Größte Baumaßnahme seit Wiederaufbau des Klosters St. Bonifaz wird für 20 Millionen Euro generalsaniert

04.05.2018

Das Benediktinerkloster zwischen Königsplatz und Karlstraße in München hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. In den nächsten drei Jahren wird sich einiges verändern.

Die Generalsanierung wird 20 Millionen Euro kosten.
Die Generalsanierung wird 20 Millionen Euro kosten. © Kiderle

München – Die Luft ist trocken und staubig, der Putz an vielen Mauern bis auf die rohen Ziegel abgeschlagen, Unmengen von Bauschutt türmen sich in den Kellergewölben, wohingegen im Innenhof des Kloster-Osttrakts bereits mit den Betonierarbeiten des Bodens begonnen wurde. Ortstermin in der Benediktinerabtei St. Bonifaz in dieser Woche – das bekannte Münchner Kloster zwischen Königsplatz und Karlstraße hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. Die sonst von wildem Wein und Efeu umrankten rötlichen Mauern sind zu weiten Teilen hinter Gerüsten verschwunden und auch der idyllisch anmutende Pflanzenbewuchs wird noch weichen müssen – die Wurzeln zerstören sukzessive Mörtel und Ziegel.

Es dürfte sich um die wohl größte Baumaßnahme seit dem Wiederaufbau des Klosters nach dem Zweiten Weltkrieg handeln: Auf rund 20 Millionen Euro wird die auf drei Jahre veranschlagte Generalsanierung beziffert. Elf Millionen werden durch Fördergelder und von diversen Zuschussgebern, darunter auch die Erzdiözese, abgedeckt, neun Millionen sind Eigenleistung der Benediktiner, erklärt Abt Johannes Eckert.

Erbaut im Auftrag von König Ludwig I.

Der denkmalgeschützte Bau wurde wie die gesamte Klosteranlage und einst mächtige Basilika von Architekt Georg Friedrich Ziebland im Auftrag König Ludwigs I. von 1835 bis 1850 erbaut. Nach Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt hat man die Mönchsräume in den Nachkriegsjahren nur notdürftig saniert.

Immer wieder wurde das eigentliche Kloster wegen anderer großer Baumaßnahmen zurückgestellt, erklärt Abt Johannes. Erst kam der teilweise Wiederaufbau der Basilika, später errichtete man das Pfarrzentrum, schließlich das Haneberghaus für die Sozial-, Obdachlosen- und Jugendarbeit. Und Prior Emmanuel Rotter ergänzt: „Schon als ich 1990 eingetreten bin, musste jedes Jahr immer irgendwas im Haus geflickt werden.“ Nun also im Jahr des 150. Todestages des königlichen Stifters der große Wurf anstatt weiterer Flickschusterei.

Abt Johannes Eckert sieht in den Bauarbeiten auch die Chance, sich von Überflüssigem zu trennen.
Abt Johannes Eckert sieht in den Bauarbeiten auch die Chance, sich von Überflüssigem zu trennen. © Kiderle

Der historischen Bausubstanz gerecht werden

Die Baumaßnahme liegt in den Händen des mit derartigen Projekten erfahrenen Architektenbüros „Schnabel + Partner“. Und es gibt einiges zu tun: Dringend erforderlich sind Maßnahmen zum Brandschutz, die energetische Sanierung nebst Feuchteschutz, die Renovierung von Fenstern, Fassaden und Dächern, der Heizung und Kanalisation sowie der gesamten Elektrik und elektrotechnischen Einrichtungen nebst der 250.000 Bände umfassenden Bibliothek und der sanitären Anlagen. Bislang hatten die Benediktiner nur spartanische Etagenduschen und -toiletten, nun wird es für jeden Mönch eine eigene Nasszelle geben. Auch die Räume für die Obdachlosenarbeit werden auf den neuesten Stand gesetzt. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Man will so weit wie möglich das ursprüngliche Baukonzept wiederherstellen und der historischen Bausubstanz gerecht werden.

Chancen für die Zukunft

Die derzeit neun Mönche (sechs leben in Andechs) sind einstweilen in den Kloster-Westtrakt umgezogen, Speisesaal und Klosterküche sind derzeit im Haneberghaus beheimatet. Abt Johannes sieht das als Chance, sich ein wenig von so manch Überflüssigem, das sich über die Jahrzehnte angesammelt hat, zu trennen.

Zum ersten Mal in der Klostergeschichte wird zudem im Osttrakt ein eigener in sich geschlossener Gästebereich mit insgesamt 21 Zimmern entstehen, jedes mit Dusche und WC ausgestattet. Das birgt Chancen für die Zukunft: „Es gibt immer mehr Menschen, die für einige Zeit Ruhe im Kloster suchen“, sagt Abt Johannes. Aufgrund der Innenstadtlage könne er sich für St. Bonifaz neue Angebote vorstellen, „Tag der Stille“ etwa oder Exerzitien, die zum Beispiel die Kunstwerke in den nahegelegenen Pinakotheken mit einbeziehen.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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