Kinder- und Jugendgruppe Sternsinger aus München helfen das ganze Jahr

30.04.2021

Im Januar sind Sternsinger sehr präsent. Die anderen Monate wird es still um die kleinen Könige. Die Sternsinger aus München-Freimann engagieren sich aber nicht nur Anfang des Jahres.

Sternsingergruppe Sankt Albert aus München-Freimann
Die älteren Mitglieder der Sternsingergruppe von St. Albert zeigen mit den Händen das Friedenssymbol der Taubenflügel. Hinten (v.l.): Moritz, Agnes, Hannah und Tanja Kohwagner-Nikolai. Vorne (v.l.): Valentina, Emilia und Maria. © Riffert

München – Agnes Kohwagner ist 14 Jahre alt und mehr als die Hälfte ihres Lebens voll engagiert für andere. Der lebhafte Teenager mit den intelligent blitzenden Augen und der flotten Kurzhaarfrisur erzählt, dass beim Erntedankgottesdienst 2015 in der Pfarrei St. Albert Spenden gesammelt wurden, damit Bretter für die Aktion „LebenRetten“ des Kindermissionswerks bemalt werden. Damit wollten Agnes und ihre Freunde darauf hinweisen, dass zu viele Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Bei der Sternsingeraktion 2016 war der Weiße Vater P. Hans Pfeifer in München, der den Kindern von seiner Arbeit in Uganda erzählte. „Danach war uns klar, dass wir eine monatliche Gruppenstunde wollen, um das ganze Jahr über helfen zu können“, ergänzt Agnes. Also hat sie damals kurzerhand ihre Mutter gefragt, ob sie nicht die Leitung der Gruppe übernehmen wollte.

Unterstützung von Eltern und Großeltern

„Ich war am Anfang ziemlich skeptisch, dass diese Gruppe länger als ein halbes Jahr bestehen würde“, schmunzelt Tanja Kohwagner-Nikolai. „Doch ich habe mich zum Glück getäuscht.“ Seit 2016 trifft sich die Sternsingergruppe von St. Albert jeden Monat. Rund 30 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 21 Jahren sind hier angedockt. Oft helfen auch die Eltern oder Großeltern mit, wenn bei Veranstaltungen Unterstützung gebraucht wird. Seither stemmt die Gruppe neben der jährlich stattfindenden Sternsingeraktion eine Menge an Zusatzaktivitäten. Zum Beispiel eine Schulranzenaktion für das Global Aid Network. Dabei werden ältere Ranzen, die noch gut sind, mit Schulmaterial bestückt und in Länder geschickt, wo Schule keine Selbstverständlichkeit ist.

Anderen Menschen Freude bereiten

Die Gruppe bastelt regelmäßig Osterkerzen und spendet den Verkaufserlös, etwa für die Aktivitäten der Weißen Väter in Uganda. Die Kinder und Jugendlichen unterstützen auch bedürftige Münchnerinnen und Münchner – etwa über die Armenspeisung der Schulschwestern. Nach dem Motto „Sternsinger ist man immer“ ist die Gruppe das ganze Jahr über kreativ. „Wir machen nichts, was uns nicht selbst Spaß machen würde“, sagt die zwölfjährige Maria, die sich ebenfalls voller Leidenschaft in die Sternsingergruppe einbringt. Und die gleichaltrige Valentina bestätigt zusammen mit ihrer 14-jährigen Schwester Emilia: „Wir sind hier, weil es Spaß macht, anderen Menschen Freude zu bereiten.“ Der 15-jährige Moritz ergänzt, dass er gerne neue Leute über die Aktionen der Gruppe kennenlernt. „Und hier haben wir denselben Humor.“ 

Hilfsaktionen trotz Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat natürlich auch die Sternsinger von St. Albert getroffen. „Wir haben auf Online-Gruppenstunden umgestellt und auch sonst Corona-konform geplant“, erklärt Hannah Kohwagner, die große Schwester von Agnes. Die Älteren haben beispielsweise eine Rallye für Familien mit 23 interaktiven Stationen im Bereich der ganzen Pfarrei eingerichtet. Für die Gruppe selbst gab es ein „Sternsinger-Bingo“ per Telefon. Auch die Hilfsaktionen liefen weiter. Im ersten Lockdown wurde im „Home Office“ für Senioren der Pfarrei gebastelt, gedichtet, gemalt und sogar eine CD aufgenommen. Eine Gärtnerei stiftete Blumen. Über 70 Osterüberraschungstüten wurden anschließend verteilt.

Im Herbst und im Advent 2020 hat die Gruppe die Behindertenwerkstätten des Münchner Förderzentrums in Freimann mit einem Verkaufsstand unterstützt. Mit dem Erlös von über 1.400 Euro konnte das Förderzentrum wieder Bastelmaterial für die Bewohner kaufen. Zur Sternsingeraktion 2021 hat die Gruppe sogar einen eigenen Film gedreht. Dabei haben Kinder und Jugendliche – je getrennt nach Familien – gesungen, Bibelstellen vorgelesen und gebetet. Am Schluss wurde erklärt, wie man unter diesen Bedingungen spenden konnte, da die Sternsingergruppen ja nicht von Haus zu Haus gehen durften.

Münchner Kirchenzeitung inspiriert zur Aktion

Trotz der langen Kontaktbeschränkungen bleiben die Sternsinger weiter das ganze Jahr aktiv. Auch 2021 wurden Osterkerzen ganz nachhaltig aus den Resten alter Kerzen selbst gegossen und anschließend verziert. Rekordverdächtige 86 Stück wurden hergestellt und für insgesamt 1.350 Euro an Spenden weitergegeben.

Mittlerweile läuft bei den Sternsingern von St. Albert schon die nächste Aktion. Inspiriert hat sie ein Bericht in der Münchner Kirchenzeitung über einen Briefmarkensammler, der damit Ausbildungsstipendien des Kolpingwerks unterstützt. „Bisher haben wir schon sechs Kilo bekommen“, freut sich Tanja Kohwagner-Nikolai. „Darunter waren auch ganze Sammlungen, die sehr interessant sind.“ Zunächst sollte die Aktion nur bis Ende April laufen, doch noch immer kommen Briefmarken an. „Also sammeln wir halt weiter!“ (Gabriele Riffert)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Sternsinger

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