Bischofsweihe Stallgeruch und Welterfahrung

28.05.2020

Eigentlich sollte Münchens Kardinal Reinhard Marx Bertram Meier schon am 21. März zum neuen Augsburger Bischof weihen. Coronabedingt wurde der Termin auf den 6. Juni verlegt. Aber wer ist dieser Mann eigentlich?

Bertram Meier
"Ein leutseliger Typ, der oft hemdsärmelig auftritt und dabei gerne mal in schallendes Lachen ausbricht." © Imago Images/ epd

Augsburg – Seine Ernennung war so überraschend wie vielfach erhofft. Zunächst zur Überraschung: Als Papst Franziskus Bertram Meier am 29. Januar zum künftigen Bischof von Augsburg erklären ließ, war das gleich doppelt ungewöhnlich. In diesem Jahrtausend ist in Bayern noch kein Priester Bischof seiner Heimatdiözese geworden. Und zweitens kommt es nicht oft vor, dass derjenige Oberhirte wird, der das Bistum schon zuvor seit Freiwerden des Bischofsstuhls kommissarisch geleitet hat; Domdekan Meier (59) war nach dem altersbedingten Rücktritt Konrad Zdarsas im Juli 2019 Diözesanadministrator geworden.

Als die Meier-Nachricht im Augsburger Dom offiziell verkündet wurde, war das Gotteshaus mit rund 1.000 Menschen voll besetzt. Corona-Abstandsregeln gab's noch nicht, die Gläubigen saßen und standen dicht gedrängt. Nahe fühlten sie sich offenkundig auch ihrem neuen Bischof: Nonnen schossen begeistert Fotos, Männer mit feuchten Augen klatschten frenetisch Beifall, Kinder reckten strahlend Willkommensplakate hoch.

Gute Verbindungen nach Rom

In diesen Reaktionen mag sich gespiegelt haben, dass Meier stets als zugänglicher, auf Ausgleich bedachter und humorvoller Gesprächspartner auftritt - und das in einem Bistum, das in der Vergangenheit vielfach von Polarisierungen geprägt war. Meier selbst sagte damals: "Hirt und Herde sind jetzt in Augsburg aus einem Stall."

Augsburgs neuer Bischof hat also Stallgeruch - aber auch Welterfahrung. Geboren wurde er am 20. Juli 1960 in Buchloe im Allgäu, aufgewachsen ist er in Kaufering bei Landsberg am Lech. Später zog er gen Süden. So leitete Meier von 1996 bis 2002 die deutsche Abteilung im vatikanischen Staatssekretariat. Kurienstaatssekretär Pietro Parolin kennt ihn aus dieser Zeit, er war damals Untersekretär dieser wichtigen Kurienbehörde. Intern heißt es, die seit damals gepflegten Verbindungen Meiers nach Rom könnten ihm bei seiner neuen Aufgabe und auch in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) noch von Nutzen sein.

Skeptisch beim Frauendiakonat

Anders als sein verschlossener Vorgänger ist Meier ein leutseliger Typ, der oft hemdsärmelig auftritt und dabei gerne mal in schallendes Lachen ausbricht. Kirchenpolitisch ist Meier keinem Lager zuzuordnen. Seine starke römische Prägung kann er gleichwohl nicht verleugnen, auch wenn er immer wieder vorsichtige Wegmarken in Richtung Modernisierung setzt. Den Synodalen Weg etwa, die Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland, nannte Meier alternativlos und eine "Werkstatt des Heiligen Geistes".

In der Frage der Weihe von Frauen ist Meier derweil zurückhaltend. Die Priesterinnenweihe lehne er ab, Papst Johannes Paul II. habe sie ausgeschlossen, sagte Meier jüngst der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Auch beim Frauendiakonat bin ich skeptisch. Denn das widerspräche der Einheit des dreistufigen Weihesakraments, das ja auch Priester- und Bischofsamt umfasst." Es "könnte die Problematik der Rolle der Frau in der Kirche noch verschärfen", wenn "Frauen nur die erste Stufe erklimmen dürften, die der Dienerin". Jedoch müssten Frauen mehr Leitungsverantwortung erhalten.

Vorreiter beim Thema Ökumene

Seine Nachfolge in der Führung des Augsburger Seelsorgeamtes hat Meier just schon mal in die Hände einer Frau gelegt - die der Pastoralreferentin Angelika Maucher. Zudem kündigte der Bischof in spe kürzlich an, seine Diözese solle einen Umweltmanager bekommen.

Seine Offensive in Sachen Ökologie ist neu, altbekannt ist jene in der Ökumene: Meier, der einer gemischtkonfessionellen Ehe entstammt, führt etwa seit 2013 die Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK) in Bayern. Auch in der DBK gehört Meier künftig der Ökumene-Kommission an; zudem jener für die Weltkirche, für die er sich immer wieder einsetzt.

Gerne hätte Meier zu seiner Bischofsweihe deshalb auch Gäste aus der Ferne empfangen. Coronabedingt wird das nun kaum möglich sein. Auch den dicht gedrängten Jubel-Trubel von der Ernennung wird es wegen der Pandemie-Beschränkungen nicht wieder geben: Zur Feier am 6. Juni ab 10 Uhr im Augsburger Dom werden nur rund 180 Menschen zugelassen werden. (Christopher Beschnitt und Christoph Renzikowski/ KNA)


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