Hilfsorganisationen erfreut Spendenbereitschaft trotz Corona hoch

23.07.2020

Abgesagte Spendenveranstaltungen, fehlende Kollekten, unsichere wirtschaftliche Lage - Die Coronakrise lies einen Einbruch der Spendengelder befürchten. Doch die Solidarität war groß. Sorge bereitet die Zukunft.

Hand steckt Geld in Opferstock
Trotz Corona war die Spendenbereitschaft der Menschen groß. © Stefan Redel - stock.adobe.com

München – Trotz fehlender Kollekten und abgesagten Aktionen während des Coronalockdowns blieben befürchtete Spendeneinbußen bei den katholischen Hilfsorganisationen und Verbänden in Deutschland aus. Sie zeigen sich erfreut über die Spendenbereitschaft und Solidarität mit Hilfsbedürftigen im In- und Ausland. Viele Organisationen riefen gezielt zu Spendenaktionen auf. Diese erfuhren einen guten Rücklauf.

Die anderen nicht aus den Augen verlieren

Die Caritas in München hat einen Corona-Hilfsfonds aufgesetzt um Menschen, die wegen der Pandemie in Not geraten, unkompliziert und schnell zu helfen. Vor Ort sei man zufrieden mit der Spendenbereitschaft für dieses Vorhaben, so eine Sprecherin der Caritas. Auch die Caritas international hat einen Fonds für Coronaprojekte im Ausland, speziell für die Prävention und Eindämmung des Virus, ins Leben gerufen. Über 1,8 Millionen Euro wurden dafür gesammelt. Das sei erfreulich, aber nicht mit vergangenen Aktionen, wie bei Naturkatastrophen vergleichbar. So wurden nach dem Erdbeben 2010 in Haiti 15 Millionen Euro gesammelt.  

Auch bei Missio München hat es in der Zeit von März bis heute keine Spendeneinbußen gegeben. Die Spendeneinnahmen seien im Vergleichszeitraum zum Vorjahr sogar leicht gestiegen. Man freut sich über die Resonanz zu dem Corona-Spendenaufrufe für die Projektpartner in Afrika, Asien und Ozeanien. Viele Länder stünden wegen fehlenden Gesundheitssystem vor gravierenderen Herausforderungen. “Ich bin dankbar, dass die Menschen in der Not die anderen nicht aus den Augen verlieren”, sagt Missio Präsident Monsignore Wolfgang Huber im Interview mit mk online.  

Digitale Aktionen

Misereor konnte ihr jährliche Fastenaktion heuer nicht wie geplant durchführen. Die Einnahmen aus den Kollekten des fünften Fastensonntags blieben wegen den abgesagten Gottesdiensten aus. Doch der Rückgang der Spenden fiel mit 7 Millionen Euro im Vergleich zu 10 Millionen in vergangenen Jahr 2019 kleiner aus als befürchtet. Laut Geschäftsführer Thomas Antkowiak gab es viele tausend Einzelspenden und für geplante Fastenessen und Spendenläufe wurden Alternativen gefunden. “Es hat eine Vielzahl von fantasievollen Aktionen gegeben um das aufzufangen was in anderer Weise geplant war. So hat man manches einfach in die digitale Welt verlagert. Da sind interessante Erfahrungen zusammengekommen, die uns auch für die Zukunft hilfreich seinen können.”

Der Sozialdienst katholischer Frauen in München freute sich neben dem finanziellen Rücklauf zu einem Spendenaufruf gegen die Not der Coronapandemie über Sachspenden wie Masken und Einweghandschuhen. Auch die Caritas konnte dank einer Spende ihre Mitarbeiter des Mobilen Pflegedienstes mit neuen Jacken ausstatten.  

Schnelle und flexible Hilfe

Die erwähnten Organisationen verweisen darauf, dass sie sich nur zu einem kleinen Teil über Spenden finanzieren. Diese seien aber wichtig um schnell und flexibel auf Entwicklungen zu reagieren und Hilfe leisten zu können. Corona sei dafür ein Paradebeispiel. So konnte die Caritas dank zweier Großspenden ihr Angebot an Online-Beratung kurzfristig auszubauen und 400 neue Beraterinnen und Berater schulen. Wegen geschlossener Beratungsstellen war die Nachfrage nach digitalen Angeboten stark gesteigen.

Unsichere Zukunft

Unsicherheit herrscht über das künftige Spendenverhalten. Es wird befürchtet, dass sich Spendeneinbußen erst zeitverzögert bemerkbar machen. Die wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen im Zuge der Pandemie seien noch nicht zur Gänze abzusehen. Viele Spender hätten ihre Weihnachtsspende vorgezogen und würden später im Jahr voraussichtlich nicht mehr spenden, befürchtet man bei der Missio München. So wird sich voraussichtlich erst zum Ende des Jahres oder am Anfang des nächsten Jahres abschließend beurteilen lassen, welche Auswirkungen die Pandemie auf das Spenden hatte.

Die Autorin
Valerie Tiefenbacher
Medienmanagerin/Social-Video-Managerin
v.tiefenbacher@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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