurig.“ Dazu gab es nun überhaupt keinen Grund. Im Gegenteil: Die 72-Stunden-Aktion gibt Anlass sich zu freuen und dankbar zu sein, dass junge Katholiken sich gezielt und mit einer großen Öffentlichkeitskampagne engagieren. Auch um anderen und nicht zuletzt den Erwachsenen ein Vorbild zu sein.

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Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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