Malteser Momente St. Josefstift - Leben wie in einer Großfamilie

03.03.2019

Wie gehen wir mit unseren Senioren um? Eine wichtige Frage für eine alternde Gesellschaft. Wir haben uns im Malteserstift St. Josef in Percha umgeschaut, wie hier ältere Menschen ihren letzten Lebensabschnitt verbringen.

Josefstift-Bewohnerin Rosa Kleizmann freut sich auf den Faschingsball © SMB/Hasel

Fritz Lang lehnt sich entspannt zurück und genießt die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen auf der großräumigen Terrasse des Malteser St. Josefstiftes in Percha. Zwei Jahre lebt der rüstige Senior schon hier auf einer Anhöhe am Ostufer des Starnberger Sees. Es ist, wie er selber sagt, seine „letzte Adresse“. Seine Tochter habe ihm die Einrichtung vorgeschlagen, nachdem seine Frau gestorben ist, erzählt Lang bei Kaffee und Kuchen. Die Entscheidung, hier die letzten Lebensjahre zu verbringen, hat er nicht bereut. „Wir sind eine große Familie, jeder ist für jeden da“. Und er werde auch noch gebraucht, erklärt Lang. Manchmal schiebe er die Rollstühle mit seinen Mitbewohnern, wenn er sieht, dass die nicht zurechtkommen. Und wenn er keine Lust auf Gemeinschaft hat, lasse man ihn in Ruhe. Dann ziehe er sich zum Lesen auf sein Zimmer zurück. Wenn ihn doch einmal der Lagerkoller überkommt, nutzt er einfach das Angebot des Hauses, einen Ausflug in die Region zu machen. Sitz- und Erinnerungstraining gehörten sowieso dazu, da komme man mit den Mitbewohnern am besten ins Gespräch, findet Lang.

Gut 150 Senioren verbringen im St. Josefsstift ihren Lebensabend. Ein paar wenige sind weitestgehend selbständig in der Wohnanlage untergebracht, die meisten aber haben ein Zimmer im vollstationären Pflege-Bereich, auch wenn sie noch kein richtiger Pflegefall sind. Man betreibe im St. Josefsstift eine „aktivierende Pflege“, erläutert Hausleiterin Gislinde Dietz. Das bedeute, dass der Bewohner alles tun darf, was er tatsächlich noch kann. „Das dauert manchmal länger, aber die Geduld wollen wir aufbringen“. Auch lege man großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter sich permanent fortbilden. Gerade im psychiatrischen Bereich, beim Wundmanagement oder bei der Palliativ-Betreuung in der letzten Lebensphase seien etwa zwei Drittel der Pflegekräfte immer auf dem neuesten Stand. Neben der hohen Pflege-Qualität und dem vielfältigen Freizeitangebot liegt Gislinde Dietz ganz besonders die Seelsorge am Herzen. Sie selber gehört zum Seelsorgeteam des Josefstiftes, das sich aus einer Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Wohnbereiche zusammensetzt. Einmal in der Woche feiere man Gottesdienst, zu dem auch die Bürger aus Percha immer eingeladen sind. Außerdem biete man Andachten zu Themen wie Dankbarkeit und Glück sowie spezielle Wortgottesdienst für Demenzkranke an. Eine Pastoralreferentin komme regelmäßig ins Haus, die die Bewohner auf Wunsch besucht. Zwei Mal im Jahr gebe es zudem einen Krankensalbungsgottesdienst. Und nicht zuletzt pflege man für die Sterbenden eine „Abschiedskultur, die sehr religiös geprägt ist“. Das alles zu organisieren koste viel Zeit und Kraft, gibt Dietz zu. Wenn ein Tag besonders anstrengend ist, gehe sie einfach durch das Haus und unterhalte sich mit den Bewohnern. Dann könne sie die Freude der Menschen sehen, die ihr und ihrem Team anvertraut sind. „Das ist mein Antrieb und das motiviert mich“, betont die Hausleiterin, bevor sie sich wieder in die Gespräche mit den Mitarbeitern und Bewohnern stürzt.

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St. Josefstift in Percha

Malteser Momente

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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