Willi Weitzel Sternsinger aus Überzeugung

30.12.2016

TV-Reporter Willi Weitzel war für das Kindermissionswerk "Sternsinger" schon viel in der Welt unterwegs. Warum er dabei das Gefühl hatte, andere Planeten zu besuchen, lesen Sie hier.

TV-Reporter Willi Weitzel und die Sternsinger aus Altschwabing
TV-Reporter Willi Weitzel und die Sternsinger aus Altschwabing. © Klaus D. Wolf/Kindermissionswerk

München – Er war Messdiener, sogar Obermessdiener – wie man in seiner hessischen Heimat sagt – und als solcher „natürlich bei den Sternsingern“, lacht Willi Weitzel und sieht dabei genauso lausbubenhaft aus, wie in der Sendung „Willi will’s wissen“, die ihn bekannt gemacht hat. Die Frage, warum jeder den Sternsingern auf jeden Fall die Tür aufmachen sollte, beantwortet er gleich auch noch: „Weil’s doch einfach blöd ist, wenn da engagierte Kinder kommen, die die Hoffnung haben, die Welt verändern zu können – wenn man denen die Tür vor der Nase zuschlägt. Selbst wenn ich die Aktion doof finden würde, kann ich mir doch das Lied anhören und den Spruch und dann gebe ich halt drei oder fünf Euro – aber ich kann doch diesen Kindern nicht die Hoffnung zerstören.“

Dabei hatte seine eigene Karriere als Weiser aus dem Morgenland mit einem fast traumatischen Erlebnis begonnen: Der damalige Oberministrant hat den damals noch kleinen Willi am Hosengürtel an die Garderobe gehängt und ihn dort zwanzig Minuten zappeln lassen. Aber das hat Willi Weitzel nicht davon abgehalten, noch viele Jahre weiter von Haus zu Haus zu ziehen und den Segen an jede Tür zu schreiben.

Viel Schokolade im Beutel

So konnte er auch viele sehr schöne Erinnerungen an seine Einsätze sammeln. „Ich komme nämlich aus einem Ort, in dem es eine Schokoladenfabrik gibt – und dort haben immer alle eingekauft. Da kam natürlich jedeMenge in unsere Beutel“, freut sich der bekennende Schokoholic noch heute. Und als neugieriges Kind hat er es auch immer genossen, in fremde Wohnzimmer schauen zu dürfen.

Was Willi Weitzel allerdings nicht wusste, war, wofür der Pfarrer das Geld verwendete, das sie gesammelt hatten. Damals war ihm das auch ziemlich egal. Als aber vor einigen Jahren das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ aus Aachen bei ihm anrief und fragte, ob er nicht Filme über die Beispielländer der Aktion Dreikönigssingen machen möchte, sagte er gerne zu. Denn inzwischen hatte er herausgefunden, dass es die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder ist. Sie sammeln jedes Jahr mehr als 40 Millionen Euro.

Willi Weitzel im Gespräch mit kenianischen Projektpartnerinnen, die ihn bei den Dreharbeiten zu seinem Film in Kenia unterstützt haben.
Willi Weitzel im Gespräch mit kenianischen Projektpartnerinnen, die ihn bei den Dreharbeiten zu seinem Film in Kenia unterstützt haben. © Klaus D. Wolf/Kindermissionswerk

Motivation für die Kinder

Die Filme sind für die Kinder, die in diesen Tagen als Sternsinger durch die Straßen ziehen. „Denn meistens ist es doch so: Ein Kind fragt das nächste, ob es nicht mitmachen will, wir brauchen da noch jemanden, der so eine Krone trägt, und dann macht man halt mit. Aber wenn die Kinder einmal wissen, für wen sie das Geld sammeln, dann sind sie doch ganz anders dabei,“ erklärt der 44-Jährige den Sinn seiner Filme über die Beispielländer. Die schauen sich die Kinder in den Pfarreien an, bevor sie losziehen.

In diesen Filmen stellt Willi Weitzel arme Kinder in ihrem Alltag vor. Heuer geht es um Kenia. Die kleine Aouette zeigt Willi, wie sie sich ihre Zähne mit einem Stöckchen putzt oder wo es zum Brunnen geht. „So können die Kinder in Deutschland sich mit ihr vergleichen“, sagt der Filmemacher. Bei den Kindern bleibt so ein Gefühl der Hoffnung, dass man diesen Kindern helfen kann. Bei Willi Weitzel hat diese Arbeit ganz andere Gefühle geweckt: „Ich beschreibe das immer als Mischung aus Bedauern und Bewundern. Bewundern, was so ein kleines Kind schafft, und Bedauern, weil es einfach nicht in Ordnung ist, dass ein zehnjähriges Mädchen einen zehn Kilo schweren Wasserkanister mehrmals am Tag ohne Schuhe kilometerweit in sengender Hitze durch eine Wüstenlandschaft schleppen muss.“

Zwanzig Tage hungern

Kenia war Willi Weitzels fünfter Einsatz für die Sternsinger. Vorher war er schon in Tansania, auf den Philippinen, in Bolivien und in einem Flüchtlingslager in Malawi. Diese Arbeit hat seinen Blick auf die Welt verändert: Als er in Malawi war, musste das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen die Lebensmittelrationen in den Flüchtlingslagern halbieren, weil kein Geld mehr da war. „Da mussten die Menschen, die eh schon Hunger hatten, mit noch weniger auskommen, konnten zehn Tage essen und dann mussten sie zwanzig Tage hungern.“

Als Willi Weitzel wieder nach Hause kam, hatte die Vorweihnachtszeit begonnen. Er ging in ein Geschäft und sah, wie sich ein Kunde fürchterlich aufregte, weil ein bestimmtes Produkt nicht vorhanden war. „Das hat mich so fertiggemacht, dass ich nach Hause gerannt bin und mich unter unseren Küchentisch gesetzt habe, weil ich die Welt nicht mehr verstanden habe. Ich brauchte eine Höhle, einen sicheren Ort – wie ein Kind.“ Und dann erklärt der zweifache Vater – in ganz einfachen Worten, wie es nur ein Willi Weitzel kann: „Wenn man nach Afrika kommt, dann hat man das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein. Aber es ist unser Planet. Wir sind alle miteinander verbunden. Wir kaufen Produkte, die Kinder dort oder in Asien für einen Hungerlohn hergestellt haben. Wir verbrauchen Rohstoffe aus Entwicklungsländern. Wir leben nicht auf einem anderen Planeten. Wir tragen eine Verantwortung.“ (Brigitte Strauß-Richters)

Das ganze Gespräch mit Willi Weitzel können sie nachhören unter www.hauptsache-mensch-radio.de.

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