Grüne fordern fleischfreien Tag in Kantinen Spießig, schädlich, selbstgerecht

06.08.2013

Das Problem mit der Forderung der Grünen nach einem Zwangsgemüsetag ist ein dreifaches. Hier stimmen weder die sonnenblumige Anglo-Verpackung, noch der vorgebliche Inhalt, noch die Motivation. Auf Bairisch gesagt: Das ganze ist ein rechter Schmarren.

Anian Christoph Wimmer ist Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung (Bild: Sankt Michaelsbund)

 

Erstens: Die Verpackung. Ganz schön groovy, diese Greenies! Der Begriff erinnert an Plakate einer Drogerie-Kette kurz vor ihrem Konkurs: "For You. Vor Ort", hiess es da. Der Firmensprecher entschuldigte das sinngemäß mit: Das Klientel sei halt nicht so gebildet. Wird jetzt ein grüner PR-Mann nach dem dritten Bio-Hugo einen ähnlichen Lapsus per Twitter leisten?

Zweitens: Der Inhalt. Soll niemand glauben, dass mit zwangsverordneten Pflichttagen mehr "Gerechtigkeit mit Messer und Gabel" hergestellt werden kann. Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Mit Bevormundung erreicht niemand Gerechtigkeit! Statt die wichtigen Anliegen von Armut und Hunger zu beleuchten, ebenso wie die positiven Aspekte vegetarischer Ernährung, wird eine Moral-Keule geschwungen. Das ist spiessig, schädlich und selbstgerecht; für mündige Bürger eine zutiefst unchristliche Zumutung.

Drittens: Die Motivation. Die ist so durchsichtig wie daneben. Die Grünen haben in einigen Diskursen die öffentliche Deutungshoheit. Was daran liegen mag, dass sie oft authentischer sind, weil sie an ihre Anliegen glauben. Aber hier werden eigene Werte instrumentalisiert, um als Akt performativer Propaganda medial ausgespielt zu werden. So wird der Etikettenschwindel möglich, der mit kurzatmigen Halbwahrheiten hinter "Happy Labels" (sic) kulturrevolutionäre Maßnahmen propagiert. Das schadet den Anliegen wie unserer Demokratie.

In meiner Familie ist seit Jahren der Freitag ein fleischloser "Pfannkuchentag". Eine schöne Tradition, die unsere Kinder begeistert – und die Hunde, wenn wir nicht tierisch aufpassen. Aber wir haben als Christen einen besseren Grund dafür als Propaganda und Zwang; und wir respektieren die Freiheit der anderen, mit zu machen – oder nicht. 

Anian Christoph Wimmer ist Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung


Das könnte Sie auch interessieren

Grüne fordern fleischfreien Tag in Kantinen Für die Wahlfreiheit

Um es voraus zu schicken: Ich bin keine Vegetarierin. Grundsätzlich esse ich gerne Fleisch. Ich mag auch Schinken in meiner Nudelsoße oder ab und zu eine Currywurst. Ich würde sagen, wenn ich die Wahl...

06.08.2013

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren