Flurdenkmäler rund um Weyarn Steinerne Säulen mit tragischen Geheimnissen

12.08.2019

Oft stehen die steinernen Denkmäler ganz unscheinbar im ländlichen Raum - umgeben von Bäumen, Kühen oder Bauernhäusern. Dabei haben die sogenannten Marterl oft tragische und schauderhafte Geschichten zu erzählen. Eine Spurensuche rund um Weyarn.

Tuffsäule nahe Mittenkirchen
Tuffsäule nahe Mittenkirchen © SMB/Schlaug

Weyarn – In der Gemeinde Weyarn im Landkreis Miesbach gibt es seit dem Jahr 2000 den "Arbeitskreis Marterl". Dieser begreift es als seine Aufgabe, Wegsäulen und -kreuze zu erforschen und zu ihrem Erhalt beizutragen. Rund 40 davon - meist aus Tuffstein gefertigt - gibt es allein rund um Weyarn, obwohl eine Verordnung Anfang des 19. Jahrhunderts verfügt habe, Heiligenbilder und Marterl, Feldkreuze und Wegkapellen niederzureißen. So heißt es in einem Wanderführer zu den Marterln, den Arbeitskreis-Sprecher Josef Hatzl mitherausgegeben hat. Der leidenschaftliche Heimatforscher hat viele interessante Geschichten rund um die Marterl gesammelt, einige davon sollen nachfolgend wiedergegeben werden.

Darstellung des Doppelmords an der Steinsäule
Darstellung des Doppelmords an der Steinsäule © SMB/Schlaug

Der Doppelmord von Neukirchen

Im Ortsteil Neukirchen steht in einer kleine Straße direkt am Zaun eines Privatgartens eine kleine Steinsäule, die an ein furchtbares Verbrechen erinnert: Es ist der Fronleichnamssonntag 1913, als in der Dorfwirtschaft Streit wegen einer unbezahlten Maß Bier und eines zerbrochenen Bierglases ausbricht. Der Veicht-Wirt und sein Freund Moser schmeißen die beteiligten Stollenbauarbeiter aus der Gaststätte, draußen geht die Rauferei weiter. Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigen, kommt der Bauerssohn Aigner des Weges und ergreift Partei für die Unterlegenen. Mit Schimpfworten lockt er Moser an und verletzt ihn und anschließend auch den herbeieilenden Veicht tödlich mit Messerstichen.

Im März 1914 wird Aigner zunächst zu zehn Jahren Zuchthaus und zum Tode verurteilt, später vom König dann zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Nach der Verurteilung - so die Überlieferung - werden Stimmen laut, die den Mord und seine Vorgeschichte neu beleuchten wollen. Auch Aigner will das Verfahren neu aufrollen lassen. Doch bevor es dazu kommt, stirbt er in seiner Zelle.

Das Marterl am westlichen Ortsausgang von Kleinseeham
Das Marterl am westlichen Ortsausgang von Kleinseeham © SMB/Schlaug

Das Marterkreuz von Kleinseeham

Das Marterl befindet sich an einem schattigen Hang am westlichen Ortsausgang von Kleinseeham und hat die Form eines Malteser- oder Johanniterkreuzes. Es erinnert laut Hatzl an den Bauern Johannes (Hans) Hanger - deshalb die beiden Buchstaben "HH". Hanger fällt am 16. September 1684 im Umkreis dieser Stelle von einem Baum und stirbt. Seine Frau Anna wird dadurch zum zweiten Mal zur Witwe und lässt das Marterl zum Gedenken an das Unglück errichten.

Im Jahr 1985 geht das Marterl kaputt und zerbricht in zwei Teile. In der Folge kommt es zu einer kuriosen "Restaurierung", bei der das steinerne Kreuz falsch herum auf den Sockel gesetzt und mit der Jahreszahl 1894 datiert wird. Auf Initiative des Arbeitskreises Marterl korrigiert man diesen Fehler 2001 und versieht das Flurdenkmal wieder mit der richtigen Jahreszahl.

Das Pestmarterl im Weiler Bruck
Das Pestmarterl im Weiler Bruck © SMB/Schlaug

Das Pestmarterl von Bruck

Im Jahr 1634 hat die Pest die Region fest im Griff. Auch drei Priester aus der Pfarrei Neukirchen sind unter den Toten. Zur Erinnerung an die Pestopfer wird im Jahr 1996 im Weiler Bruck ein Marterl nach historischem Vorbild errichtet. Die Inschriften nennen die Wohnorte und die Anzahl an Pesttoten aus der Umgebung. Einem Gelöbnis aus jener Zeit im 17. Jahrhundert folgend, findet jedes Jahr am 20. Januar, dem Gedenktag des Heiligen Sebastian, ein Bittgang nach Holzolling zu diesem Pestpatron statt. Dabei wird auch am Marterl in Bruck Halt gemacht und der 391 Pesttoten der Pfarrei Neukirchen gedacht.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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