Gerlich-Denkmale in München Starke Präsenz in München für NS-Gegner

22.07.2016

Für den NS-Kritiker Fritz Gerlich soll ein Seligsprechungsverfahren eröffnet werden. Schon jetzt ist der ehemalige Journalist sehr präsent in der bayerischen Landeshauptstadt.

Löwe "Swapo" vor der katholischen Akademie (Bild: Benedikt Richter)

München – Wer heilig ist, der wird niemals vergessen. Das ist genau so mit berühmten Persönlichkeiten, großen Politkern oder Stars. Aber auch Revolutionäre und Widerstandskämpfer leben in den Gedanken der Menschen ewig weiter. Ein vielleicht nicht ganz so bekannter dieser Widerstandskämpfer war der Journalist Carl Albert Fritz Michael Gerlich – oder auch einfach nur Fritz Gerlich. Er warnte mit seinen Publikationen vor der bevorstehenden Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging und wurde deswegen 1934 in Dachau hingerichtet.

Nun wurde bekannt, dass ein Verfahren zu seiner Seligsprechung in Vorbereitung ist. Unabhängig von dem bevorstehenden Verfahren zur Seligsprechung gibt es auch jetzt schon einige Orte, unter anderem in München, die seine Lebenswerk in Erinnerung halten sollen.

 

Ein Rundgang entlang der Gerlich-Denkmale in München.

 

Am ehemaligen Verlagsgebäude der Süddeutschen Zeitung in der Hofstatt, mitten in der Altstadt, würdigt man an der Nordwand den ehemaligen Chef. Drei, durch Efeu leicht zu übersehende, Bronzetafeln geben Auskunft über Gerlich selbst, wie sein Geburts- und Todesdatum, sowie seine Todesursache. Von hier aus leitete Gerlich damals seinen Kampf gegen das aufstrebende NS-Regime und wurde dort auch blutig geschlagen und verhaftet.

 

Direkt neben dem Königsplatz befindet sich das Areal, auf dem damals Gerlichs Gegner, die NSDAP, ihr Hauptquartier hatte. Seit dem 1. Mai 2015 steht dort das NS-Dokumentationszentrum, ein Museum über die Zeit der Nationalsozialisten. Im vierten Stock, direkt zu Beginn der Ausstellung, findet sich dort für den NS-Widersacher Gerlich eine Tafel. Dort werden seine Lebensgeschichte, sein Wirken und letzten Endes seine Ermordung in den Sprachen Deutsch und Englisch kurz zusammengefasst und mit einem Exemplar der Publikation „Der gerade Weg“, mit der er eindringlich vor Hitler warnte, abgerundet.

 

Gerlich war zu Lebzeiten oft in dieser Ecke Münchens, er wohnte unweit in der Richard-Wagner-Straße 27. Eine runde Tafel erinnert daran. Sie informiert darüber, dass Gerlich hier gewohnt hat und führt auch dessen Lebensdaten an. Leider ist sie leicht zu übersehen, da sie nicht gerade auf der normalen Blickhöhe hängt.

 

Nur wenige Meter weiter, in der Brienner Straße 39, steht vor dem Haupteingang des Hansahauses eine Statue Gerlichs. Eine Informationstafel gibt Auskunft über die einzelnen Schritte des Kritikers gegen das NS-Regime bis zu seiner Ermordung in Dachau. Dieses, vom Regensburger Bildhauer Andreas Prucker geschaffene Denkmal steht unter anderem dort, da Gerlichs ehemaliger Wohnort nur einige Meter entfernt ist und sich die Ziele Gerlichs mit denen des KKV decken. Die Büste ist frei zugänglich.

 

Auch in der katholischen Journalistenschule bekam Gerlich ein Andenken. Nach ihrem Umzug in die Kapuzinerstraße wurde Gerlich dort Zimmerpate für eines der 24 Gästezimmer, die dort alle einen berühmten Vertreter aus dem Verlags- oder Rundfunkwesen als Paten haben.

 

Symbol für Gewalt und Demütigung

 

Der wohl aussagekräftigste Ort für Fritz Gerlich ist aber wahrscheinlich der Löwe „Swapo“ vor der katholischen Akademie in Schwabing. Der 15 Tonnen schwere und 2,80 Meter hohe Steinriese war allerdings nicht immer dort. Lange Jahre schmückte er noch das Tor zum Wittelsbacher Palais, das von den Nazis zur Gestapo-Hauptzentrale umfunktioniert wurde. Nun stand der Löwe am Wegesrand vieler Menschen, die in dort Schrecken, Gewalt und Demütigungen ausgesetzt waren. Nach dem Krieg wurde „Swapo“ aus den Trümmern des zerbombten Münchens gerettet und, zwar nicht reibungslos, aber erfolgreich, vor die katholische Akademie gebracht. Dort steht er für all die Menschen, die ihn als Letztes sahen, bevor man sie in die Gestapo-Zentrale brachte. Seit 1994 steht er allerdings noch speziell für Fritz Gerlich, der einer der Ersten war, die sich Hitler in den Weg stellten. Von dort an steht vor dem Löwen auch noch die von Bildhauer Max Faller angefertigte Gedenktafel mit der großen Überschrift „DIE FREIHEIT VERTEIDIGEN“. (Benedikt Richter, gw)

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