Rosenkranz Stets Jesus im Blick

10.10.2017

Der Oktober gilt als Rosenkranzmonat. Wie es dazu kam, erklärt der Theologe Max Kronawitter.

In Bayern war es sogar einmal die Pflicht jedes Untertanen, einen Rosenkranz bei sich zu tragen.
In Bayern war es sogar einmal die Pflicht jedes Untertanen, einen Rosenkranz bei sich zu tragen. © Fotolia.com/shsphotography

Von Franz Xaver Unertl, der von 1953 bis 1970 im deutschen Bundestag saß, gibt es eine amüsante Anekdote: Bei Gesprächen mit Bischöfen soll er gerne sein Taschentuch aus der Hose gezogen haben, um so – vermeintlich unbeabsichtigt – einen Rosenkranz fallen zu lassen. Das kam gut an. Die katholische Gesinnung des CSU-Abgeordneten war damit hinreichend belegt. Ob sich heute in den Taschen von Politikern noch ein Rosenkranz findet, ist fraglich.

Bei jungen Leuten ist die „Paternosterschnur“, wie die Gebetskette auch genannte wurde, zunehmend ungebräuchlich. Dabei war es in Bayern sogar einmal die Pflicht jedes Untertanen, einen Rosenkranz bei sich zu tragen. Die Entstehung des Rosenkranzgebetes erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte. Das älteste Zeugnis einer Gebetsschnur in der lateinischen Kirche stammt aus dem elften Jahrhundert.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher.
Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

"Geistige Waffe"

Die heutige Gestalt erhält das Gebet im 15. Jahrhundert. Zur Zeit der türkischen Bedrohung wird der Rosenkranz zur geistigen Waffe. Der Sieg bei Lepanto 1571 wird auch dem „Gebetssturm“ mit dem Rosenkranz zugeschrieben. Das Rosenkranzfest erinnert an diese Zeit. Im Jahr 1884 erklärt Papst Leo XIII den Oktober zum Rosenkranzmonat.

Das letzte Datum dieser Entwicklung markiert das Jahr 2002: Papst Johannes Paul II. fügt den traditionell 15 „Geheimnissen“ eine weitere Fünfergruppe hinzu, die „lichtreichen“. Damit wird der thematische Bogen des Gebetes, beginnend bei der Verkündigung über Geburt, Kindheit, Passion, Auferstehung und Geistsendung, um wesentliche Aspekte aus dem Leben Jesu erweitert. So wird deutlich, dass das marianisch geprägte Gebet stets Marias Sohn Jesus im Blick hat. Den Namen freilich erhält es von der Gottesmutter. Rosengewächse sind in der christlichen Ikonographie ein Symbol für Maria. In der Lauretanischen Litanei wird sie gar als „geheimnisvolle Rose“ umschrieben. (Max Kronawitter)

Dieser Artikel gehört zum Thema Rosenkranz-Monat

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