Gedenken an Todesmarsch von Dachau Stab der Erinnerung weitergeben

23.04.2015

Kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 70 Jahren schickten die Nazis rund 10.000 Häftlinge auf mörderische Todesmärsche Richtung Alpen. Daran erinnern in den kommenden Tagen Gedenkzüge im Großraum München. Helga König vom Katholikenrat der Region München sind sie seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen.

Mahnmal im bayerischen Königsdorf zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau 1945 (Bild: imago/imagebroker)

München - „Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige; immer ist der wichtigste Mensch, der dir gerade gegenübersteht; immer ist die wichtigste Tat die Liebe.“ - Dieses Zitat des Mystikers Meister Eckhart (1260-1327) ist so etwas wie das Lebensmotto von Helga König. Es ist das Fundament ihres Engagements im Katholikenrat und für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die 75-jährige Münchnerin ist leidenschaftlich kommunikativ. Sie erzählt gerne und hört gerne zu. Mit vielen Überlebenden des Holocaust ist sie in den vergangenen Jahren ins Gespräch gekommen, einige sind ihre Freunde geworden. „Das hat mein Leben total verändert“, sagt König. Sie werde nie vergessen, mit wieviel Liebe ihr Überlebende aus Israel begegnet seien, trotz des Leids, das sie in deutschen Konzentrationslagern erlebt haben.

Gerade am Judentum hat Helga König schon immer besonderes Interesse gezeigt. Sie engagierte sich in der christlich-jüdischen Gesellschaft und bei den Freunden Abrahams. König sei eine verlässliche Partnerin der jüdischen Gemeinschaft, „die uns hilft bei unserem Streben nach einer demokratischen Erinnerungskultur“, würdigte Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, König einst bei der Verleihung der Pater-Rupert-Mayer-Medaille. Ein Holocaust-Überlebender habe ihr einmal eine Plakette überreicht mit der Aufschrift: „Unserem Freund Helga König.“ Zuvor hatte sie ihm und seiner Familie - mit der für sie typischen, hartnäckigen Art - einen längeren Aufenthalt in Deutschland ermöglicht, indem sie Kardinal Friedrich Wetter, den damaligen Erzbischof von München und Freising, um eine Spende bat. Nachdem dieser 1000 Euro gegeben habe, konnte sie der Familie eine Unterkunft besorgen.

Rache an Hitler

Für Sonntag, 26. April, hat Helga König wieder einen Gedenkzug mitorganisiert, der von Allach bis Pasing führt und an den Todesmarsch von Dachau erinnert. Vor 70 Jahren mussten etwa 10.000 Gefangene aus dem Konzentrationslager Dachau und seinen Außenlagern Allach und Kaufering durch das Würmtal gen Alpen marschieren. Viele starben an Erschöpfung und Krankheit, andere wurden auf dem Weg von der SS erschossen oder erschlagen. Die Überlebenden wurden am 1. und 2. Mai 1945 von amerikanischen Truppen im bayerischen Oberland befreit.

„Ich bin die Rache an Hitler – ich lebe“, habe ihr ein ehemaliger Dachau-Häftling aus Ungarn vor einigen Jahren mal gesagt, so Helga König. Dessen Söhne, die den Vater beim Gedenken an den Dachauer Todesmarsch nach Deutschland begleiteten, wollten das Martyrium des Vaters im KZ erst gar nicht wahrhaben. „Die haben das nicht geglaubt“, erzählt König. Erst im Austausch mit anderen Überlebenden hätten die Söhne das Ausmaß der Grausamkeiten begriffen. Deshalb wünscht sich König auch, dass die Jugendlichen heute in die Zeit von damals „hineinschauen“ und sich mit ihr auseinandersetzen. „Dass sie auch die Demokratie mehr schätzen lernen und sich in ihr mehr zu Wort melden.“ Sie treffe aber auch „so viele junge Leute“, die sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen. Dies sei aber auch notwendig, denn „Verführer“ wie damals, „die sind auch heute noch da“. Das Motto des Gedenkzugs in Allach heißt deshalb auch: „Denkmale lebendig machen, den Stab der Erinnerung weitergeben“. (ksc)


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