Marienmonat Mai Starke Frauen

10.05.2017

Der Monat Mai ist in der katholischen Kirche der Gottesmutter Maria gewidmet. Wir nehmen das zum Anlass, mal etwas auf die starken Frauen in der Kirchengeschichte zu schauen.

Neben Maria gab es noch viele weitere starke Frauen in der Geschichte der katholischen Kirche.
Neben Maria gab es noch viele weitere starke Frauen in der Geschichte der katholischen Kirche. © SMB

„Eine starke Frau, wer wird sie finden?“, so fragte (in alten Bibelübersetzungen) das Buch der Sprichwörter. Man könnte antworten: Zum Beispiel der, der einen Blick in die historischen Dokumente des Archivs des Erzbistums wirft. Denn hier sind viele Geschichten bemerkenswerter Frauen aufgezeichnet – vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hier eine kleine Auswahl:

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Maria Magdalena Haidenbucher © Verlag Anton H. Konrad

Äbtissin in schwerer Zeit

Am 24. Februar 1609 meldeten die 15 Nonnen der Benediktinerinnen-Abtei Frauenchiemsee dem Erzbischof von Salzburg, dass sie ihre 33-jährige Mitschwester Maria Magdalena Haidenbucher zur neuen Äbtissin gewählt hatten.

Die Tochter eines Hofmarksherrn aus Kaufering bei Landsberg war dem Kloster schon mit zwölf Jahren zur Erziehung übergeben worden. In den 41 Jahren ihrer Regierung erwies sie sich nicht nur als fromme Ordensfrau, kluge Wirtschafterin und fürsorgliche Herrin der Klosteruntertanen.

Sie steuerte ihr Kloster auch umsichtig durch die Krisenzeit des Dreißigjährigen Krieges. Als 1632 schwedische Truppen Bayern heimsuchten, gewährte sie auf ihrer Insel mehreren anderen Frauenkonventen Zuflucht.

Und als es gegen Kriegsende 1648 selbst hier bedrohlich wurde, harrte sie gleichwohl mit einigen Schwestern im Kloster aus. Darüber und über ihre ganze lange Amtszeit hat die Äbtissin in ihrem „Geschicht Buech“ eigenhändige Aufzeichnungen hinterlassen.

Hexe oder Helferin?
Normalerweise sind Einträge in alten Sterbebüchern sehr knapp. Doch die Pfarrer von Egern am Tegernsee haben im 18. Jahrhundert kleine Nachrufe verfasst, die uns zahlreiche Frauenschicksale überliefern.
Eines der bemerkenswertesten ist das von Theresia Gschwandler. Die Wirtstochter hatte in eine Rottacher Bäckerei eingeheiratet. Mit 32 Jahren war sie bereits zum zweiten Mal verwitwet und musste nun allein für ihre acht Kinder sorgen, was sie auch vorbildlich tat. Darüber hinaus betätigte sie sich mit großem Erfolg als Hebamme und Heilerin, was ihr von manchen den Vorwurf der Hexerei einbrachte.
Doch als sie 40-jährig 1770 starb, würdigte der Pfarrer im Sterbebuch nicht nur ihre Tapferkeit und Uneigennützigkeit, sondern staunte auch, „dass uns in einer Frau ein Hippokrates entrissen wurde“.

Ellen Ammann 1917 © Archiv des Erzbistums München und Freising

Unerschrocken politisch

Ihre Heirat mit dem Orthopäden Dr. Ottmar Ammann führte die junge Schwedin Ellen Sundström 1890 nach München. Neben ihren Aufgaben in der Klinik ihres Mannes und als
Mutter von sechs Kindern entfaltete Ellen Ammann ein beindruckendes kirchliches, soziales und politisches Engagement.

Sie rief 1897 die Münchner Bahnhofsmission ins Leben und war 1903 an der Gründung des Katholischen Frauenbundes beteiligt, dessen bayerischem Landesverband sie vorstand. 1909 begründete sie auch die „Sozial-karitative Frauenschule“ zur Ausbildung von Sozialarbeiterinnen, die in der Katholischen Stiftungsfachhochschule bis heute weiterlebt. 1919 wurde sie für die Bayerische Volkspartei in den Landtag gewählt. Hier setzte sie sich vor allem für Themen der Jugend- und Wohlfahrtspflege, des Gesundheitswesens und der Frauenrechte ein.

Unerschrocken handelte sie 1923 als „der einzige Mann im Landtag“ angesichts des Hitler-Putsches, nachdem sie zuvor schon die Ausweisung Adolf Hitlers aus Bayern gefordert hatte. Ellen Amman starb 1932 kurz nach einer Landtagsrede. Sie ist am Alten Südfriedhof in München begraben.

Unter dem NS-Regime
1946 hatten die Pfarrer des Erzbistums dem Ordinariat darüber Auskunft zu geben, wer aus ihrer Gemeinde unter dem NS-Regime von Verfolgung betroffen war.
Vielfach konnten sie mutiges Verhalten von Frauen melden, so auch der Pfarrer von Holzkirchen: Eine Hausbesitzerin nahm die aus dem Kindergarten vertriebenen Ordensfrauen bei sich auf und riskierte dafür den Ausschluss aus der NS-Frauenschaft und -Volkswohlfahrt. Eine weitere Frau äußerte im Kolleginnenkreis Kritik am „Tschecheiüberfall“ als einem „Raubzug“ und verlor dafür ihren Arbeitsplatz. Gleich mehrere Frauen protestierten gegen die Entfernung der Kreuze aus den Klassenzimmern und handelten sich damit eine strenge Verwarnung des Ortsgruppenleiters ein.
Die schlichten Fragebögen von 1946 in den Dokumentenmappen des Diözesanarchivs bilden ein stilles Denkmal ihrer Tapferkeit.

Maria Anna Petronilla von Obernberg © Privat

Männliche Bravour

Richtertochter, Richterfrau und Richterwitwe, wiederum Richterfrau und dazu 17-fache Mutter war Maria Anna Petronilla von Obernberg. Alle wichtigen Daten ihres – zeittypischen und doch ungewöhnlichen – Lebenslaufs sind den Pfarrmatrikeln zu entnehmen.

1770 heiratete der Miesbacher Richter Georg von Spitzl die Tochter seines Amtsvorgängers. Beim Miesbacher Stadtbrand 1783 gab sie ein „seltenes Beyspiel männlicher Bravour“, als sie für die Rettung der Gerichts-Registratur sorgte. Im Jahr darauf starb, während sie zum zwölften Mal schwanger war, ihr Mann. Noch vor der Entbindung wurde die 34-jährige Witwe Frau des 23-jährigen Juristen Ignaz Joseph von Obernberg, der mit ihr auch das Miesbacher Richteramt übernahm.

Nach Geburt von fünf weiteren Kindern starb sie im Alter von 42 Jahren 1793 an einer „langwierigen Abzehrung“. Auf ihren eigenen Wunsch hin wurde ihr Leichnam obduziert, weil dies „ihr nicht mehr schaden, anderen aber … vieles nutzen“ könne.

Diese Zusammenschau wurde von Dr. Roland Götz, Abteilungsleiter im Archiv des Erzbistums München und Freising und Erzbischöflicher Notar, erstellt.

Mehr zum Thema starke Frauen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Münchner Kirchenzeitung. Zu beziehen im klassischen Print-Abo, oder auch als ePaper.

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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