Chor der Sixtinischen Kapelle in München Stich ins Herz

24.06.2017

Der Chor der Sixtinischen Kapelle ist derzeit beim Tölzer Knabenchor zu Gast, bevor die bayerischen Buben bald zum Gegenbesuch in den Vatikan reisen. Bei einem Gottesdienst im Gedenken an die verfolgten Christen haben sie nun eine erste Kostprobe ihres gemeinsamen Stimmvolumens gegeben.

Der Chor der Sixtinischen Kapelle und der Tölzer Knabenchor singen in Sankt Ursula in München-Schwabing. © Kiderle

München – Unter die Haut geht das „Ave verum corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart, als sich die Stimmen glasklar bis zum ersten Höhepunkt hochschrauben: „immolatum in cruce pro homine“ – am Kreuz geopfert für uns Menschen. Wie ein Stich ins Herz. 80 Buben und Bässe des Tölzer Knabenchors und ihrer Gäste vom Päpstlichen Chor der Sixtinischen Kapelle erfüllen den weiten Raum der Münchner Pfarrkirche St. Ursula mit fast überirdischem Klang.

Umso eindrücklicher erscheinen anschließend die Worte, die Dekan David Theil in seiner Predigt an die Besucher dieses Gottesdienstes richtet, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) eingeladen hat. Er zitiert Papst Fraziskus mit seinem Begriff einer „Ökumene des Blutes“, die durch die vielen Opfer der Christenverfolgung weltweit entstehe. Denn ihrer wird in dieser ökumenischen Feier gedacht, besonders der Märtyrer aus den altorientalischen Kirchen. So ist neben dem Vorstand der ACK Bayern mit Dekan Theil, dem evangelisch-lutherischen Pfarrer Gottfried von Segnitz und dem griechisch-orthodoxen Erzpriester Apostolos Malamoussis unter anderem auch Dioskuros al Anthony von den Kopten zu Gast – und eben die beiden Chöre. Ein starkes Zeichen der Solidarität. Denn Theil will diese Ökumene des Blutes auch in positivem Sinne gedeutet wissen: „Das Blut ist der Puls, der Lebensstrom, der durch den Leib Christi fließt, an dem wir alle teilhaben.“ Er ruft die Christen dazu auf, ihren Glauben nicht in „stillen Ecken und Kammern“ zu leben, sondern ihn mutig nach außen zu tragen.

Tölzer Knabenchor "einer der bedeutendsten deutschen Chöre"

Genau das machen auch die jungen Sänger aus Tölz und Rom, wenn sie ihre Stimmen vereinen, in diesem Gottesdienst und bald im Vatikan. Denn eigentlich ist es der Tölzer Knabenchor, der vom Chor der Sixtina dazu eingelagen wurde, mit ihnen zum Fest Petrus und Paulus ein Konzert und einen Gottesdienst zu gestalten. Regelmäßig bittet der Sixtina-Chor renommierte internationale Vokal- und Instrumentalensembles in den Vatikan. Die Wahl sei heuer auf den Tölzer Knabenchor gefallen, „weil er einer der bedeutendsten deutschen Chöre ist und wir im Jahr des Reformationsgedenkens ein Ensemble wollten, das auch das lutherische Repertoire überzeugend singen kann“, erläutert Chorleiter Massimo Palombella. In Rom wird also unter anderem auch Johann Sebastian Bach auf dem Programm stehen.

Beim vorweggenommenen Gegenbesuch in München, der für den nächsten Abend auch ein Konzert der Römer in der Theatinerkirche vorsieht, erklingen nun als Kostprobe aber erstmal Mozart und Lorenzo Perosis „Tu es petrus“. Nebeneinander stehen dazu Tölzer und Italiener auf dem Chorpodest in St. Ursula, die Kinder sind jeweils passend zu ihren Stimmtimbres platziert. Bei der Aussprache hat man sich auf die weiche italienische geeinigt. Viel Detailarbeit war und ist noch nötig, damit die beiden Chöre homogen klingen.

Bei ihrer gemeinsamen Premiere ist ihnen dies bereits überzeugend gelungen: Scheinbar mühelos singen sich die Buben und Männer zum Abschluss des Gottesdienstes durch das sechsstimmige Credo von Giovanni Pierluigi da Palestrina – einst selbst Chormeister des päpstlichen Ensembles und damit vertrautes Terrain für die Sänger aus der Sixtina, die auf Renaissance-Repertoire spezialisiert sind. Ein imposantes Erlebnis, das erahnen lässt, welch positive Gewalt Menschen haben, wenn sie über Grenzen hinweg gemeinsam ihren Glauben bekennen und für eine lebenswerte Welt ihre Stimme erheben – in der Musik wie im Alltag.

Audio

Beitrag über das Konzert in Sankt Ursula

Aus dem aktuellen Programm des Münchner Kirchenradios

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Emanuele Buccarella singt im Chor der Sixtinischen Kapelle.
Emanuele Buccarella singt im Chor der Sixtinischen Kapelle. © Kiderle

Emanuele Buccarella, 12

Wir haben uns viel unterhalten, hatten Spaß miteinander. Und auch, wenn mal ein anderer Maestro als der eigene vorne steht, gewöhnt man sich schnell daran. Die Tölzer haben uns gelobt und ich habe das Kompliment gerne erwidert: Sie sind wirklich sehr gut und auch sympathisch.

Lionel Wunsch singt im Tölzer Knabenchor.
Lionel Wunsch singt im Tölzer Knabenchor. © Kiderle

Lionel Wunsch, 13

Zuerst mussten wir uns absprechen, weil wir Stücke teils unterschiedlich einstudiert hatten, aber gerade mit Musik kann man sich immer verständigen. Auch in den Pausen haben wir viel miteinander gequatscht. Ich freue mich auf die Sixtina. Es ist eine riesige Ehre, vor dem Papst zu singen.

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de


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