Personalbewegung im Vatikan Spanischer Jesuit folgt auf Kardinal Pell als Vatikan-Finanzchef

15.11.2019

Mit Juan Antonio Guerrero Alves erhält ein einfacher Ordenspriester einen der einflussreichsten Posten in der Leitung der katholischen Kirche.

Juan Antonio Guerrero Alves, ernannter Präfekt des vatikanischen Sekretariats für die Wirtschaft.
Juan Antonio Guerrero Alves, ernannter Präfekt des vatikanischen Sekretariats für die Wirtschaft. © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Vatikanstadt – Der spanische Jesuit und Wirtschaftswissenschaftler Juan Antonio Guerrero Alves (60) wird neuer Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariates. Der Vatikan teilte die Ernennung durch Papst Franziskus am Donnerstag mit. Guerrero, derzeit Leitungsmitglied des Jesuitenordens, erhält damit einen der einflussreichsten Posten in der Leitung der katholischen Kirche, wird aber einfacher Ordenspriester bleiben. Sein Amt tritt er zum Jahresbeginn an.

Früherer Amtsinhaber war Kardinal George Pell (78), der in Australien wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde und ein Berufungsverfahren anstrebt. Pell, im Februar 2014 zum ersten Präfekten der neu gegründeten Behörde ernannt, wurde im Juni 2017 vor dem Hintergrund des Strafverfahrens in Australien von seinem Posten beurlaubt; sein fünfjähriges Mandat lief im Februar 2019 aus. Dem Sekretariat als Aufsichtsgremium übergeordnet ist der Wirtschaftsrat, dem der deutsche Kardinal Reinhard Marx als Koordinator vorsteht.

Hohes Amt für einfachen Pater

Guerrero erklärte in Reaktion auf seine Ernennung, er wolle zu Transparenz in der Wirtschaft des Heiligen Stuhls beitragen und für einen effizienten Einsatz der Güter und Ressourcen sorgen. Die Mittel stünden im Dienst der Evangeliumsverkündigung der Kirche, sagte er dem Portal "Vatican News". - Das vatikanische Staatssekretariat geriet zuletzt durch eine verlustreiche Immobilieninvestition in London in dreistelliger Millionenhöhe in die Schlagzeilen.

Der Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa, bat sich ebenfalls laut "Vatican News" aus, dass Guerrero nicht zum Bischof geweiht werden solle. Er begründete dies damit, Guerrero solle nach dem Endes seines Dienstes wieder ins normale Leben als Jesuit zurückkehren können. Der neue vatikanische Finanzchef wäre damit einer der ranghöchsten Kirchenfunktionäre, aber nur einfacher Pater. Bislang gibt es nur eine bedeutende Kurienbehörde, die von einem Nichtbischof geführt wird; es handelt sich um die Öffentlichkeitsabteilung unter Leitung von Paolo Ruffini, einem Laien.

Mitbruder Franziskus

Der aus dem südwestspanischen Merida stammende Guerrero trat mit 20 Jahren in den Jesuitenorden ein, dem auch Papst Franziskus angehört. Seine Studien absolvierte er in Spanien, Brasilien, Frankreich und den USA. 1986 erwarb er in Madrid einen Universitätsabschluss in Wirtschaftswissenschaften, 1993 einen Abschluss in Philosophie und Literaturwissenschaft und ein Jahr darauf ein Lizenziat in Theologie an der Päpstlichen Universität Comillas.

Nach mehreren Jahren Lehrtätigkeit im Fach Gesellschaftsphilosophie und politische Philosophie war Guerrero ab 2003 für die Novizenausbildung der Jesuiten in Spanien verantwortlich. 2008 übernahm er die Leitung der spanischen Ordensprovinz; von 2015 bis 2017 wirkte er als Koordinator und wirtschaftlicher Leiter für Projekte seines Ordens in Mosambik. Anschließend wechselte er auf seinen aktuellen Posten in Rom, wo er als Delegat des Generaloberen für die internationalen Einrichtungen der Jesuitenordens zuständig ist. (kna)


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