TV-Duell Soziale Gerechtigkeit steht nicht oben auf der Agenda

04.09.2017

Kanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz standen sich gestern im TV-Duell gegenüber. Der Programmleiter des Münchner Kirchenradios, Christian Moser, war über die Gewichtung der Themen überrascht.

Public Viewing: Das TV-Duell wurde zum Teil auf Großleinwänden übertragen.
Public Viewing: Das TV-Duell wurde zum Teil auf Großleinwänden übertragen. © imago

Gestern Abend war es also so weit: das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. Es sollte endlich Pfeffer in den müden Bundestagswahlkampf bringen. In 90 Minuten sollten vier große Themenblöcke behandelt werden. Neben Migration waren das Innere Sicherheit, Außenpolitik und: ja, soziale Gerechtigkeit. Hier haben Viele sich neue Ideen, Strategien und Lösungsansätze erhofft, die die soziale Schere in Deutschland wieder kleiner werden lassen. Herausgekommen ist nicht viel. Etwas mehr Kindergeld, steuerliche Entlastungen für Familien. Aber was ist mit den Langzeitarbeitslosen, oder mit den vielen, die einen Zweit- oder sogar Drittjob benötigen, um sich überhaupt noch eine Wohnung leisten zu können?

Dieselmotor kann soziale Schere nicht verkleinern

Keine Ideen, keine Lösungsansätze. Gefühlte Diskussionszeit: 5 Minuten. Viel wichtiger war der Erhalt des Dieselmotors. Immerhin gilt er bei der Kanzlerin als tragende Säule, um die Klimaziele zu erreichen. Schon klar, verbindliche Zusagen, Vertragsinhalte müssen eingehalten werden. Und die Autoindustrie ist ein bedeutender Arbeitgeber in Deutschland und damit auch ein Garant unseres Wohlstandes. Aber der Dieselmotor kann das weitere Auseinanderdriften von Arm und Reich auch nicht lösen. Dazu braucht es mehr als eine veraltete Antriebstechnik.

Christian Moser ist Programmleiter des Münchner Kirchenradios.
Christian Moser ist Programmleiter des Münchner Kirchenradios. © SMB/Schmid

Populisten profitieren von der Situation

Das Duell gestern hat es gezeigt: Die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit steht nicht ganz oben auf der Agenda: weder bei den politisch Handelnden noch bei den Journalisten. Es ist ein Thema, das am Rande mitbeackert wird. Doch genau diese Haltung spielt den Populisten in die Hände. Sie nutzen die Situation, um Stimmung zu machen und Stimmen zu gewinnen. Die Geschichte hat es immer wieder gezeigt. In den 30er Jahren, den 90er Jahren und auch jetzt wieder. Je weiter sich die soziale Schere öffnet, umso leichter haben es die Populisten – vor allem die vom rechten Rand.

Kardinal Reinhard Marx hat am Wochenende dazu aufgefordert wählen zu gehen. Und noch mehr: Er forderte die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, selbst Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, eine aktive Beteiligung der Bürger auf allen Ebenen. Menschen, die sich engagieren, aber auch ihre Überzeugungen leben, sich dafür einsetzen. So kann soziale Gerechtigkeit tatsächlich gelingen – und ein Dieselmotor ist dafür nicht nötig.

Dieser Artikel gehört zum Thema Bundestagswahl 2017

Das könnte Sie auch interessieren

Hundert Mitarbeitende der Caritas haben sich zu einem Wahlkreuz aufgestellt.
© SMB

Soziale Forderungen Appell der Sozialverbände zur Bundestagswahl

Politiker fordern auf Wahlplakaten und in Sendungen dazu auf, sie und ihre Partei zu wählen. Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising ist zwar keine Partei, aber er ergreift Partei. Er...

14.09.2017

Kardinal Marx: "Wahlen alleine garantieren noch keine Demokratie"
© fotolia/Christian Schwier

Bundestagswahl Kardinal Marx: Wählen allein reicht nicht

Der Erzbischof von München und Freising erwartet von den Bürgern mehr als nur den Gang zur Wahlurne. Sie sollen sich auf allen Ebenen aktiv beteiligen.

01.09.2017

Über Politiker wird unverdient geschimpft, findet Alois Bierl. Er leitet die Radioredaktion beim Sankt Michaelsbund.
© ©frinx - stock.adobe.com

Bundestagswahl Wer sich zur Wahl stellt, verdient Respekt

Die Bundestags-Kandidaten werben um Stimmen. Da kommt dann auch schnell der Vorwurf auf, dass Politiker doch nur an sich selbst denken. Doch es gibt auch eine ganz andere Sichtweise.

21.08.2017

Voller Kinosaal bei der Premiere der Filme "Mut zum Kreuz".
© SMB/Würschinger

Aufklärungsfilm zur Bundestagswahl 2017 Und täglich grüßt das Wahlprogramm

Sechs Parteiprogramme in sechs Kurzfilmen - Max Mustermann (18) durchlebt stets den gleichen Tag, die Bundestagswahl 2017. Der Tag unterscheidet sich nur darin, welche Partei gewonnen hat: CDU, Die...

23.06.2017

Auf WhatsApp teilen